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Wie finden die Tiere ihr Zuhause?
Die Tiere fühlen sich dem Anschein nach wohl in ihrem neuen Zuhause. Die Seelöwen brauchten kaum zwei Wochen, um sämtliche Becken zu erkunden, so Tiergartendirektor Dag Encke. Im Manatihaus hat sich auch das Kleinvieh akklimatisiert: Die Vögel balzen, die Blütenfledermäuse haben Junge, bei den Pfeilgiftfröschen schwimmen schon Kaulquappen herum. Die acht Schmetterlingsarten vermehren sich erfolgreich.
Die Delfine benötigten in der Lagune die längste Eingewöhnungszeit. Dabei hatte der Senior Moby die Nase vorn. Mit 52 Jahren ist er der Jopie Heesters unter den Delfinen, die eine Durchschnittslebenserwartung von 25 Jahren haben. Er überstand eine Erkrankung im August gut. Alle Delfine haben die Außenbecken vier und fünf gut angenommen. Über sie wird – in diesem Winter erstmals – ab einer Lufttemperatur von unter fünf Grad minus eine Traglufthalle gespannt.
Die Delfine müssen jedoch erst den Weg dorthin und die durch die Traglufthalle optisch veränderten Becken langsam kennenlernen. Weil das nicht so schnell geht, sind sie derzeit im alten Delfinarium untergebracht. Die Traglufthalle, die in drei Tagen aufbaubar ist, ermöglicht Temperaturen von 16 Grad Celsius in der Luft und 17 Grad im Wasser. Die Seelöwen sind indes härter im Nehmen und überwintern draußen.
Neben allen Neuentdeckungen soll Delfin Moby sich aber auch Sunny widmen, bei der Tierärztin Katrin Baumgartner im September die Pille abgesetzt hat. „Moby deckt sie auch regelmäßig, ist aber danach drei Tage völlig platt“, sagt sie. Da macht sich dann doch das Alter bemerkbar.
„Bei den Besucherzahlen wurden unsere Erwartungen seit der Laguneneröffnung weit übertroffen“, sagt Direktor Encke. 1,2 Millionen Menschen kamen insgesamt 2011 an den Schmausenbuck. Doch entscheidend sind nicht die reinen Besucherzahlen, sondern die Erlöse aus den Ticketverkäufen, bereinigt um alle Vergünstigungen. Vor der Eröffnung zum August 2011 hatte der Tiergarten mit 7 Euro pro Besucher gerechnet. Letztlich wurden es 8 Euro. Kalkuliert worden war der Bau auf 24 Millionen Euro, am Ende werden es drei Millionen Euro mehr.
Das Geld lieh sich der Tiergarten bei der Stadt und zahlt es nun in Raten zurück. „Die Finanzierung für die nächsten zwei Jahre ist gesichert“, so Encke. „Für uns ist aber viel wichtiger, dass wir noch nie so viel positive Resonanz erfahren haben. Und wir brauchen nachhaltige Zufriedenheit, nicht nur die Neugierigen, die nur einmal zum Gucken kommen.“ Auf Nachhaltigkeit lassen die Verkäufe der Jahreskarten hoffen: Sie schnellten nach der Laguneneröffnung von 2000 auf 5000 hoch. Eine Jahreskarte rechne sich etwa ab dem fünften Besuch, so Encke.
Die Technik läuft gut, so Abwassermeister Peter Haack, die anfänglichen Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Technik und Tierhaltung wurden aus dem Weg geräumt. Derzeit laufen alle Anlagen noch auf Sicherheit. Wenn die Anlage den ersten Winter gut überstanden hat, bleibe noch Spielraum, die Betriebskosten zu optimieren. Eine 24-Stunden-Überwachung ermögliche schnelle Reaktionen auf Veränderungen bei Klima, Salzgehalt, Temperatur oder pH-Wert. Der Lärmpegel in den Becken wird mit Hydrophonen überwacht.
Obwohl die Heizanlagen nur auf bis zu minus 16 Grad ausgelegt sind, können sie dank Reserven auch den aktuellen Tiefstwerten von minus 21 Grad trotzen. Ein Hebeboden (für 235000 Euro) ermöglicht es den Tierärzten und Pflegern, leichter an die Delfine ranzukommen. Das ist quasi ein Boden auf dem Boden. Er kann mechanisch angehoben werden, sodass das Tier näher an die Wasseroberfläche gebracht werden und der Pfleger neben ihm im Wasser stehen kann. Monatelang hatte der Tiergarten nach einem Hersteller für diese Vorrichtung gesucht, in Italien war er fündig geworden.
Die neuen Anlagen bieten der Forschung neue Möglichkeiten: So untersucht eine Studentin aus Würzburg für ihre Masterarbeit in den kommenden fünf Monaten intensiv die Kommunikation der Seekühe. „Wir wissen, dass sie sich mit Pfeiflauten verständigen“, erklärt Lorenzo von Fersen, Kurator für Forschung und Artenschutz im Tiergarten, „Aber man weiß nichts über die Bedeutung der Laute.“
Besonders schwatzhaft sei der erst dreijährige Herbert, das haben die ersten 24-Stunden-Beobachtungen der drei Tiere schon erbracht. Die Aufnahmen aus dem Manatihaus werden von Bioakustikern in Schottland analysiert. Es bleiben aber noch andere Geheimnisse, zum Beispiel, warum die Seekühe fast immer im Flachwasserbereich ihres neuen Heimes schlafen. Das wird in einer Bachelorarbeit erforscht.
Das alte Delfinarium ist geöffnet, Delfin-Shows täglich um 11.30 und um 15 Uhr. Gespräche mit Pflegern um 14 Uhr im Blauen Salon.
Mi. 02.05.12
Fr. 27.04.12
Mo. 19.03.12
Sa. 17.03.12
Mi. 14.03.12
Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Fr. 18.05.12