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Klaus Ruppert lebte als kleiner Steppke mit seinen Eltern und seinem acht Jahre älteren Bruder nur 200 Meter vom Luftschutzbunker entfernt, in der Wodanstraße 11. Sein Vater war bereits heimgekehrt, er war bei der Luftwaffe. Der jetzt 73-jährige Klaus Ruppert erinnert sich an jene Nacht vor 66 Jahren noch ganz genau, „das war ein Schlüsselerlebnis in meinem Leben“.
Er erlebte diese Nacht in Nürnberg ebenso wie die anfliegenden 521 britischen Bomberpiloten: sternenklar und vom Mond besonders hell beschienen. „Der Fliegeralarm kam diesmal sehr spät. Wir schliefen ja immer angezogen, und meine Mutter und ich standen bereits mitten in der Wodanstraße, als schon die ersten englischen Bomber auftauchten und im Sturzflug auf uns niederstürzten, um ihre tödliche Ladung abzuwerfen.“
Klaus Ruppert wundert sich heute noch darüber, dass die Alliierten, die ihre Angriffe normalerweise in größeren Höhen flogen, in dieser Nacht so tief kamen. Die Auflösung dafür ist in dem Buch von Michael Diefenbacher und Wiltrud Fischer-Pache „Der Luftkrieg gegen Nürnberg“ nachzulesen. Der Australier Frank Petch wird darin zitiert.
Petch und seine Kameraden waren dreieinhalb Minuten vor der geplanten Zeit über Nürnberg. Da die „Pfadfinder“ die Ziele noch nicht markiert hatten, befahl der Pilot, die Bomben sofort abzuwerfen, da die Spritmenge für die Rückkehr knapp wurde. Dazu verließ die Lancaster ihre Flughöhe und sank auf 10000 Fuß Höhe (zirka 3000 Meter).
Petch: „Es schien uns, als ob wir in Dachhöhe mit unserer Lancaster die Stadt überflogen. Die von Schnee bedeckten mittelalterlichen Gebäude erinnerten an eine Weihnachtskarte. Es schien nicht recht zu sein, diese friedliche Szene mit Bomben zu stören. Meine
Nerven waren bis zum Reißen gespannt, als wir mit offenem Bombenschacht langsam und stetig über das Stadtzentrum flogen. Ich erwartete jeden Moment, dass ihre berüchtigte Flak das Feuer eröffnet und uns vom Himmel fegt.“
Klaus Ruppert erzählt 66 Jahre später in seinem gemütlichen Heim in der Pellwormer Straße: „Noch heute sehe ich in meiner Erinnerung, die ich wohl Zeit meines Lebens nie vergessen werde, den Piloten in der Maschine sitzen.“ Der siebenjährige Klaus Ruppert beobachtete, wie die Bomben ausgeklinkt wurden und herunterfielen, „Gott sei Dank schlugen sie weiter entfernt ein.“ Im bereits übervollen Wodanbunker erlebte er mit seiner Mutter die wohl schlimmsten Stunden seines Lebens. Sein Vater und sein Bruder mussten in den Luftschutzbunker in der Allersberger Straße, gegenüber der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche.
Im Wodanbunker saßen er und seine Mutter dichtgedrängt mit den vielen anderen Anwohnern auf den Holzbänken und lauschten verängstigt nach draußen. „Man bekam anhand der untrüglichen Pfeifhöhen mit der Zeit ein Gespür dafür, wo die Bomben runterkommen würden“, erzählt Klaus Ruppert. In dieser Nacht sei eine Bombe direkt in Höhe des Bunkers in der Wodanstraße eingeschlagen. „Der ganze Bunker schien sich zu heben, die Lichter gingen aus, und nur die Phosphorstreifen an den Wänden machtem mit ihrem fahlen Licht die gespenstische Situation noch schlimmer.“
Der kleine Klaus und seine ganze Familie überlebten diese Nacht – und hatten damit viel Glück: Die 521 britischen Bomber warfen innerhalb einer halben Stunde 6000 Sprengbomben und eine Million Brandbomben ab. Die Bevölkerung hatte bei diesem Angriff über 2000 Tote und 100000 Obdachlose zu beklagen. Die Nürnberger Altstadt war vollständig zerstört, die Stadt als Ganzes schwer beschädigt.
„Als wir dann den Luftschutzbunker nach der sehnlichst erwarteten Entwarnung verlassen durften, bot sich uns ein Bild des Grauens.“ Links und rechts des Aufgangs seien die Toten aufgestapelt gelegen. „Der nächtliche Himmel leuchtete blutrot, aus den Ruinen schrien Verletzte und Verschüttete, und der Gestank von Verbranntem ließ uns nicht mehr los.“
Zurückgekehrt in ihre Wohnung hatten sie plötzlich freie Sicht auf den Hinterhof, die Rückwand gab es nicht mehr. „Meine Mutter hatte dort ihren Vorratsraum mit Einweggläsern, Obst und Gemüse lagen verstreut auf dem Boden.“ Verwandte in der Oberpfalz, die in Nabburg lebten, erzählten ihnen später, sie hätten den roten Schein über Nürnberg deutlich sehen können.
Klaus Ruppert würde es bedauern, wenn man Bunker wie den in der Wodanstraße „platt macht“. Ruppert: „Auch die jungen Leute haben ein Recht darauf zu erfahren, wie es damals war, in so einem Bunker zu sein.“
Viele junge Besucher haben sich bei den Besichtigungstouren des Fördervereins Nürnberger Felsengänge durch den Wodanbunker für dessen Erhalt ausgesprochen – und bestätigen damit den Zeitzeugen.