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Hundeausstellung: Wer ist der schönste Mischling?

18.01.10

Nürnberg  - Die einen heißen «Sunnyboy von Himmelkron», «Eragon vom Nebelmond» oder gar «Leonid vom Tollhaus», die anderen schlicht «Johnny» oder «Lumpi». Die einen können auf eine stattliche Ahnengalerie verweisen, und ihre Herkunft ist mittels Stammbaum über Jahrzehnte hinweg dokumentiert, bei den anderen liegen die Ursprünge überwiegend im Dunkeln. Die einen werden als edle Rassehunde gefeiert, die anderen bisweilen etwas despektierlich als «Senfhunde» (weil jeder seinen Senf dazu gegeben hat) verspottet. Und zwischen Hundefreunden, die der einen oder anderen Seite zuneigen, tobt mitunter ein regelrechter Glaubenskrieg.


Der Kandidat will beim Mischlingswettbewerb wohl Pluspunkte sammeln, jedenfalls gibt er Richterin Gabi Lothary schon mal das Pfötchen. Am Ende kam er trotzdem nicht aufs Siegertreppchen.
Der Kandidat will beim Mischlingswettbewerb wohl Pluspunkte sammeln, jedenfalls gibt er Richterin Gabi Lothary schon mal das Pfötchen. Am Ende kam er trotzdem nicht aufs Siegertreppchen.

So hatte es Peter Schön auch nicht leicht, als er 2002 erstmals bei der Internationalen Rassehundeausstellung Cacib einen Wettbewerb durchsetzte, in dem der schönste Mischlingshund gekürt werden sollte. «Da gab es bei den Züchtern schon große Widerstände», erzählt Schön, seit 15 Jahren als Ausstellungsleiter für die Cacib verantwortlich.

Mittlerweile ist der Wettbewerb aber fester Bestandteil des Programms der Schau. Und am Samstag sorgt er bei Familie Wunder für unverhoffte Glücksgefühle. Mutter Karin und Tochter Cintia strahlen jedenfalls um die Wette, während Niucie die ganze Aufregung gelassen nimmt. Dabei geht es doch eigentlich um sie: Der erst vier Monate alte Shih-Tzu-Mix hat gerade 23 andere Vierbeiner hinter sich gelassen und den Titel des schönsten Mischlings geholt. Mutter Wunder ist auf ihre Tochter aber mindestens genauso stolz wie auf Niucie, führte die Elfjährige das Hündchen doch souverän durch den Ring. «Sie ist halt schon ein richtiger ,Hunderer‘. So heißen bei uns die Hundeleut’», sagt die Frau aus Engelhardsberg in der Fränkischen Schweiz.

«Wir sind gegen diese Überzüchtungen»

Ob nun Mischling oder Rassehund – für Wunder ist das gar nicht so entscheidend: «Das eine ist so gut wie das andere.» Die Wunders haben noch einen Bearded-Collie und traten deshalb auch im ganz normalen Rassewettbewerb an, wo ihr Weibchen Celtsdale Silver Sunset bei den Bearded-Collie-Hündinnen aber nur Zweite wurde. Insofern hat der Mix diesmal den Rassehund ausgestochen.

Anders als Familie Wunder entschied sich das Ehepaar Wittmann bewusst für einen Mischling. «Wir sind gegen diese Überzüchtungen», sagt Monika Wittmann. Mit ihrem Eurasier-Schäferhund-Mix Nelly landen sie in der Konkurrenz der Mischlinge auf Platz zwei.

Richterin Gabi Lothary hat sich zunächst alle 24 Teilnehmer genau angeschaut und die Hundeführer und ihre Vierbeiner einige Runden laufen lassen. Dann wählte sie elf Mischlinge aus, bevor sie schließlich Niucie, Nelly und den drittplatzierten Sammy aufs Siegerpodest beorderte. Lothary hat es etwas schwieriger als bei den herkömmlichen Wettbewerben – schließlich gibt es naturgemäß keine Rassestandards, die Grundlage für ihre Entscheidung sein könnten.

Gesundheit, Wesen, Fitnesszustand sowie das Zusammenspiel zwischen Herrchen bzw. Frauchen und Hund geben letztlich den Ausschlag. Das arme Paulchen, das mit der vierten Pfote nicht auftreten kann und auf drei Beinen durch den Ring humpelt, fliegt in der ersten Runde raus. Und Heino, der lustig aussieht mit seinem weißen Zottelfell und den verschiedenfarbigen Augen, spielt wohl beim Laufen zu viel mit Frauchen – nach der zweiten Runde ist er draußen.

Ganz elegant schreitet dagegen ein bereits elfjähriger Airedale-Terrier/Schäferhund-Mix neben seinem Herrchen her. Doch auch er findet letztlich keine Gnade vor den Augen der gestrengen Richterin. Was wohl den Ausschlag für Niucie gegeben hat? «Ihre schöne schwarze Maske», sagt die strahlende Cintia. Die vierbeinige Siegerin hat es sich da schon auf dem Dach ihrer Transportbox bequem gemacht und schläft tief und fest. 



Marco Puschner (Text) und Uwe Niklas (Fotos)

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