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Wenn die Altstadtfreunde ins Erzählen kommen, dauert die Führung ziemlich lange, das liegt nun einmal in der Natur der Sache. Deshalb versuchten sich die Altstadtfreunde bei ihrem Stadtspaziergang in kürzerer und kompakterer Präsentation. Schließlich ist der Rochusfriedhof ein überschaubares Gebiet. Wer will, kann allerdings den halben Tag dort verbringen.
Am 4. März 1518 beschloss der Rat, bei Gostenhof einen Gottesacker für die „Zeit ains gemeinen Sterbens“ einzurichten. Mit dem gemeinen Sterben war der Massentod durch Seuchen gemeint. Und der Beschluss kam keinen Tag zu früh: Am 21. März 1519 weihte der Bamberger Bischof den Rochusfriedhof ein, im selben Jahr hielt auch schon die Pest Einzug und sorgte für Kundschaft.
Mit Rochus hat der Friedhof seinen passenden Patron gefunden. Der gilt nicht nur als Schutzheiliger der Pestkranken, sondern auch der Totengräber. Rochus zog laut Legende als Pilger nach Rom, pflegte jeden Pestkranken, der ihm begegnete, und steckte sich auch noch an. Wieder gesund, landete er schließlich als Spion verdächtigt im Gefängnis, wo er starb. Ein elendes Schicksal, wie es jeden Pilger treffen konnte. Deshalb kann man Rochus mit Pilgerstab und Pestbeule in der Kapelle bewundern, flankiert von Sebastian, seinem Vorgänger als Pestheiliger und von Martin, der seinen Mantel für einen beinamputierten Bettler teilt.
Leider ist die Kapelle nicht öffentlich zugänglich, da sie sich im Familienbesitz der Imhoffs befindet. Da muss man sich schon anmelden oder eine Führung mit den Altstadtfreunden abwarten, um sich an ihrer Schönheit zu erfreuen. Frei zugänglich ist aber der Friedhof selbst. Der zeichnet sich durch seine liegenden Sandsteingrabplatten aus. Einmal, um Prunk und Proporz bei der Grabgestaltung zu unterbinden, zum anderen, um Hunde und Schweine vom Ausscharren abzuhalten. Denn Rochus und Johannis lagen damals außerhalb der Stadt, waren also nicht unbedingt geschützte Gebiete.
Doch war der Rochusfriedhof kein spezieller Seuchenfriedhof: von 1519 bis 1880 – also bis zur Eröffnung des Westfriedhofs – fanden dort die Bewohner der Lorenzer Altstadt ihre letzte Ruhe. Also Bürger, Handwerker, Meister und Gesellen. Im Unterschied zum patriziergesättigten Johannisfriedhof liegen auf dem Rochus eher die kleinen Leute. Aber die waren auch im Tode noch stolz auf ihren Ruf und Beruf. Davon künden die Epitaphtafeln auf den Steinen. Gleich beim Eingang entdecken wir einen Zwicker auf so einer Tafel. Eine altertümliche Brille, nur mit Steg, aber den konnte man zusammenklappen.
„Die Ohrenbügel hat man erst später erfunden“, erklärt unser Führer Joachim Fenske. Der Fisch unter der Brille bedeutet, dass der Brillenmacher Hans Emon ein Meister seines Berufes war. Und zwar derart, dass er sein Epitaph bereits 20 Jahre vor seinem Ableben in Auftrag gegeben hatte. Lag er damals krank darnieder und dachte ans Sterben?