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Unterbezahlt: Typische Frauenberufe bleiben „skandalös schlecht bezahlt“, befindet die stellvertretende Fraktionschefin der SPD-Rathausfraktion, Gabriele Penzkofer-Röhrl. In der Arbeits- und Familienwelt sei unsere Gesellschaft trotz guter Vorsätze „noch meilenweit von einer tatsächlichen Gleichstellung und einem partnerschaftlichen Miteinander entfernt“. Die berühmte „gläserne Decke“, an die Frauen beim Berufsaufstieg stoßen, müsse deshalb gesetzlich durchbrochen werden: etwa mit einer gerechteren Ausgestaltung von Elterngeld und -zeit sowie mit einer 40-prozentigen Mindestquote für Frauen im Management – wie von der EU gefordert. Mit gutem Beispiel wolle die SPD in der Stadtverwaltung vorangehen. Hier müssten trotz langsamer Fortschritte noch mehr Führungspositionen mit flexiblen Modellen für Frauen geöffnet werden. Momentan sind von 68 Dienststellenleitungen 10 weiblich.
Unausgeglichen: Über die beharrlichen Lohnunterschiede von 23 Prozent ärgert sich auch Stadträtin Ulrike Hölldobler-Schäfer aus der CSU-Fraktion. „Erst wenn zum Beispiel Denkmuster die Debatte prägen, dass berufstätige Frauen Leistungsträger und Steuerzahler sind und Kinder die Lastenträger von morgen, wird auch mehr Geschlechtergerechtigkeit erreicht sein. Hier sollten alle gesellschaftlichen Kräfte an einem Strang ziehen – auch, indem überkommene Rollenklischees abgelegt und die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen akzeptiert werden.“
Als Vorsitzende der Frauen-Union Nürnberg-Fürth-Schwabach pflichtet ihr Dagmar Wöhrl bei. Sie erinnert daran, wie viele Selbstverständlichkeiten sich die Frauen in 100 Jahren erkämpft haben, betont aber, dass alles weitere Bemühen um Gerechtigkeit nachhaltiger als der punktuelle jährliche Frauentag laufen müsse. Deshalb habe die CSU 2011 das „Jahr der Frau“ ausgerufen. Wöhrl will inhaltliche Anregungen für den ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung liefern; er erscheint im Sommer. Die miserable Situation von Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern dürfe über den inländischen Fragen nicht aus dem Blick geraten.
Aufgefordert: Auch die Grünen, die von Anfang an mit einer Frauenquote arbeiteten, zielen vor allem auf mehr Gleichheit in der Stadtverwaltung ab – schneller, durch Zielvereinbarungen und Quoten. „Hier muss sich dringend etwas ändern, doch leider sind vom Personalreferenten in diesem Bereich keine Aktivitäten wahrzunehmen“, urteilt die frauenpolitische Sprecherin Elke Leo.
Aufgeführt: Die Nürnberger Linke nutzt den Anlass solidarisch, um heute um 15 Uhr vor der Lorenzkirche auf dem Frauen-Infomarkt eine Moritat aufzuführen. Mit ihrer Gesangserzählung, angelehnt an das historische Sabinchen-Lied aus Brandenburg, starten die Linken hier ihre Kampagne für einen flächendeckenden Mindestlohn von zehn Euro brutto pro Stunde. Auch ihr Bundestagsmitglied Harald Weinberg spielt mit. Niedriglöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse (Minijobs, Teilzeit, Leiharbeit) betreffen Frauen überdurchschnittlich oft.
Ausgebremst: Völlig widersinnig erscheint der Nürnberger Sabel-Akademie wie auch anderen Bildungsträgern, dass zum 1. Januar dieses Jahres die bewährten Lehrgänge für Berufsrückkehrerinnen nach der Babypause abgeschafft wurden. Die Arbeitsagenturen und Jobcenter strichen die Finanzierung aus Kostendruck. „Und das, wo diese Lehrgänge unsere erfolgreichsten waren und die höchsten Wiedereingliederungsquoten hatten“, sagt Ulrich Jaeger von der Sabel-Akademie kopfschüttelnd. „Diese Frauen waren sehr engagiert.“ Die bayerische Justizministerin Beate Merk bricht mit ihm zum heutigen Tag eine Lanze für diese Kurse. Ob’s nützt?
Aufgeklärt: Gefeiert werden soll trotzdem. Am Freitag, 18. März, findet im Jugendkulturzentrum Luise in der Scharrerstraße 15 wieder das Fest „Girls Only!“ zum internationalen Frauentag statt. Von 14 bis 18 Uhr gibt es für Mädchen ab neun Jahren Kreativangebote, Workshops für HipHop und Radio sowie Bühnenprogramm. Und es geht um die sensiblen Fragen. „Du, dein Körper, Lust und Liebe“ haben die Mitarbeiter ihre Info-Angebote genannt, bei denen man auch anonyme Fragen an ein „Dr.-Summer-Team“ stellen kann. Der Eintritt ist frei.