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Da der 49-Jährige die Vergewaltigungen und die weiteren Vorwürfe eingeräumt hat, musste die junge Frau „nur“ über die Tatfolgen Auskunft geben. Am 12. Oktober 2010 hatte sich die damals 20-Jährige zwei Stunden lang in den Fängen des Kidnappers und vorbestraften Triebtäters befunden. Sie war auf einem Pendlerparkplatz in Langwasser von dem bewaffneten S. verschleppt worden. Zitternd und nur mit Mühe und Not habe ihre Mandantin die 15-minütige Vernehmung im Zeugenstand überstanden, sagte Opferanwältin Dagmar Beck am Rande der Hauptverhandlung.
Die Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richard Caspar hörte sodann den Vater des Opfers an. Der 51-Jährige rang vor dem Landgericht immer wieder um Fassung, als er den Zustand seiner ältesten Tochter beschreiben sollte. Die sei einst ein lebenslustiges Mädchen gewesen, das im Fasching tanzte, bei Freunden beliebt war und gerade ein soziales Jahr machte.
Von ihrem Berufswunsch, später einmal anderen Menschen zu helfen, habe die Tochter längst Abstand genommen. Sie lebe nun eher zurückgezogen, habe Angst vor Parkplätzen und Waldstücken. Anfangs wollte sie wohl nur neben ihrer Mutter schlafen und habe nicht allein sein können. Eltern und Großeltern hätten das Mädchen rund um die Uhr betreut.
Dabei sei sein jüngeres Kind (18) zu kurz gekommen, so der Vater. Ein Aufenthalt in einer Spezial-Traumaklinik habe vorübergehend zur Besserung ihres Zustandes geführt. „Es geht auch mit kleinen Schritten voran“, so der Vater, aber oft wüssten er und seine Frau nicht, wie die Tochter im nächsten Moment reagiere.
Die behandelnde Psychiaterin schilderte sehr anschaulich, wie sich die Weltsicht der jungen Frau nach der Tat geändert habe. Aus Vertrauen sei Misstrauen geworden. Männer machten ihr Angst. Sie sei oft wütend und gereizt und habe anfangs kein Selbstvertrauen gehabt.
Sie leide unter „Flashbacks“, also Erinnerungen an die Tat und habe wiederkehrende Albträume. Panik, Angst vor Orten und Menschen machten es ihr geradezu unmöglich, am normalen Leben teilzuhaben. Dennoch habe ihre Patientin einen starken Willen. Die Therapeutin hofft, dass die seelischen Narben heilen. Am nächsten Prozesstag soll das zweite Opfer, eine Krankenschwester (23) aus Neumarkt, zu Wort kommen.
Sie war eine Woche später von S. überwältigt worden und musste mit ihm im Auto bis nach Norddeutschland fahren, wobei es immer wieder zu sadistisch-sexuellen Übergriffen gekommen war. Diese Zeugin nimmt als Nebenklägerin am Prozess teil. Beide Opfer sind sich übrigens nie begegnet und wollen wohl auch keinen Kontakt.
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12