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„Es ist sächlich“, sagt der Sprecher des Christkindlesmarktes, Thomas Meiler. In Nürnberg verbirgt sich unter dem Kleid allerdings immer ein Mädchen. „Von der Anmutung her mit blonden, goldenen Locken war das immer eher für eine weibliche Rolle ausgelegt“, meint Meiler. Britta Töllner, Sprecherin des Christkind-Postamtes in Engelskirchen (Nordrhein-Westfalen), sieht das anders: Auch bei ihnen habe das Christkind weibliche Züge, aber „die Geschichte sagt, dass es sich um das Jesuskind handelt“.
Alexander Saberschinsky von der Stabsstelle „Spiritualität und Gottesdienst“ des Erzbistums Köln hätte nichts dagegen, wenn mit dem Christkind das Christuskind gemeint wäre. Nur sei das eben leider nicht so. „Die Gestalt des Christkindes hat eine Eigendynamik entwickelt und ist eher eine mythologische Fantasiegestalt – halb Jesuskind, halb Engelchen, ein androgynes Wesen.“
Demnach wäre das Christkind also eine Art Zwitter. Lässt sich das wissenschaftlich erhärten? Die Forschung hat keine eindeutige Antwort: „Das Christkind ist geschlechtslos“, sagt der Weihnachtsforscher und Buchautor Manfred Becker-Huberti. Seine Argumentation: Niemand hat das Christkind je gesehen, und deshalb kann auch niemand wissen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Der Überlieferung zufolge wirkt es im Verborgenen. Eines steht laut Becker-Huberti aber fest: Das Christkind ist nicht das Jesuskind, denn das ist an Weihnachten ja noch ein Baby.
Historisch hat sich die ganze Sache so entwickelt: Zuerst brachte St. Nikolaus am 6. Dezember die Geschenke. Martin Luther räumte jedoch im Zuge der Reformation mit den Heiligen auf. Sein Ersatz für den beliebten Geschenkebringer: Er griff 1535 auf das vermutlich aus dem Elsass stammende Christkind zurück.
Fortan sorgte das Christkind bei den Protestanten für eine schöne Bescherung – bis die vor etwa 100 Jahren den Weihnachtsmann aus Amerika importierten, der aus St. Nikolaus hervorgegangen war. Daraufhin wurde das Christkind katholisch. Seitdem ist alles umgekehrt: Die Protestanten haben den verweltlichten Nikolaus, die Katholiken – und die eher protestantisch geprägten Nürnberger – das ursprünglich evangelische Christkind.