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Die Stadt hat angesichts der Kältewelle reagiert und macht auf die Angebote für wohnungslose Menschen aufmerksam (siehe auch Artikel rechts). Georg Hopfengärtner, Suchtbeauftragter der Stadt beim Amt für Existenzsicherung und soziale Integration, geht davon aus, dass in Nürnberg „unter normalen Verhältnissen“ etwa 50 Menschen im Freien leben. Das reduziere sich jetzt unter den extremen Verhältnissen.
„Einige davon können wir immer noch motivieren, ins Warme zu gehen“, so Hopfengärtner gestern auf Nachfrage der NZ. Aber es sei bekannt, dass etwa 20 bis 30 Leute auch bei extremen Verhältnissen draußen bleiben. Die seien bekannt bei den Streetworkern der verschiedenen Einrichtungen und würden regelmäßig aufgesucht.
In akuten Situationen würden diese Menschen auch mit Wärmeschutzdecken und mit Schlafsäcken versorgt. Hopfengärtner: „Wir haben von der ökumenischen Wärmestube und der Stadtambulanz eigene Fachkräfte, die rausgehen, auf die Leute einreden, wenn es sein muss, sie sogar mitnehmen in warme Betten.“ Nürnberg habe immer schon, auch in noch kälteren und längeren Kälteperioden, genügend Plätze gehabt. „Es wird keiner abgewiesen“, so Hopfengärtner.
Beispielsweise die Großweidenmühle hat Hopfengärtner zufolge 24 Plätze, „und bevor die jemanden abweisen, können sie bis auf 30 oder 35 Plätze locker aufstocken“. Es finde jeder einen Platz, der ihn haben wolle und der sich dazu auch motivieren lasse. Nach Hopfengärtners Erfahrungen gibt es aber auch die Leute, die draußen bleiben wollen.
Es möge auch Menschen geben, die es einfach in vier Wänden nicht mehr aushalten. „Wir können letztlich niemanden zu seinem Glück zwingen, sofern wir davon ausgehen können, dass er einen freien Willen hat“, sagte er. Nach Hopfengärtners Worten gibt es jedoch die Hochrisikogruppen: „Wenn jemand wirklich voll alkoholisiert irgendwo liegen würde, dann ist die Gefahr bei solchen Minustemperaturen natürlich groß, dass er das nicht mehr unter Kontrolle hat und er nachts erfriert – die nehmen wir oder die Polizei dann einfach mit.“
Ein Blick auf den Hauptmarkt zeigt: Das ist keine Temperatur für „verweichlichte Südfrüchtchen“! Damit sind natürlich nicht die Händler gemeint, sondern z.B. Ananas oder Bananen. Die meisten Händler bleiben einfach daheim, einige haben sich spontan zu einem Kurzurlaub entschlossen. Ganz anders sieht das bei den Nürnberger Bekleidungsgeschäften aus: Für sie kommt der eigentlich standesgemäße Februar genau zur rechten Zeit. Der Winterschlussverkauf gewinnt bei diesen knackigen Temperaturen sicherlich an Dynamik.
Die N-Ergie befürchtet mit ihren vier Heizkraftwerken keine Versorgungsengpässe. Morgens und in den Abendstunden erhöht das Unternehmen die Wärmeeinspeisung, weil der Bedarf dann sprunghaft steigt. Experten raten aber dringend dazu, die Heizungen bei dieser klirrenden Kälte auch tagsüber in allen Räumen aufgedreht zu lassen.
Bei den Tiefstwerten werden die Nürnberger die „Spitze des Eisberges“ ganz sicher nicht erreichen. Nur in höher gelegenen Gebieten mit einer geschlossenen Schneedecke, wie derzeit beispielsweise im Allgäu, können minus 20 Grad und darunter erreicht werden. Wie das Leben für die Menschen in Litauen und Lettland aussieht, bei denen das Thermometer in den nächsten Tagen unter minus 30 Grad absacken wird, können die Nürnberger bestenfalls erahnen.
Aber selbst diese Temperatur ist nichts gegen den deutschen Kälterekord: minus 37,8 Grad, im oberbayerischen Wolnzach, am 12. Februar 1929. Deshalb wollen wir, 83 Jahre später, in Nürnberg bei minus 15 Grad doch nicht allzu sehr frieren!