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Kaiser Caligula verzockte Unsummen

Vortrag über die Kulturgeschichte des Spielens - 03.10. 23:10 Uhr

Nürnberg  - „Eine Macht, die stärker ist als sogar die Götter“ – so könnte man nach Ulrich Schädler den Spieltrieb umschreiben. Als Beleg dafür hat der Direktor des Schweizerischen Spielmuseums etwa die hinduistische Mythologie parat, in der sich Gott Shiva und seine Geliebte Parvati eine Würfelpartie liefern, die beide völlig gefangen nimmt und bei der es schließlich um hohe Einsätze geht.


Trotz oder wegen seines außerordentlichen Erfolges, der auch nach 75 Jahren ungebrochen ist, gilt das aus Amerika
stammende „Monopoly“ vielen als das Kapitalismus-Spiel schlechthin.
Trotz oder wegen seines außerordentlichen Erfolges, der auch nach 75 Jahren ungebrochen ist, gilt das aus Amerika stammende „Monopoly“ vielen als das Kapitalismus-Spiel schlechthin.
Foto: dpa
Trotz oder wegen seines außerordentlichen Erfolges, der auch nach 75 Jahren ungebrochen ist, gilt das aus Amerika
stammende „Monopoly“ vielen als das Kapitalismus-Spiel schlechthin.
Trotz oder wegen seines außerordentlichen Erfolges, der auch nach 75 Jahren ungebrochen ist, gilt das aus Amerika stammende „Monopoly“ vielen als das Kapitalismus-Spiel schlechthin.
Foto: dpa

Ganz anders betrachtete man das Würfelspiel im mittelalterlichen Europa: Es galt keineswegs als göttlich, sondern als ausgemachtes Teufelszeug, das Streit, Verbrechen, Lust, Laster und sogar die Blasphemie förderte. Aus diesem Grund waren die meisten dieser Spiele auch unter Androhung von drakonischen Strafen strikt verboten. Die Ächtung des Würfelns war so langlebig, dass sogar noch im 19. Jahrhundert in den USA lieber kompassähnliche Kreisel verwendet wurden, um den Zufall entscheiden zu lassen.

Schädlers Rückblick in die Kulturgeschichte des Spielens und seine gesellschaftliche Stellung fand im Rahmen der Ausstellung „Mitspieler gesucht!“ statt, in der noch bis zum 21. November im Stadtmuseum Fembohaus Einblicke in Aufbau und Arbeit des Deutschen Spielearchivs Nürnberg gewährt werden.


Ulrich Schädler
Ulrich Schädler
Foto: Gerullis
Ulrich Schädler
Ulrich Schädler
Foto: Gerullis

„Ich bin sehr froh, dass dieses Archiv nun in Nürnberg gelandet ist“, würdigte der Schweizer Archäologe und Kulturwissenschaftler den Umzug der bedeutensten deutschen Spielesammlung der Nachkriegszeit in die Stadt der Spielwarenmesse. Damit erhalte Nürnberg den Stellenwert zurück, der der Stadt nicht nur als Produktionsstätte von Spielzeug, sondern auch in punkto Brett- und Gesellschaftsspiele zustehe.

Die Tatsache, dass es sich ja „nur“ um Materialien zum Zeitvertreib und zur Zerstreuung handele, schmälere keineswegs deren kulturhistorische Bedeutung. Schädler stellte sogar die Theorie auf: „Wenn einmal von einer Epoche nur ihre Spiele übrigbleiben würden, so könnte man daraus trotzdem alle gesellschaftlichen Entwicklungen ableiten.“

Bereits die römischen Geschichtsschreiber zogen etwa zur Beurteilung ihrer Kaiser deren Verhalten am Spieltisch heran: So galt Augustus als besonders beherrschter und großzügiger Spieler, der seiner Leidenschaft auch nur in den Zeiten nachging, in denen er nicht zu Amtsgeschäften verpflichtet gewesen wäre. Caligula dagegen soll um horrende Summen gespielt haben, die er teilweise nur durch illegale Enteignungen in die Finger bekam. Claudius schließlich wird von Seneca vorgeworfen, dass er sogar ein besonders erschütterungsresistentes Würfelbrett in seinem Wagen montiert hatte. Schädler konnte dem Imperatoren allerdings zugute halten, dass dieser damit wohl in erster Linie Forschungen für ein Buch über Würfelspiele anstellte.

Etliche Jahrhunderte später lässt sich der Übergang vom Adel zum Bürgertum gut an dem langsamen Niedergang des Spieles TricTrac und den gleichzeitigen Aufstieg des Backgammon ablesen. TricTrac war extrem kompliziert, langatmig und von höfischen Wertvorstellungen durchsetzt, während es beim Backgammon damals wie heute auf effektiven Umgang mit Mathematik ankommt. Von England aus setzte es sich schließlich in ganz Europa durch.

Eine völlig andere Spielekultur erschließt sich dagegen beim Blick über den großen Teich: Hier gibt es in erster Linie Spiele über berühmte Personen, beliebte Sportarten und TV-

Serien. „Die Amerikaner spielen sich selbst“, so Schädler. Kein Wunder, dass das Kapitalismus- und Spekulantenspiel schlechthin auch heute noch extrem erfolgreich ist: „Monopoly“ ist auf der ganzen Welt bekannt – unter anderem aber auch wegen der cleveren Marketing-Strategie, es in unzähligen Länder- und Städteeditionen anzubieten.
  





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