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Ein 25000 Quadratmeter großes Labyrinth sind die Nürnberger Felsengänge. „Wenn man sich dort unten verirrt, findet man nicht wieder heraus“, erklärte Antje Schirmer, die Führerin des Abends „Mörderisches aus Franken“.
Der erste Abstieg führte das Publikum knapp zwölf Meter unter die Erde. Dort im Albrecht Dürer-Bunker wartete bereits Lucas Bahl. Doch las er nicht aus seinem neuen Roman „Spielzeugstadt“, sondern aus dem zuvor erschienenen Buch „Das Jakobs-Tarot“. Im Zuge der Lesung erzählte er dem Publikum schließlich von einer Reihe blutrünstiger Ritualmorde und von Albrecht Dürers gezeichneten Tarot-Karten.
Nach der ersten Lesung wurde die Besuchergruppe durch einen 68 Meter langen Verbindungsgang in das alte Kellersystem geführt. „Vorsicht mit den Köpfen“, warnte Schirmer vor der niedrigen Decke. So marschierte das Publikum in gebückter Haltung den langen Gang entlang, der im Zuge des 2. Weltkriegs gebaut wurde. „Man wollte den Einwohnern der Stadt Schutz bieten“, erläuterte Schirmer.
Nachdem es noch eine Treppe nach unten ging, wartete die zweite Lesung auf die Zuhörer. Ottilie Arndt, bekannt unter dem Autorennamen Lena Bloom, las in circa 16 Metern Tiefe aus ihrem Buch „Aufs Spiel setzen“. Passend zum Veranstaltungsort stellte sie ein Kapitel vor, das in den Nürnberger Felsengängen spielt. „Dafür habe ich auf etwas Spannung verzichtet. Ich hoffe Sie verzeihen mir?“, fragte sie das Publikum scherzend. Der Abschnitt handelt von einer chaotischen Führung durch die Nürnberger Felsengänge, die schließlich mit einem Mord endet. „Ich habe Ihnen die Mordwaffe sogar mitgebracht“, sagte Arndt lachend und hielt einen spitzen Gegenstand hoch. Zu sehen war eine eigenartige Stichwaffe. Leider nicht genau, denn einige Zeit nach Lesungsbeginn gingen ganz unvermittelt die Lichter aus. Das Flackern einer Kerze war von da an die einzige Lichtquelle im Raum.
Die dritte Lesung führte die Besucher wieder eine Etage nach oben. Dort erwartete das Publikum eine Tafel, an deren Ende Stefanie Mohr Platz nahm. Als Letzte im Bunde stellte sie ihren Roman „Die dunklen Seiten des Sommers“ vor, passend zum Ambiente, mit einer lustigen Episode des Tafelns. So drehte sich der Anfang der Geschichte rund um die Tücken der vielseitigen Schlemmer-Gutscheine und die Vorlieben der Hauptfigur für fränkisches Schäufele mit Kloß. Nach den Lesungen führte der Ausgang der Felsengänge das Publikum vorbei am Bierbrand der Altstadtbrauerei, direkt in deren Innenhof. Dort endete schließlich der mörderische Krimi-Ausflug, willkommen zurück in der Realität.
Eine weitere Krimi-Lesung in den Felsengängen findet am 7. Oktober um 20 Uhr statt. Karten gibt es im Vorverkauf im Brauereiladen der Hausbrauerei Altstadthof.