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Tagsüber scheint Europas erfolgreichstes Gourmet-Theater ein erholsames Schläfchen zu halten; hinter den Kulissen aber steht die Arbeit kaum jemals still. Nach der Show ist vor der Show: Der Tischwäsche-Wechsel erfolgt noch nachts. Ab fünf Uhr: Eindecken der 374 Plätze; ab 13Uhr wirken die Küchengeister, gegen 15Uhr beginnt der Service. Jetzt, am Spätnachmittag, gleißt das Zelt im Arbeitslicht. Aufmerksam lässt Matthias Adolph den Blick schweifen.
„Jeder Tisch wird kontrolliert. Stimmen die Kerzenleuchter? Wird ein Geburtstag gefeiert? Wo sitzen Vegetarier oder Lebensmittelallergiker? Es ist mein drittes Palazzo-Jahr und ich habe das Gefühl, Allergien nehmen zu, auch Alkohol-Allergien. Wir versuchen jedoch, alles möglich zu machen!“ Nicht einfach, sind Rumtopfbeeren oder Frankensektsauce doch Teil des Gourmet-Menüs von Frankens beliebtem Fernseh- und Sterne-Koch Alexander Herrmann, der auch in der kommenden Saison wieder dabei sein wird.
Auch Dank ihm wird Nürnberg 2011/2012 das sogar mit Abstand erfolgreichste „Palazzo“-Zelt sein. Warum, erklärt Adolph so: „Natürlich trägt das Hamburger Unternehmen das Risiko, doch große Teile des Programms entstehen vor Ort. Wir, die hier leben, wissen am besten, was dieser Standort braucht. Und er ist der einzige, an dem fast alle Partner aus der Region kommen!“ 2011 übernahm Matthias Adolph auch die operative Leitung im modernsten Spiegelzelt Europas, in dem die Anspannung nun zunehmend spürbar wird...
In wenigen Stunden beginnt eine neue Genussreise für alle Sinne. Und während sich ungeschminkt, im Trainings-Dress und hochkonzentriert drei ukrainische Artistinnen atemberaubend verbiegen, spricht der 38-Jährige vom Team: „Die Verzahnung von Küche, Service und Show ist so heikel! Wenn ein Künstler fünf Minuten überzieht, wirkt sich das auf die Küche aus.“
Wie schafft man es, dass der perfekt gegarte Fisch auf 375 warmen Tellern die Tische erreicht? „Ich erkläre es den Leuten jeden Tag aufs Neue“, sagt der Regionalmanager und faltet die Hände zu einer Beschwörungsgeste. „Das geht nur im Team! Jeder, ob Service-Mitarbeiter, Artist, Musiker, Techniker oder Koch, ist auf jeden angewiesen.“
Adolph spricht schnell. Und seinen Augen scheint nichts zu entgehen. Klippen bietet der „Palazzo“-Alltag ausreichend, die Kunst ist, sie vorab zu umschiffen. „Für den reibungslosen Ablauf sorgt der Stagemanager. Er drückt zu Beginn auf eine Stoppuhr, rennt in die Küche und schreit, ,noch fünf Minuten‘, kümmert sich um Auftritte, Requisiten, technische Einstellungen und dass bei bestimmten Nummern niemand durch die Manege läuft. Quertreiber“, sagt Adolph offen, „muss man sich trauen, vor die Tür zu setzen“.
Fällt ein Künstler wenige Tage aus, müsse man improvisieren. Bei längerer Krankheit wird Ersatz organisiert. „Einen Unfall hat es, Gott sei Dank, noch nie gegeben“, ruft der Gesamtleiter nun gegen den klackernden Rhythmus-Rausch an, den die steppenden Zwillinge Roman&Slava auf einem Tisch entfesseln.
„Zwischenmenschliche Probleme müssen sofort gelöst werden“, betont er. „Jeder erlebt hier Momente, in denen er am liebsten alles hinwerfen möchte!“ Mit Auf- und Abbau arbeitet das Team viereinhalb Monate zusammen, „sechs Tage pro Woche auf Hochleistungsniveau – eine große Belastung für jeden Einzelnen.“ Worin besteht der Antrieb? Matthias Adolph lächelt, blickt kurz zu Boden. „Es klingt abgedroschen. Aber es ist die Begeisterung, der Glanz in den Augen der Gäste, wenn wir es geschafft haben, sie ihre Sorgen vergessen zu lassen. Das hat einen Suchtfaktor – und entschädigt für alles!“
Kaum Chancen, einzugreifen, ließ ihm Orkan „Joachim“ im Dezember. Ab Windstärke acht gebe es Unsicherheitsfaktoren im Zelt – Böen bis Stärke zehn waren angekündigt. „Seit dem Vormittag riefen besorgte Gäste an, und ich versuchte den ganzen Tag, eine verbindliche Auskunft zu bekommen.
Doch kein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes sagt da etwas, die Verantwortung will keiner übernehmen. Da ist es toll, die Nähe zur Stadt zu haben“, sagt Adolph, noch immer erleichtert. Die Zusammenarbeit mit Ordnungsamt und Feuerwehr lief hervorragend: die Entwarnung kam am Nachmittag und die Show konnte guten Gewissens starten.
Seit Monaten schon ist er unterwegs, um erneut ein die Region begeisterndes Programm zusammenzustellen. Der Wahl-Nürnberger kennt sie genau, die Franken und weiß, dass man sie oft unterschätzt. „Doch es darf auch nicht zu verrückt sein. Ein Abend in englischer sprache würde, im Gegensatz zu anderen Städten, nicht funktionieren.“ Stolz ist er auf 50 Rückmeldungen pro Show. Resultat? „Wir haben hier die höchste Zufriedenheitsquote aller Standorte.“
Dezent verweist er auf die ersten Gäste des Abends. Junge, Ältere. Neugier und Erstaunen spiegeln ihre Mienen. So beginnt es, jeden Abend. „In dieser Produktion steckt sehr viel Liebe“, sagt der 38-Jährige leise. Und es klingt absolut nicht kitschig.
Noch wenige Tickets für Ende Februar oder ab Anfang März (neue Saison, Beginn November 2012) unter: palazzo.org oder Tel. 01805/388883