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Umweltminister Markus Söder und der evangelische Regionalbischof Ark Nitsche erscheinen stilecht im Kostüm eines Jediritters. Eigentlich die perfekte Kulisse für eine Fan-Mottoparty. Doch die findet heute nicht statt. Bei dem Gebäude handelt es sich um die Lux-Jugendkirche und die Veranstaltung – ist ein Gottesdienst. Dies ist am Kreuz an der Wand zu erkennen und unten auf Seite Zwei des Programmflyers. Dort ist zu lesen: „Gebet – 2 Minuten“ und „Vaterunser – 1 Minute“.
„Für mich ist es spannend und faszinierend zu sehen, dass Religion fast überall ist, oft auch versteckt, wie im Film Star Wars“, erklärt Markus Söder die Verbindung zwischen dem Kinoklassiker und der Religion. Er war es, der bei einem Abendessen mit Ark Nitsche auf das Thema Star Wars gekommen ist; die gemeinsame Vorliebe der beiden. Sie tauschten sich darüber aus, was so faszinierend an dem Kinoklassiker ist und welch elementare Fragen darin vorkommen. Schnell waren sich Söder und Nitsche einig, eine Veranstaltung zu diesem Thema ins Leben zu rufen. Da der Film auch religiöse Themen anspricht, kam die Idee für einen Gottesdienst auf. „Ich habe die Jugendkirche Lux vorgeschlagen, weil ich von dieser Kirche begeistert bin“, sagt Söder.
Konkret handelt der Gottesdienst von der hellen und der dunklen Seite der Macht. Anhand von Filmszenen soll der Gewissenskonflikt zwischen Gut und Böse erörtert werden. So zeigt eine Szene Anakin Skywalker in der Kindheit. Er scheint ein guter Mensch zu sein, immer hilfsbereit, freundlich, vorbildlich.
Dann bekommt er jedoch ein Angebot. Er kann seine Geliebte retten; jedoch muss er dafür auf die dunkle Seite der Macht treten. Dies tut er dann auch, wird zu Darth Vader und bekommt eine schwarze Maske. Mit dieser kann er aber nicht seinen Sohn sehen. Schließlich bereut er seine Tat und bittet seinen Sohn, ihm die Maske abzunehmen, obwohl das den Tod für Darth Vader bedeutet. Was ist von dieser fiktiven Person zu halten? Ist er ein guter Mensch, weil er seine Geliebte rettet und am Ende seinen Sohn um Vergebung bittet? Oder ist er ein Verräter, weil er auf die dunkle Seite der Macht getreten ist und dafür sogar ein unschuldiges Wesen töten musste?
Selbst die bekennenden Star-Wars-Fans Nitsche und Söder haben darauf speziell keine Antwort. Im Allgemeinen sind sie sich jedoch einig. „Ich finde, jeder sollte eine Chance haben, Vergebung zu bekommen“, sagt der Regionalbischof. Markus Söder ergänzt ihn: „Es ist natürlich oft schwierig, im übertragenen Sinn die Grenze zwischen ,Gut‘ und ,Böse‘ zu finden. Bei Gewissenskonflikten hilft es, sich zu überlegen, mit welcher Lösung man am besten leben kann. Das ist dann auch die Beste, unabhängig davon, was andere sagen.“
Die Moderatorinnen nicken leise und leiten zum nächsten Punkt, dem Bandauftritt weiter. Das Publikum wird zum Tanzen und Mitsingen aufgefordert. Der Text wird - wie beim Karaoke - an die Wände projiziert. Dann das Vaterunser, ein Gebet und – wie könnte es anders sein – ein Abspann wie im Kino. Die Drinks an der Bar warten schon auf die 300 Gäste, meist Jugendliche. Die Scheinwerfer tanzen noch bunt an den Wänden. Im Nebenraum wird Partymusik aufgelegt.
Der Gottesdienst hinterlässt einen ambivalenten Nachgeschmack. Lightshow anstatt Wachskerzen, Klappstühle anstatt Kirchenbänke, wummernde Bässe anstatt Kirchenchor, „Möge die Macht mit euch sein“ anstatt „Amen“. Die Jugendlichen sind begeistert.
Doch kann man das „Kirche“ nennen? Nitsche und Söder sind sich einig. „Ja, das kann man. Jesus ist schließlich auch einfach zu den Leuten hingegangen und hat seine Botschaft übertragen. Der Ort war zweitrangig. Was zählt, ist, Menschen für den Glauben zu faszinieren. Und warum dann nicht dem Lebensgefühl der Jugend entsprechen?“ Eine drohende Verwässerung der christlichen Botschaft befürchtet Nitsche deshalb keineswegs: „Eine Grenzüberschreitung ist das nicht.“