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Salomon und die Plastik-Algen

Ärgerte sich der Seelöwe über künstliche Pflanzen? - 25.08. 07:00 Uhr

Nürnberg  - "Seelöwen fressen Delfinen die Algen weg", meldete die NZ. Daraufhin haben gleich einige NZ-Leser beim Tiergarten angerufen und sich erkundigt, ob sie helfen könnten. „Ein Mann hat mir sogar Algen aus seinem Swimmingpool angeboten“, erzählt der stellvertretende Tiergartenchef Helmut Mägdefrau. Doch so einfach ist die Sache nicht – und zwar aus mehreren Gründen.

Taucher hatten im Frühjahr den künstlichen Kelpwald im Boden der Lagune verankert.
Taucher hatten im Frühjahr den künstlichen Kelpwald im Boden der Lagune verankert.
Foto: Mathias Orgeldinger
Taucher hatten im Frühjahr den künstlichen Kelpwald im Boden der Lagune verankert.
Taucher hatten im Frühjahr den künstlichen Kelpwald im Boden der Lagune verankert.
Foto: Mathias Orgeldinger

Die Kelpalgen, um die es sich handelt, sind nämlich künstliche Wasserpflanzen. Der Tiergarten hat sie von einer dänischen Spezialfirma bezogen, die auch den Zoo von Bristol beliefert. Dort ist die 1999 eröffnete Anlage für Seelöwen und Pinguine eine der Hauptattraktionen. „Weil man in England sehr gute Erfahrungen mit diesem Kelp gemacht hat, haben wir ihn auch für die Lagune in Nürnberg bestellt“, so Mägdefrau. Echter Kelp, der nur in Uferzonen von Meeren in gemäßigten Breiten gedeiht, sei unter künstlichen Bedingungen „schwierig zu halten“. Und kaum jemand dürfte in der Lage sein, die synthetischen Gewächse von natürlichen zu unterscheiden.



Die Unterwasserdekoration aus Kelpwald und Felsen in der Lagune soll den Großen Tümmlern und Seelöwen eine optische Abwechslung bieten, aber auch den Zoobesuchern, die durch die große Panoramascheibe in die Becken schauen. Eine Zeitlang gab es kein Problem damit, doch dann entdeckte vor etwa einer Woche Seelöwe Salomon seinen Spieltrieb. Er ist mit zwei Jahren ein echter Flegel und – obwohl noch nicht einmal in der Pubertät – ziemlich rabiat. Der Kelp war nicht mehr sicher vor Salomon, der nicht etwa nur ein bisschen daran herumspielte. Nein, er leistete ganze Arbeit, beutelte die mit viel Aufwand installierten Pflanzen und riss sie teils ganz heraus. Wer weiß – vielleicht lehnt er Plastikpflanzen ab oder findet sie kitschig?


Salomon war wohl nicht der alleinige Übeltäter. Er dürfte zumindest einen Komplizen gehabt haben. Sollten die beiden beim Anknabbern etwas vom Kunst-Kelp verschluckt haben, scheint es ihnen jedenfalls nicht geschadet zu haben: „Die achtköpfige Seelöwen-Gruppe in der Lagune ist topfit“, betont der stellvertretende Zoodirektor. Trotzdem wurde der gesamte Kelp entfernt – „vorsichtshalber“. Salomon hatte also Erfolg.

Im NZ-Blog „Achtung, Wolf!“ unter www.nz.de/blogs/tiergarten lesen Sie mehr über Lagune und Tiergarten.

 



Ute Wolf

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