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Ob man sich mit seinem Kaffee in den teilweise sehr hübsch gestalteten Coffee-Shops niederlässt oder ihn im Pappbecher durch die Fußgängerzone jongliert, muss jeder selbst entscheiden. Vor gut zehn Jahren schwappte der Coffee-Shop-Trend aus den USA nach Deutschland.
Pionier in Nürnberg war Christian Hartl, der 1998 am Ludwigsplatz die erste "Black Bean"-Filiale eröffnete. Sie gibt es immer noch, und es sind elf weitere in ganz Deutschland dazugekommen. Mit einem Freund, der in Amerika die neue Kaffeekultur kennengelernt hatte, plante der junge Betriebswirt Hartl ein Unternehmen in der Gastronomie: "Wir wollten ein Café, in dem wir selbst gerne unseren Kaffee trinken. Wir wollten ein ganz neues Lebensgefühl vermitteln. Das gab es noch nicht in Nürnberg", erinnert er sich.
Anfangs hätten die Nürnberger neugierig ins Geschäft geblickt, viele seien dann doch eingetreten, und einige kommen bis heute regelmäßig. "Es wurde so etwas wie ein zweites Wohnzimmer", sagt er. In der Anfangsphase sei es gar nicht so einfach gewesen, die speziellen Kaffeesorten, Sirup, Bagels und anderes "Zubehör" in Deutschland zu bekommen. Das hat sich geändert: "Heute gibt es in Hamburg spezielle Händler für Spezialitätenkaffees." Das Marktsegment, das Christian Hartl Ende der 90er Jahre als einer der Ersten in Deutschland erobert hat, ist mittlerweile ganz gut gesättigt. "Wer sich halten will, muss mehr bieten als heißen Kaffee", meint der Unternehmer aus Eggenfelden.
Neben hoher Qualität und einem angenehmen Ambiente seien vor allem der Kundenservice und die Freundlichkeit des Personals entscheidend. In ihren zwei Nürnberger und zehn bundesweit verstreuten Filialen bietet die Kette auch kleine Gerichte, wie Zwiebelkuchen, Sandwiches, Wraps und Kuchen. "Kaum einer setzt sich mittags noch hin und isst einen Schweinebraten", meint Christian Hartl, der vor einiger Zeit die Geschäftsleitung abgegeben hat, um neue Projekte zu entwickeln.
Egal, ob bei Kaffeebohnen oder kleinen Gerichten: Bioprodukte stehen in der Gunst der Kunden ganz oben. "In Zukunft wird ein Schwerpunkt auf regionalen Produkten liegen", ist der Betriebswirt überzeugt. "Die Leute möchten eine Durchsicht auf die Herstellungsprozesse." Diesen Bezug zum Erzeuger stellt Christian Hartl bei seinem Unternehmen "mybeans" her. Auf der "Bohnenplattform" kann man sich seine Lieblingssorte aus unterschiedlichen Bohnen und Röstungen zusammenstellen lassen. Der Kaffee kommt von kleinen Betrieben, die detailliert vorgestellt werden.
Alle Produkte sind nach Bio- und Sozial-Richtlinien zertifiziert. Klar, dass so ein Kaffee seinen Preis hat - rund 20 Euro pro Kilo. Christian Hartl ist überzeugt, dass es sowohl für seine exklusivere Linie als auch für den weitaus günstigeren Biokaffee aus dem Discounter einen Markt gibt. Gerade für den Gourmetkaffee sieht der Betriebswirt noch Wachstumschancen. "Es ist wie beim Wein, der eine kauft beim Weinhändler und möchte einen Bezug zum Winzer haben, der andere kauft ihn im Supermarkt."