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Klar, von unten sieht der Tarzansprung ganz leicht aus. Einfach abstoßen, am Seil nach vorne schwingen und dann mit den Händen das Fangnetz greifen. Wäre doch gelacht... Aber wenn man dann oben steht, auf der kleinen Plattform sechs Meter über dem Waldboden, wenn man sich der Kante nähert, nach unten blickt und noch einmal kurz nachdenkt - dann sieht alles ganz anders aus. Plötzlich scheint die Absprungplattform viel zu hoch zu sein, das Seil viel zu dünn und das senkrecht gespannte Fangnetz viel zu weit entfernt.
Die meisten, die dort oben stehen, kneifen die Augen zusammen, klammern sich mit beiden Händen am Seil fest, verkrampfen im ganzen Körper. Man sieht die Angst in den Blicken und kann sich vorstellen, wie es in den Bäuchen kribbelt. Manche brauchen nur zehn Sekunden, bis sie abspringen, andere stehen minutenlang oben und können sich nicht überwinden. Die Schlaumeier, die von unten zuschauen, rufen ihnen zu: "Spring jetzt! Trau dich endlich, sonst hast du was verpasst. Das ist das beste Gefühl!"
Wenn man dann abspringt, geht alles ganz schnell: kurze Flugphase, erst nach unten, dann nach vorne - und schon hängt man auf der anderen Seite im Netz. Fast alle haben dann ein Lachen im Gesicht, die Kinder vor Stolz, die Erwachsenen eher vor Erleichterung.
Es ist wohl dieses Gefühl, das Enver Öztop meint, wenn er sagt: "Unsere Parcours sind positive Erlebnisse. Sie stärken, sie geben der Unsicherheit weniger Platz und schützen vor Angst." Öztop hat in Würzburg Jura studiert, doch nun nennt er sich Erlebnis- und Abenteuerpädagoge. Er hat im Raum Nürnberg großen Bedarf an einem Hochseilgarten ausgemacht und Ende Juli den Kletterwald Weiherhof eröffnet.
Öztop hat die sechs Parcours geplant, entworfen, finanziert und innerhalb von fünf Wochen gebaut. "Nachhaltig und sauber, mit neuester Technik", wie er betont. Kein Baum wurde durchbohrt, die Holzplattformen, Stahlseile und Schlingen halten durch ein spezielles Reibungsprinzip.
Unter dem Motto "Ein bärenstarkes Abenteuer" können Kinder und Erwachsene in einem Waldstück nahe der Sportanlage des SV Weiherhof von Baum zu Baum klettern, balancieren, hangeln, schwingen oder springen. "Wir haben für jeden etwas dabei, für Unfitte, Fitte und Superfitte", sagt Öztop. Zu Beginn bekommt jeder Kletterer von den Trainern einen Gurt um die Hüften gezurrt, mit zwei Karabinerhaken zum Sichern und einer Rolle zum Gleiten an den Stahlseilen.
Kinder ab vier Jahren können den Babybär-Parcours durchklettern. Die Highlights sind der Ritt auf dem Harry-Potter-Besen und eine Fahrt mit einem Bobby-Car einen Meter über dem Boden. Zwei Parcours in drei bis vier Metern Höhe sind für kleine und große Kletterer geeignet. Zu überwinden sind baumelnde Autoreifen, wackelige Holzpflöcke, eine Fahrt auf einem Skateboard und ein Sprung zwischen zwei Plattformen. "Man muss erfinderisch sein und Lösungen finden, wenn man über die Elemente klettert", erklärt Öztop. Kinder würden sich dabei oft besser anstellen als ihre Eltern: "Sie sind kreativer, haben keine Hemmungen. Bei den Erwachsenen steht dagegen meist das Sicherheitsdenken im Vordergrund."
Öztop sagt, der Kletterwald habe einen abenteuerpädagogischen Hintergrund: "Man kann spielerisch und ohne Leistungs- und Zeitdruck über seine Grenzen hinausgehen." Einerseits sollen motorische Fähigkeiten geschult werden: Koordination, Balance, Kraft, Körperspannung. Andererseits geht es um Selbsterfahrung und Selbstbewusstsein: "Jedes Element ist ein Hindernis und Hindernisse gibt es auch im echten Leben. Man darf nicht aufgeben, sondern muss sie bewältigen, dann sieht man schnelle Erfolge."
Der höchste Parcours im Weiherhofer Kletterwald befindet sich neun bis elf Meter über dem Boden. Man erreicht ihn nur, wenn man eine Strickleiter mit sehr kleinen Sprossen hinaufklettert. "Natürliche Auslese", nennt Öztop das. Nur wer genug Kraft und die richtige Technik hat, kommt hoch. Von den Plattformen aus sieht man deutlich, wie die Baumkronen leicht im Wind schwanken. Und wenn man dort oben über ein Seil balanciert und dann hinunterschaut auf den Tarzansprung - dann sieht er übrigens auch ziemlich mickrig aus.
Weitere Informationen unter www.kletterwald-weiherhof.de oder Tel. 0171/5335438.