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Führungen zum Gedenken an die Luftangriffe

Eine Großküche in der Unterwelt zum Gedenken an die Luftangriffe - 30.12. 08:00 Uhr

Nürnberg  - Die Führungen durch Nürnbergs Unterwelt in den ersten Tagen des neuen Jahres "sind mittlerweile zu einer guten Tradition in der Stadt geworden", sagt Ralf Arnold, Chef des Fördervereins Nürnberger Felsengänge. Seit dem Jahr 2000 informiert der Verein historisch interessierte Besucher über die städtischen Luftschutzbunker und erinnert so an die schweren Luftangriffe auf Nürnberg am 2.Januar 1945.

Unten und oben: Ralf Arnold, seit 2010 Vorsitzender des Fördervereins, steht in der früheren Großküche, die sich rund zehn Meter unter der Oberfläche befindet. Dort weisen noch heute die Belüftungsschächte auf die unterirdischen Anlagen hin.
Unten und oben: Ralf Arnold, seit 2010 Vorsitzender des Fördervereins, steht in der früheren Großküche, die sich rund zehn Meter unter der Oberfläche befindet. Dort weisen noch heute die Belüftungsschächte auf die unterirdischen Anlagen hin.
Foto: Harald Sippel
Unten und oben: Ralf Arnold, seit 2010 Vorsitzender des Fördervereins, steht in der früheren Großküche, die sich rund zehn Meter unter der Oberfläche befindet. Dort weisen noch heute die Belüftungsschächte auf die unterirdischen Anlagen hin.
Unten und oben: Ralf Arnold, seit 2010 Vorsitzender des Fördervereins, steht in der früheren Großküche, die sich rund zehn Meter unter der Oberfläche befindet. Dort weisen noch heute die Belüftungsschächte auf die unterirdischen Anlagen hin.
Foto: Harald Sippel

Diesmal lädt der Förderverein vom 2. bis zum 8. Januar die Besucher dazu ein, den Laufertorbunker kennenzulernen, der ansonsten der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

Ursprünglich wurden in den Kellern dort auf drei Ebenen Bierfässer gelagert; im Krieg baute die Stadt das unterirdische Tunnelsystem jedoch zu einer Zufluchtsstätte für die schutzsuchende Bevölkerung aus, die vor den Bomben der Alliierten flüchtete.

Der Eingang in der Äußeren Laufer Gasse, durch den die Besucher nach unten gelangen, wurde 1943 allerdings genauso neu gebaut wie ein im Zick-Zack-Kurs angelegter Tunnel, der in die älteren Gänge führt. Die vielen Kurven haben ihren Sinn, sollten dadurch doch die durch die Bombendetonationen entstehenden Druckwellen gebrochen werden, wie Arnold erläutert: „Man wählte auch einen frei stehenden Zugang, damit dieser nicht unter Bauschutt verschüttet werden konnte.“



Für den Bau des Eingangsbereiches hat das städtische Dezernat für Luftschutz auf Bausteine zurückgegriffen, die eigentlich für den weiteren Ausbau des Reichsparteitagsgeländes vorgesehen waren.

Über diesen Eingang gelangt man in die mittlere der drei unterirdischen Etagen. Dort hatten die technischen Werke der Stadt ihr Ersatzteillager. Am interessantesten für die Besucher dürfte die unterste Ebene sein, wo sich damals eine Großküche befand, in der in sechs großen 300-Liter-Kesseln Suppe gekocht wurde. Das hatte nicht nur für diejenigen eine immense Bedeutung, die im Keller Schutz suchten.

„Am 2. Januar wurden durch die Bombenangriffe auch 90 Bäckereien, 90 Metzgereien und sieben Lebensmittelgroßmärkte zerstört“, sagt Arnold. So bekam die Küche in der Unterwelt eine wichtige Funktion für die Versorgung der Bevölkerung; der städtische Luftschutz-Dezernent war folgerichtig zusätzlich für Ernährung zuständig. Auch in der Nachkriegszeit, als die Nürnberger in der Trümmerwüste Gemüsegärten anlegten, hatte die unterirdische Suppenküche eine immense Bedeutung.

Die Küche befindet sich unter der Grünanlage neben dem Laufertorturm. Dort weisen die Belüftungstürmchen auf die unterirdischen Anlagen hin. Am tiefsten Punkt der Führung befinden sich die Besucher zwölf Meter unter der Erdoberfläche – dort ist ein Brunnen angelegt, der für einen eventuellen Katastrophenfall auch heute noch genutzt werden kann.

Von dort aus sollte eigentlich ein Leitungssystem installiert werden, das sämtliche Bunker mit Wasser versorgt – aber dazu kam es nicht mehr. Die Führung endet in der obersten der versetzt angelegten Etagen des Tunnelsystems. „Das war der Bereich, in dem die Zivilbevölkerung Schutz suchte“, sagt Arnold. Eigentlich sei der Laufertorbunker für 2000 Schutzsuchende konzipiert gewesen, in der Realität dürften weit mehr Personen dort Zuflucht gefunden haben.

Der Laufertorbunker steht erstmals seit 2007 wieder im Mittelpunkt der Januarführungen des Fördervereins, zu denen pro Jahr zwischen 3000 und 6000 Besuchern kommen.

Führungen zwischen 2. und 8. Januar, täglich 11 bis 17 Uhr, alle halbe Stunde, Eintritt: 5 Euro. Die Tickets gibt es nur vor Ort im Laufertorturm.


  



Marco Puschner

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