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Schuften für die Sicherheit

Neuer Rundgang durch die Kasematten - 31.03. 18:43 Uhr

Nürnberg  - Der Förderverein Nürnberger Felsengänge bietet ab sofort Führungen durch die Kasematten an. Die Tunnel, die im Bauch der Bastei durch Fels und Sandstein führen, sind nicht nur ein einzigartiges Zeugnis der spätmittelalterlichen Militärgeschichte, sie bieten auch einen Einblick in die krassen Arbeits- und Sozialpraktiken des 16. Jahrhunderts.


Ohne Fuhrleute, Steinmetzen, Maurer und Kalkbrenner lief beim Bau der modernsten Festung nördlich der Alpen nichts. Doch gerade diese Arbeiter, auf die Felsengänge-Spezialist Franz Wolff verweist, beutete der Stadtrat aus.
Ohne Fuhrleute, Steinmetzen, Maurer und Kalkbrenner lief beim Bau der modernsten Festung nördlich der Alpen nichts. Doch gerade diese Arbeiter, auf die Felsengänge-Spezialist Franz Wolff verweist, beutete der Stadtrat aus.
Foto: Harald Sippel
Ohne Fuhrleute, Steinmetzen, Maurer und Kalkbrenner lief beim Bau der modernsten Festung nördlich der Alpen nichts. Doch gerade diese Arbeiter, auf die Felsengänge-Spezialist Franz Wolff verweist, beutete der Stadtrat aus.
Ohne Fuhrleute, Steinmetzen, Maurer und Kalkbrenner lief beim Bau der modernsten Festung nördlich der Alpen nichts. Doch gerade diese Arbeiter, auf die Felsengänge-Spezialist Franz Wolff verweist, beutete der Stadtrat aus.
Foto: Harald Sippel

Massiv und steil ist die Bastei im Norden und Westen dem Burgfelsen vorgelagert. Spitze Winkel springen vor, Schießluken bestreichen das Schussfeld im Fall des Falles mit gehacktem Schrot. Auf Bodenhöhe des Grabens zieht sich ein 1,4 Meter breiter Gang durchs Gemäuer.

Der Einstieg in die Kasematten befindet sich im Burggarten, eine steile Treppe führt tief hinunter. Die Stufen sind ausgetreten und unterschiedlich hoch. Doch nicht, um Touristen zu ärgern, sondern um dem bösen Feind den Aufstieg zu erschweren, falls er doch einmal heraufstürmen sollte. Unten angelangt, fällt aus einem Schacht in der Decke ein Lichtstreifen. Jetzt befinden wir uns zwölf Meter unter dem Burggarten.


Was heute „Stuttgart21“ für die Schwaben ist, das waren die Kasematten fürs Frankenland: „Nürnberg 16“. Ein gigantisches Bauprojekt, das in Rekordzeit und ohne Rücksicht auf Verluste vom Stadtrat durchgesetzt wurde. Der Protest beschränkte sich auf die geballte Faust in der Tasche.

Nürnberg hatte sich 1525 der Reformation angeschlossen, und sich damit die Gunst des katholischen Kaisers Karl V. verscherzt. Die Stadtmauer war marode. Weil man bis dahin den Kaiser hinter sich gewusst hatte, hatte man nicht viel Geld in die Renovierung der Mauer gesteckt. Obendrein rumorte es abwärts der Donau, die Türken lagen vor Wien.

Als der Festungsbaumeister Antonio Fazuni aus Malta 1538 dem Stadtrat seine Pläne zeigte, griff der mit beiden Händen zu: in der Rekordzeit von sieben Jahren wurde die Bastei hochgezogen, ab 1545 war Nürnberg praktisch uneinnehmbar.

Dies gelang, indem der Rat sämtliche Kalkbrenner und Bauern in den Steinbrüchen von Ziegelstein, Rückersdorf, Langenlohe und Mögeldorf ohne Bezahlung fronen ließ. Saisonarbeiter brachen binnen drei Jahren 212347 Sandsteine. Wer einer anderen Tätigkeit nachging, dem blieb der Steinbruch verschlossen. Bürger mussten ihren Häuslebau verschieben, weil jeder Quader in die Bastei wanderte. Darunter litten Aussaat und Ernte. Also buk man kleinere Brote. Und das Bier wurde teurer und dünner.

Ironie der Geschichte: Die Kanonen kamen nie zum Einsatz. Erobert wurde die Bastei erst am 20. April 1945. Unbelehrbare glaubten, Nürnberg von der Stadtmauer aus verteidigen zu müssen.

Führungen täglich um 15.30, am Wochenende auch um 16 Uhr. Treffpunkt Bergstr. 19

  



Reinhard Kalb

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