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Mobilität – Motor der Geschichte

Neue NZ-Serie: Was die Metropolregion bewegt - 04.09. 19:46 Uhr

Was bewegt den Bürger der Metropolregion Nürnberg und wie bewegt er sich? Dieser Fragestellung will die NZ in einer Artikelserie auf den Grund gehen.

Durchschnittlich 3,4 mal pro Tag macht sich jeder Bundesbürger auf den Weg: zum Einkauf, zur Arbeit, in die Freizeit. Die Hauptrolle des Autoverkehrs bleibt weiter unangetastet. Viele Probleme unserer Mobilität liegen genau darin begründet.
Durchschnittlich 3,4 mal pro Tag macht sich jeder Bundesbürger auf den Weg: zum Einkauf, zur Arbeit, in die Freizeit. Die Hauptrolle des Autoverkehrs bleibt weiter unangetastet. Viele Probleme unserer Mobilität liegen genau darin begründet.
Foto: Collage: Alexander Isberner
Durchschnittlich 3,4 mal pro Tag macht sich jeder Bundesbürger auf den Weg: zum Einkauf, zur Arbeit, in die Freizeit. Die Hauptrolle des Autoverkehrs bleibt weiter unangetastet. Viele Probleme unserer Mobilität liegen genau darin begründet.
Durchschnittlich 3,4 mal pro Tag macht sich jeder Bundesbürger auf den Weg: zum Einkauf, zur Arbeit, in die Freizeit. Die Hauptrolle des Autoverkehrs bleibt weiter unangetastet. Viele Probleme unserer Mobilität liegen genau darin begründet.
Foto: Collage: Alexander Isberner

Mobilität steht dabei für zielgerichtete Ortsveränderungen von Personen im umgrenzten Raum der Metropolregion. Neben den vielfältigen Aspekten der Organisation und der technischen Bewerkstelligung dieser Bewegungsvorgänge sollen die Erfahrungen einzelner als Mobilitäts-Porträts dem Thema persönliche Note und Buntheit verleihen.



Zum Einstieg in das Thema gilt es, vorab die Begrifflichkeiten zu klären. Was ist, was meint der Begriff Mobilität und woher kommt er? Mobilität kommt vom lateinischen mobilitas und meint allgemein Beweglichkeit oder Bewegung. Erst durch weitere Parameter wird der Begriff eingegrenzt – im Fall der NZ-Serie durch die Beschränkung auf die zielgerichtete, körperliche Ortsveränderungen von Personen ausschließlich zu Lande, nicht zu Wasser oder in der Luft. Die Kurzfristigkeit solch räumlicher Ortsveränderungen steht in der Wissenschaft als Synonym für Verkehr.


Die zielgerichtete Ortsveränderung von Gütern, also der Güterverkehr auf Schiene und Straße, soll hier ausgeklammert bleiben, da er vom Umfang her den Rahmen einer Artikelserie in der Tageszeitung sprengen und zugleich an den persönlichen Bedürfnissen der Mehrzahl der Leser vorbei gehen würde. Gleichwohl bleiben Aspekte wie die Versorgung mit Nahrungsmitteln durch den Gütertransport aber auch dessen Einflüsse auf Umwelt und Gesundheit durch Lärm, Luftverschmutzung, Gewässerverunreinigung und Bodenbelastung durch ihre Folgewirkungen auf den Personentransport auch in der NZ-Serie immer im Fokus der Autoren.

Der Blick auf die Geschichte der Menschheit zeigt, dass die Entwicklung des homo sapiens erectus wenn nicht ausschließlich so doch ganz überwiegend auf der Fähigkeit und dem gezielten Willen des Individuums zur Ortsveränderung basiert. Schon die Jäger und Sammler der Urzeit mussten um des Überlebens willen bereit und in der Lage sein, ihren Zufluchtsort zu verlassen, um Nahrung oder Schutz vor den Unbilden der Natur zu finden. Sie als „Pendler der Urzeit“ zu bezeichnen, ist wissenschaftlich sicher tollkühn, gleichwohl ist diese Frühform der Mobilität mit unseren heutigen Formen der Nahrungssuche gleichzusetzen.
Revolutionäre Fortschritte in der Mobilität des einzelnen kennzeichnen den weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte – die Erfindung des Rades allen voran als die wichtigste. Mechanisierung, Industrialisierung, Erfindung der Dampfmaschine, der Eisenbahn und des Autos bringen neue Beweglichkeit auch in die Sozialstrukturen und verändern revolutionär die Gesellschaften weltweit.


Die in Europa und den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts angestoßene Entwicklung der automobilen Massengesellschaft und ihrer explosionsartigen Ausdehnung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird zum Motor für Wirtschaft und Wohlstand. Zugleich aber wird sie zur Ursache vielfältiger und teurer Schäden – Unfallopfer und Folgekosten für die Allgemeinheit stehen hier pauschal in einer Reihe mit den Folgen für die Umwelt.


An der Schwelle vom fossilen zum regenerativen Zeitalter steht die Menschheit heute vor dem Problem, schnellstmöglich ihre Mobilität, die die Ressourcen vernichtet, auf ein Maß zurückschrauben, das die Überlebensfähigkeit der Spezies sichert.


Der Begriff der nachhaltigen Mobilität ist zwar in aller Munde – speziell bei den Politikern – doch die wenigsten Menschen sind bereit, persönliche Konsequenzen zu ziehen. Daten und Fakten liegen in nahezu unbegrenzten Mengen vor, die Erkenntnisse daraus könnten eindeutiger kaum sein, wie etwa die Studie „Mobilität in Deutschland 2008“ im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums belegt. Die vom Institut für angewandte Sozialwissenschaften (infas) in Bonn und dem Institut für Verkehrsforschung in Berlin erstellte Arbeit basiert auf Angaben, die in allen 16 Bundesländern bei 25922 Haushalten und 60713 Einzelpersonen zu 193290 Wegen, 34601 Fahrzeugen und 36182 Reisen erhoben wurden.


Das Ergebnis in Stichworten: Zwischen der ersten Studie 2002 und jener von 2008 hat sich fast nicht verändert, denn die Zahl der zurückgelegten Wege ist nur von 272 auf 281 Millionen gewachsen, der Modal Split, die Aufteilung zwischen Motorisiertem Individual- (MIV) und Öffentlichem Verkehr (ÖV) steigt geringfügig zugunsten des ÖV und des Fahrradverkehrs an, der MIV bleibt unverändert.

Hochinteressant die Erkenntnis: „Das bei etwa gleichbleibender Bevölkerung etwas wachsende Verkehrsaufkommen ist wesentlich auf eine ausgeprägtere Mobilität der heutigen Senioren zurückzuführen. Sie sind aktiver als frühere Generationen (..) und nutzen häufiger das Auto.“ Der Pkw, so die Studie weiter, bleibt das wichtigste Verkehrsmittel und Freizeit und Einkaufen mit über 50 Prozent die häufigsten Gründe, das Haus zu verlassen. Jeder Bundesbürger unternimmt demnach statistisch 3,4 Wege pro Tag. Der ÖV wächst dagegen nur moderat, seine Nutzer finden sich häufiger in den Kernstädten, nicht auf dem flachen Land – wen wundert’s?


Was dies alles praktisch für die Bewohner der Metropolregion Nürnberg bedeutet, welche Unterschiede zur Norm sich hier etwa zeigen und welche Besonderheiten, will die Mobilitäts-Serie der NZ zum Ausdruck bringen. Belebendes und daher wesentliches Element sind dabei Erfahrungen, Erkenntnisse und Erlebnisse unserer Leser. Sie sind herzlich eingeladen, sich zu äußern. Wenden Sie sich an die Nürnberger Zeitung, Stichwort Mobilität, Marienstraße 9, 90402 Nürnberg oder an nz-mobilitaet@pressenetz.de. 



Rolf Syrigos

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