Es sind „Die besten englischen Kochrezepte“, „Italienische Kriegshelden“ und „Der deutsche Humor“. Der Verweis auf Kriegshelden, die heutzutage eher weniger gefragt sind, zeigt uns: Der Witz muss uralt sein. Offensichtlich haben sich die Deutschen schon in der Kaiserzeit mit ihrer Witzlosigkeit gebrüstet.
Es gibt aber ein Volk, das genau so humorlos sein soll wie wir, nur dass es ein bisschen größer ist: die Chinesen. Das behauptet zumindest Christian Y. Schmidt in seinem Buch „Bliefe von dlüben – der China-Crashkurs“. Der Autor hat sechs Jahre unter Chinesen gelebt. Das allein qualifiziert ihn nicht, deren Humor zu bewerten, aber: Er war Redakteur beim Satiremagazin „Titanic“. Wenn das nicht zum Humorwart qualifiziert – was dann? Schmidt zufolge erschließt sich die Humorlosigkeit der Chinesen nicht so ohne weiteres. Chinesen lachen in einer Tour. Aber sie lachen anders. Etwa so: „Ha ha, ich hab mich noch nie in meinem Leben so elend gefühlt!“ Dieses Verzweiflungslachen („Alles weglachen“) ist freilich international gebräuchlich. Den speziellen chinesischen Humor stellt uns Schmidt aber auch vor. Er zitiert aus dem Buch „Chinesische Witze zu allen Zeiten“, das in der Reihe „Chinesisch lustig lesen“ 2006 auf deutsch in einem chinesischen Staatsverlag erschienen ist:
„Ein Blinder saß einmal mit vielen anderen Leuten beisammen. Plötzlich beobachteten die Leute etwas Komisches und begannen, aus vollem Hals zu lachen. Auch der Blinde lachte. Da fragten ihn die Leute: Hast du denn auch gesehen, was da Komisches passiert ist? Der Blinde antwortete: Ich habe euch lachen hören, da war ich sicher, dass es etwas Komisches gegeben haben muss.“Das war der ganze Witz. Da greift man sich doch an den Kopf! Was soll denn daran lustig sein? Das allerdings kann man sich mit schöner Regelmäßigkeit auch fragen, wenn man die Humorseiten in den deutschen Tageszeitungen liest! Sind Deutsche und Chinesen also Seelenverwandte? Das gemeinsame Motto könnte lauten: Wer in der ganzen Welt für seinen Fleiß und Arbeitseifer berühmt ist, braucht nicht auch noch Humor zu haben. Basta.
Christian Y. Schmidt: Bliefe von dlüben. Rowohlt, 14,90 Euro