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„Normal ist es noch ein bisschen voller“, sagt Antonio Fernandez, seit 1. Januar 2000 Vorsitzender des spanischen Kulturvereins. Aber auch an diesem Samstag kann er sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. Und am späten Nachmittag scheint dann endlich auch die Sonne über der Fürther Straße 354, wo Centro Español seit dem Jahreswechsel 1979/80 zu Hause ist.
Es wäre aber auch zu schade gewesen, wenn ausgerechnet dieses Sommerfest ins Wasser gefallen wäre. Immerhin wird das Centro Español heuer 50 Jahre alt. „Wir sind der älteste internationale Verein in der Stadt und der älteste spanische Kulturverein Europas“, sagt Fernandez stolz. Spanische Arbeiter, die in Nürnberg eine Stellung gefunden hatten, hoben das Zentrum 1961 aus der Taufe. Der heute 82-jährige Victor Ganto Iglesias war damals dabei und erinnert sich noch lebhaft daran, wie die Spanier in den Baracken der MAN, wo viele Gründungsmitglieder arbeiteten, über den passenden Namen für ihren neuen Verein stritten. „Haus der Spanier“ war die Alternative, letztlich entschieden sich die Gründungsväter aber für „Centro Español“.
Die Spanier, die mehrheitlich schlecht Deutsch sprachen, konnten sich im Verein in ihrer Sprache austauschen und ihren Kindern fernab der Heimat spanische Traditionen vermitteln, berichtet Fernandez. Der heutige Vereinschef fand bereits als Kind zu dem Klub, als er mit seinen Eltern 1968 aus Granada nach Nürnberg kam. Sein Vater kümmerte sich als Gärtner um die Grünflächen im Klärwerk, seine Mutter arbeitete als Putzfrau – und beide schlossen sich dem Centro an. „Wenn man damals hier als Spanier gelebt hat, hatte man gar keine andere Wahl“, sagt der heute 54-Jährige.
Im Verein half man sich, alltägliche Probleme zu lösen – und die Spanier machten sich auch gegenseitig Mut angesichts einer Umwelt, die den neuen Mitbürgern oft noch skeptisch gegenüberstand. „Außerdem haben sich die hier lebenden Spanier mit der Demokratie identifiziert“, sagt Fernandez. In Spanien herrschte noch bis 1975 der Diktator Franco. „Unsere Leute haben die Opposition in Spanien finanziell und moralisch unterstützt.“ Aber auch das runde Leder spielte in jenen Jahren eine wichtige Rolle, erinnert sich Vereins-Urgestein Ganto, das Centro gründete gleich zu Beginn ein Fußballteam.
Seine Fußballmannschaft hat das Centro Español unterdessen längst aufgelöst, und auch die Politik trat nach Francos Tod zunehmend in den Hintergrund. Heute gibt es im Klubheim Vorträge, Filmvorführungen, Gitarrenkurse oder Kartenspielabende. Das Centro bekam im Jahr 2007 den Interkulturellen Preis der Stadt verliehen und war maßgeblich daran beteiligt, dass Nürnberg und Córdoba 2010 Partnerstädte wurden. Besonders stolz ist der Verein aber vor allem auf seine Flamenco-Tänzerinnen, die sogar beim Bardentreffen auftreten werden.
Auch Anabel Nißler (35) wollte als Kind Flamenco lernen und fand so gemeinsam mit ihren Eltern zu dem Verein, der zunehmend internationaler wurde. Nißlers Vater, Roger Kuntz (64), erinnert sich, dass er es 1986 als einer der wenigen Deutschen bei Centro Español schon schwer hatte, den Debatten der anderen zu folgen. „Ich konnte nur ein paar Brocken Spanisch.“ Inzwischen stellen die Deutschen die Mehrheit in dem Verein, dem rund 300 Mitglieder aus 23 Nationen die Treue halten, Kuntz fungiert als dritter Vorsitzender.
Die Mitglieder eint ihre Spanien-Begeisterung: „Mir gefällt die Mentalität der Menschen dort, sie sind sehr freundlich, sehr optimistisch“, sagt Johanna Urdaneta. Die 25-jährige Tochter eines Venezolaners und einer Deutschen findet die Deutschen oft etwas „zu griesgrämig“. Urdaneta fand vor 15 Jahren zum Verein, weil sie unbedingt so ein Kleid wollte, wie es die Tänzerinnen von Centro Español trugen, die sie mal bei einem Auftritt im Tiergarten bewundern durfte. „Aber meine Mama sagte, wenn ich so ein Kleid will, muss ich auch Tanzen lernen.“ Also sei sie dem Verein beigetreten. „Das habe ich nie bereut.“
Das Vereinsheim, erinnert sich die Tänzerin, habe schon vor 15 Jahren ziemlich alt ausgesehen. Das Centro Español soll auf dem AEG-Gelände eine neue Heimat bekommen, doch mit dem Umzug wird es noch ein Weilchen dauern. Aber Fernandez und Co. werden sich davon die Feierlaune nicht vermiesen lassen. Am 24. September wird das Geburtstagskind offiziell von der Stadt gewürdigt.