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Lieber Karl Freller,
es hat einige Zeit gedauert, bis Ihre Drohung beim Streit um Albrecht Dürer Richtung München auf dem Tisch lag. Griffig wurde von Ihnen formuliert: Wenn München Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ nicht für eine Ausstellung über Nürnbergs bedeutendsten Sohn an das Germanische Nationalmuseum ausleiht, dann verweigern Sie die Zustimmung für einen neuen Konzertsaal in München. Es freut uns natürlich, wenn ein Schwabacher Landtagsabgeordneter derart mutig Richtung Landeshauptstadt auftritt, doch wir haben uns gleich mehrfach gewundert und hoffen auf Aufklärung.
In der Vergangenheit galten Sie nicht gerade als fränkischer Hardliner gegenüber den Altbayern. Ich kann es deshalb kaum glauben, dass Sie und vielleicht auch noch andere fränkische Abgeordnete beim neuen Konzertsaal für München tatsächlich von der Stange gehen, wenn das Dürer-Gemälde nicht ausgeliehen wird. Bislang hielt die CSU immer zusammen, auch wenn es im Einzelfall zunächst deutlich abweichende Meinungen gegeben hat. Getreu dem Motto: „Falsch oder richtig, es ist mein CSU-Land.“ Vielleicht steht es aber schon fest, dass das Dürer-Bild tatsächlich doch noch zur Ausstellung nach Nürnberg kommt. Sonst hätten Sie sich doch wohl nicht so deutlich aus der Deckung gewagt?
Der dreiköpfige Stiftungsvorstand, der über die Geschicke der Wittelsbacher Stiftung und damit über das Dürer-Bild entscheidet, ist indirekt vom Freistaat abhängig: Ein Mitglied des Vorstands wird vom Wissenschaftsministerium bestimmt, ein zweites stellt die Staatsgemäldesammlung und ist damit ebenfalls vom Wissenschaftsministerium abhängig. Die Wittelsbacher, denen die Sammlung gehört, benennen dagegen nur einen Stiftungsvorstand. Wenn demnach schon jetzt feststehen würde, dass das Bild entgegen allen bisherigen Ankündigungen doch nach Nürnberg kommt, dann wären wir Zeugen eines einmaligen Polittheaters. Das Stück „Franken gegen Altbayern“ mag zwar populär sein, doch an der Nase lassen wir uns nur ungern herumführen.
Verwundert bin ich darüber, lieber Herr Freller, dass Sie für eine dreimonatige Dürer-Leihgabe einem neuen Konzertsaal in München zustimmen wollen. Über 200 Millionen Euro der prosperierenden Landeshauptstadt in den Rachen zu schmeißen, nur weil die Hehlerware von 1805 kurz einmal in Nürnberg zu sehen ist, ist ein ganz schlechtes Geschäft.
Herr Abgeordneter: Weil die Wittelsbacher vor 207 Jahren ein von der Stadt Nürnberg geklautes Bild erworben haben, dürfen sie nicht auch noch mit einem Konzertsaal beschenkt werden. Erst ein geklautes Bild zu kaufen, es dann nicht zu verleihen und schließlich für eine dreimonatige Leihdauer die Zustimmung aus Franken zu einem Konzertsaal zu bekommen, kann doch nur ein Faschingsscherz sein. So selbstlos sind die Franken nicht. Das verletzt unseren Stolz.
Andersrum wird ein Schuh draus: Wir verzichten auf die Dürer-Leihgabe aus München und nehmen den Konzertsaal. Nürnberg bräuchte schon viel länger als die Landeshauptstadt eine repräsentative Konzerthalle. Platz hätten wir auf dem Augustinerhof. Das wäre dann auch die richtige Strafe für die Landeshauptstadt für ihr rechthaberisches Bildverständnis. Wir laden dann auch ganz sicher Ministerpräsident Horst Seehofer, Finanzminister Markus Söder und den CSU-Vize Karl Freller zum Eröffnungskonzert ein. Versprochen! Vielleicht zu dem
Konzert „Divertimento für Markus Dürer und Albrecht Seehofer“.
Mit den besten Grüßen aus der Dürer-Diaspora.
Ihr André Fischer
P.S. Ein kleiner Trost mag es für Ihre CSU sein, dass die Bayern-SPD und die Grünen so lange gebraucht haben, die Popularität des Dürer-Themas zu erkennen. Das lässt Sie natürlich für den Landtagswahlkampf hoffen.
Vielleicht birgt der Nord-Süd-Konflikt aber noch ganz andere Sprengsätze als das Ausleihen von Bildern. Warum bekommt München in diesem Jahr über 140 Millionen Euro aus dem Finanzausgleich des Freistaats, obwohl es eine richtig reiche Stadt ist?