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„Es war eine super Zeit. Ich würde es jedem empfehlen“, sagt Lara Ackermann nach ihrem dreiwöchigen Praktikum in Madrid. Und auch Barbara Kohr findet: „Es bringt einen beruflich und persönlich weiter. Ich habe nicht nur ein anderes Land kennen gelernt, sondern konnte auch fachlich einiges mitnehmen. Ich würde es jederzeit wieder machen.“ Die 18- und die 21-Jährige, die beide im Café Beer im zweiten Lehrjahr Konditorin lernen, haben unzählige Fotos mitgebracht. Mit zwei weiteren mittelfränkischen „Panaderos“-Praktikanten, wie die Bäcker auf Spanisch heißen, berichteten sie kürzlich in der Handwerkskammer über ihre Erfahrungen.
Insgesamt 12 Lehrlinge schickten die Handelskammern Mittelfranken, Aachen und Lübeck gemeinsam nach Madrid. Ansprechpartner und Organisator vor Ort war die Deutsche Außenhandelskammer in der spanischen Hauptstadt.
Bevor die große Reise begann, wurden die Teilnehmer in Nürnberg zu einem Vorbereitungstag eingeladen. Hier wurde Organisatorisches abgeklärt und eine Spanischlehrerin gab einen Einblick in die neue Sprache. In Madrid wurden die Azubis nochmals drei Tage in spanischer Sprache und Kultur geschult. „Der Sprachkurs hätte intensiver sein können“, meint Barbara Kohr im Rückblick. Trotzdem habe sie sich mit den Grundkenntnissen, Händen und Füßen sowie einem Glossar mit Fachbegriffen gut verständigen konnte. „Ich habe viel verstanden, sprechen war aber schon ziemlich schwer“, meint auch Klara Kandy. Gut fand die 20-Jährige, die beim „Beck“ Konditorin lernt, das interkulturelle Training: „Wir haben etwas über die spanische Geschichte erfahren, aber auch Tipps bekommen, wie man sich in bestimmten Situationen verhält und wie man Fettnäpfchen umgeht.“ Mit diesem Rüstzeug besuchten die deutschen Azubis zunächst die Berufsschule für Ernährungsberufe. „In Spanien ist die Ausbildung rein schulisch“, erzählt Klara Kandy. Das duale Ausbildungssystem in Deutschland hält sie für besser: „Man hat in Spanien vielleicht mehr Ruhe zum Lernen. Aber es fehlt die berufliche Routine, die man bei uns im Betrieb mitbekommt.“ Auch Christoph Schlierf, Bäckerlehrling aus Thalmässing, meint: „Die Spanier werden es schwer haben, sich vom eher lockeren Leben in der Schule auf die hohen Anforderungen im Betrieb umzustellen.“
Die Zusammenarbeit mit den spanischen Kollegen sei sehr gut gewesen, finden alle vier. Jede Menge spanische Gebäckspezialitäten, etwa einen typischen Hefekranz, den „Roscón de Reyes“, buken sie meist im Tandem mit einem spanischen Lehrling. Kommunikationsprobleme habe es weder in der Schule noch im Betrieb gegeben, sagt Barbara Kohr: „Die Zutatenlisten konnte man mit dem Glossar leicht verstehen, und die Mengenangaben sind genauso wie in Deutschland.“ Auch wenn die Spanier teilweise anderes Gebäck hätten, sei die Zubereitung zum Beispiel von Hefe- und Mürbteig ja überall ähnlich, so die 21-Jährige.
Am letzten Tag wollten die Deutschen ihren Gastgebern ein typisch deutsches Gebäck kredenzen: Krapfen. „Leider gingen die Teiglinge nicht auf. Wir haben dann einfach Küchle daraus gemacht“, sagt Klara Kandy. Für die Spanier war das kein Problem – ihnen schmeckten sie trotzdem sehr gut. Überhaupt würden die Madrilenen auf gehaltvollere und frittierte Teilchen stehen, verrät Barbara Kohr.
Höhepunkt des Madrid-Aufenthalts waren die Praktika in den Betrieben. Im exklusiven Casino de Madrid und bei den großen Bäckereien Grupo Nebraska und Horno San Onofre wurden die deutschen Azubis herzlich aufgenommen. „Die Kollegen waren sehr geduldig und haben uns sehr respektvoll behandelt“, berichtet Klara Kandy. Und auch Lara Ackermann findet, dass der Umgangston in deutschen Backstuben und Küchen manchmal rauer ist.
Faszinierend fanden alle, dass Reinigungsarbeiten, die in Deutschland ganz selbstverständlich zum Arbeitsablauf dazugehören, in Spanien meist von Hilfskräften erledigt werden. „Wenn wir mal was dreckig gemacht haben, kam gleich eine Putzfrau“, erinnert sich Klara Kandy. Beeindruckt hat die deutschen Azubis außerdem, dass in Spanien kaum mit Backmischungen und „Chimica“, also Backpulver und anderen Zusatzstoffen gearbeitet wird. „Die machen alles selbst, Croissants zum Beispiel“, erzählt Klara Kandy. Die angehende Konditorin bekam außerdem einen Einblick in die Welt der „Haute Cuisine“: Im Casino de Madrid arbeitete sie in der Dessert-Abteilung der Küche von Paco Roncero, dem Erfinder der Molekularküche. Ihre ersten Versuche mit Flüssigstickstoff müssen ganz gut gewesen sein, denn die 20-Jährige wurde eingeladen, nach ihrer Lehre jederzeit im Casino de Madrid zu arbeiten.
Ob sie das Angebot annehmen wird, weiß sie jetzt noch nicht. Für ihre Kollegen Christoph Schlierf und Lara Ackermann steht ein Job im Ausland schon länger auf der Wunschliste. „Ich will nach meiner Bäckerlehre noch den Konditor draufsatteln und dann im Ausland arbeiten“, berichtet Christoph Schlierf. Für ihn war das Madridpraktikum auch ein Test, ob er in der Ferne zurechtkommt. Und auch Lara Ackermann hat schon das Fernweh gepackt: Ein Job auf einem Schiff – das ist ein Traum, der jetzt gar nicht mehr so weit entfernt scheint.
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