Die Gruppe dieser aus Afrika stammenden Wildeselart am Schmausenbuck ist mit Sabu auf sechs Tiere angewachsen. Seine Mutter Sissi ist 13 Jahre alt und kam aus dem Tierpark Berlin nach Nürnberg, sein Vater Lucas wurde 1996 in der Tschechischen Republik geboren. Im Gehege (gleich unterhalb des Flusspferd-Hauses) leben noch zwei weitere erwachsene Stuten und der Junghengst aus dem Vorjahr.
Somali-Wildesel stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten: Ihr Bestand ist weltweit auf rund 400 Tiere zusammengeschrumpft. In freier Wildbahn kommen sie hauptsächlich in Äthiopien und Eritrea vor, ganz vereinzelt auch noch in Somalia und im Sudan. „Fast die Hälfte des Bestands lebt heute bereits in Zoos“, sagt Tiergartendirektor Dag Encke. Nürnberg trägt mit der erfolgreichen Nachzucht seit Jahren dazu bei, die Tierart zu erhalten.
„Die Rettung in freier Wildbahn ist unwahrscheinlich“, meint Encke. Zum einen sind die Esel in ihrer Heimat eine wertvolle Beute für Jäger: Begehrt ist nicht nur ihr Fleisch, sondern auch ihre Knochen. Die werden zu Medizin verarbeitet, die gegen Rückenschmerzen ebenso wirken soll wie gegen TBC. „Wasserknappheit ist ein anderer Grund, warum der Bestand immer weiter zurückgeht“, erklärt Encke. „Die Somali-Wildesel müssen mit den Haustierherden um das wenige Wasser konkurrieren.“
Im Tiergarten hat man seit Jahrzehnten Erfahrung mit der Haltung dieser Tierart. Wichtig ist, sie nur mit kargem Futter wie Heu und Gras zu versorgen. Zu viel Kraftfutter würde dazu führen, dass ihre Hufe zu weich werden und reißen. Im Fachjargon heißt es dann: „Die Hufe schuhen aus.“ Der kleine Sabu ernährt sich derzeit noch hauptsächlich von Muttermilch – etwa ein halbes Jahr lang säugen Eselmütter ihre Babys.
Sabu wird allerdings nicht für immer im Tiergarten bleiben, da in einer Herde nur für einen erwachsenen Hengst Platz ist. „Es käme sonst zu erbitterten Kämpfen um die Stuten“, sagt Dag Encke. In eineinhalb Jahren wird man deshalb über das Europäische Erhaltungszuchtprogramm nach einem neuen Zuhause für Sabu suchen. Hengste sind jedoch manchmal nicht zu vermitteln. Deshalb müsse sich ein Zoo im Notfall dazu entschließen, ein Tier, für das kein Platz gefunden wird, zu schlachten, räumt der Nürnberger Tiergartenchef ein. Am Schmausenbuck sei das bei den Somali-Wildeseln zum Glück seit einigen Jahren nicht mehr nötig gewesen. Bisher gibt es für diese Tierart auch noch keine sogenannten Junggesellengruppen. Eine solche soll jetzt bei Hanau für die beiden sehr ähnlichen asiatischen Wildeselarten der Kulane und Onager aufgebaut werden.