Keine Panik: Hämorrhoiden sind normal. Jeder Mensch hat sie. Denn offiziell heißt so einfach das Geflecht aus Blutgefäßen im unteren Teil des Enddarms. Wie ein Kissen dient es zur Feinabdichtung. Nun hat aber die Natur den Menschen in mehrerlei Hinsicht fehlkonstruiert, man denke nur an die anfällige Wirbelsäule. So machen die Hämorrhoiden schätzungsweise jedem zweiten bis dritten Menschen im Lauf des Lebens Probleme, indem sie bluten oder sich vergrößern und Knoten bilden, ähnlich wie Krampfadern. Im Volksmund „hat man Hämorrhoiden“, obwohl eigentlich ein „Hämorrhoidalleiden“ gemeint ist. Betroffen sind Erwachsene jeden Alters.
Hochnotpeinlich muss man das nicht finden, sagt Prof. Klaus Günther, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Klinik Hallerwiese. Er hat die Behandlung von Dick- und Enddarmkrankheiten (Koloproktologie) an der Hallerwiese etabliert und arbeitet dabei mit dem Erlanger Uniklinik-Spezialisten Prof. Klaus Matzel zusammen. Günther kennt den Leidensdruck der Patienten aus seiner Sprechstunde. Viele zögern den Termin hinaus, bis sie ihre Beschwerden kaum noch aushalten: wenn es brennt, schmerzt, blutet und Angst macht.
Dann ist der Bedarf an Erleichterung aber so groß, dass das Eis im Arztgespräch und bei der etwa 15-minütigen Untersuchung schnell gebrochen ist. „Die meisten kommen mit riesiger Angst und gehen grinsend wieder raus“, sagt Günther. „Sie sagen mir: ,Wenn ich gewusst hätte, dass das so harmlos ist, wäre ich eher gekommen!‘“ Dabei muss man nicht einmal Abführmittel genommen haben und auch nicht nüchtern erscheinen.
„Das Allermeiste am After ist zwar sehr unangenehm, aber ziemlich harmlos“, sagt Günther. Denn der mit Abstand geringste Anteil der Krankheitszeichen am Enddarm gehe auf bösartige Tumore zurück. Die große Mehrheit leide an Perianalthrombosen (Blutgerinnseln), Fissuren (Einrissen), Fisteln, Abszessen und anderen Entzündungen – oder eben Hämorrhoiden. Diese Erkrankungen seien sehr wirksam konservativ oder mittels kleiner Eingriffe zu behandeln. Größere Operationen sind erst im schweren Stadium nötig.
Vorbeugen lasse sich dem Hämorrhoidalleiden nicht wirklich, erklärt der Proktologe, höchstens allgemein durch varianten- und ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Bewegung und Flüssigkeitszufuhr. Die genauen Ursachen für vergrößerte Hämorrhoiden bleiben unklar. Neben Veranlagung wird schlicht der körperliche Verschleiß vermutet: Der aufrechte Gang und die Fähigkeit zum Sitzen belasten den menschlichen Enddarm ständig mit Gewicht. Chronische Verstopfung und verbissenes Pressen beim Toilettengang provozieren die Krankheit weiter. Das gehe bei vielen Betroffenen einher mit dem mentalen Nicht-Lockerlassen-Können, etwa am Arbeitsplatz. „Stress sucht sich hier oft sein Ventil“, sagt Günther.
Ob man Hämorrhoiden behandeln lassen muss, hängt von der Beeinträchtigung ab. Zum niedergelassenen Proktologen oder in eine Kliniksprechstunde sollte man unbedingt gehen, wenn es Blutungen gibt, die Hämorrhoiden schmerzhaft nach außen treten oder gar Inkontinenz verursachen. Die Fachärzte unterscheiden vier Schweregrade. In leichten Fällen wirken Verödung (Unterspritzung) oder eine Abschnürung mit Gummibändern gut. Das ist schmerzfrei und auch ambulant gut machbar. In manchen schweren Fällen bietet sich ein modernes Klammernahtverfahren an, oder der Chirurg muss die Hämorrhoiden operativ entfernen.
Von anderen Verfahren, auch wenn sie noch so technisiert und teuer sind (Kälte, Infrarot und Laser), rät Günther ab. „Es gibt bis heute keine wissenschaftliche Gewissheit, dass diese Methoden dem Patienten tatsächlich Vorteile bieten.“
Sprechstunde und Kontakt unter Tel. 33402600