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Ihre Wurzeln hat die Nürnberger Lebenshilfe eigentlich in einer Art Selbsthilfegruppe. Eltern behinderter Kinder schlossen sich 1961 zusammen, um ihre Kinder zu unterstützen. Sie sollten nicht weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, und sie sollten bessere Möglichkeiten erhalten, eine Ausbildung absolvieren zu können, einen Beruf auszuüben.
Aus diesen Anfängen hat sich längst ein großer Verein für Menschen mit geistiger Behinderung entwickelt, der in ein bundesweites Lebenshilfe-Netzwerk eingebettet ist. Und der zahlreiche Einrichtungen der Betreuung und der Ausbildung selbst betreibt sowie mit den Pegnitzwerkstätten sogar Arbeitsplätze anbietet.
Vor 20 Jahren wurde der integrative Kultur- und Freizeittreff „Buni“ in Langwasser gegründet (Buni steht für „Behinderte und Nichtbehinderte“), der mittlerweile mit der Stadt Nürnberg zusammen betrieben wird. Seit zehn Jahren lobt die Lebenshilfe den Nürnberger Behindertenpreis aus, dessen Preisgeld in Höhe von 1000 Euro heuer von der WBG-Nürnberg-Gruppe gestiftet wurde.
Unter allen bisherigen Preisträgern nimmt Ute Meindel wohl eine besondere Stellung ein. Als ausgebildete Physiotherapeutin wurde sie in einer Behinderteneinrichtung, in der sie arbeitete, immer wieder mit Fällen sexueller Übergriffe konfrontiert. Es gab keine Beratungsstellen, keine Hilfen, keine Fachleute, die sich damit befassten.
Also initiierte Ute Meindel im Jahr 2003 eine Arbeitsgruppe, die sich dem Thema intensiv näherte. 2007 hob sie – inzwischen Sozial- und Medienpädagogin – den Verein „Pro Prävention“ aus der Taufe, der mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, der Fortbildungen und Elternabende anbietet sowie regelmäßig Multiplikatoren schult.Für November kommenden Jahres ist erstmals eine Fachtagung geplant, die Teilnehmern aus ganz Deutschland Fachwissen vermitteln soll.
Und da „gibt es noch viel zu tun“, sagt Ute Meindel. Das beginnt bei Jugendämtern und Therapeuten, die nach ihrer Erfahrung durch die Bank über viel zu geringes Fachwissen verfügen. Und das endet längst nicht bei der bitteren Erkenntnis aus den einzigen beiden deutschen Studien, die bislang zum Thema erarbeitet wurden: Zwei von drei Frauen (65 Prozent) mit Behinderung und jeder zweite Mann (50 Prozent) werden mindestens einmal im Leben Opfer sexualisierter Gewalt. Bei Menschen ohne Behinderung sind es 50 Prozent der Mädchen und Frauen sowie 8 Prozent der Jungen und Männer.
Rund 40 Prozent aller sexuellen Übergriffe gegen behinderte Menschen passieren in (beschützenden!) Einrichtungen. In jedem zweiten Fall ist ein(e) Betreuer(in) Täter(in). Meindel berichtet sogar von Erkenntnissen, wonach sich Täter gezielt einen Betreuungsberuf ausgesucht hätten, weil es für sie in Behinderteneinrichtungen sehr viel leichter sei, sexuelle Gewalt – letztlich ungestraft – auszuüben.
Die Fürther Tanzschule Streng erhielt den Preis der Lebenshilfe für ein gelungenes Experiment: Aus einem Versuch mit einem Behinderten-Tanzkurs bei der Lebenshilfe Fürth im Jahr 2004 hat sich ein festes Kursangebot in den Räumen der Tanzschule an der Theaterstraße entwickelt. Menschen mit und ohne Behinderung feiern gemeinsam Abschlussball. Überdies ist die Showgruppe „Step by Step“ mit behinderten Tänzerinnen und Tänzern entstanden.
Die Tanzschule veranstaltet Wettkämpfe mit Teilnehmern aus dem ganzen süddeutschen Raum. Preise gibt es nicht nur für die beste Choreografie oder die beste Musikauswahl, sondern auch für das größte Engagement einer Tanzformation oder den stärksten Applaus. „Step by Step“ wird inzwischen zu Auftritten in andere Städte eingeladen, berichtete Tanzschul-Chef Manfred Streng, der am Samstag, 23. Juli, einen Sommernachtsball für die Lebenshilfe Fürth ausrichtet.
Lebenshilfe Nürnberg, Fürther Straße 212, 90429 Nürnberg, 58793-0, E-Mail: info@lhnbg.de
Pro Prävention, Robert-Koch-Straße59, 90766 Fürth, 7048648, E-Mail: kontakt@pro-praevention.de Internet: pro-praevention.de
Tanzschule Streng, Theaterstraße 5, 90762 Fürth, 777444, E-Mail: info@tanzschule-streng.de