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Fröhliche Kinder werden von noch fröhlicheren Schmetterlingen umflattert – im Prospekt der Firma „Insect Lore“ scheint die Welt in Ordnung. In der Realität ist sie es nicht. Das Unternehmen, das seinen Sitz in den USA und Großbritannien hat, präsentiert am Messestand einen „Butterfly Garden“, zu Deutsch „Schmetterlingsgarten“. Das ist ein Behältnis, in dem Kinder die Tiere halten und bei der Metamorphose beobachten können – vom Ei über die Raupe bis zum Falter. Der Messeaufenthalt jedenfalls, das sieht auch der Laie, tut den Tieren nicht gut.
Vor drei Tagen seien die Schmetterlinge geschlüpft, sagt Jennifer White, eine Firmenvertreterin am Stand. „Ich nehme sie nach Ende der Messe wieder mit nach Großbritannien.“ Die Reise mache den Schmetterlingen nichts aus, fügt sie hinzu. „Sie werden bei Zimmertemperatur gehalten.“ Wie das genau aussieht, ist nicht zu erfahren. Und auch nicht, ob die Tiere die Heimreise wirklich jemals erleben werden. Im Prospekt steht jedenfalls, dass man die Schmetterlinge fliegen lassen soll, wenn sie geschlüpft sind. Und dass das „Spiel“ nur in der warmen Jahreszeit zu verwenden sei.
Heike Weber, die Tierheim-Chefin, findet es moralisch nicht vertretbar, Tiere überhaupt als Spielzeug anzubieten. „Egal, ob es um Hunde, Katzen oder Schmetterlinge geht.“ Es sei sicher pädagogisch sinnvoll, Kindern die Metamorphose von Schmetterlingen nahezubringen. „Aber doch bitte nicht als Spiel! Das ist eine Katastrophe!“ Kinder müssten einen verantwortungs- und respektvollen Umgang mit Tieren lernen.
Es sei schwierig, gegen Machenschaften wie die der Firma „Insect Lore“ vorzugehen, sagt Heike Weber. „Es fehlt in diesem Fall die Rechtsgrundlage. Wenn Luft und Futter vorhanden sind, lässt sich nichts machen.“ Die Tierheim-Chefin appelliert an die Vernunft der Eltern. „Es ist schön, wenn Natur anfassbar ist, aber bitte nicht so!“
Wilhelm Köstler, Schmetterlingsexperte und Artenschutzbeauftragter des Kreises Nürnberger Entomologen (Insektenkundler), hat prinzipiell kein Problem damit, dass Kinder mit Hilfe geeigneter Behältnisse – die gibt es auf dem Markt – den Schmetterlingen bei der Metamorphose zusehen. „Dazu brauchen die Tiere keinen großen Lebensraum“, sagt Köstler, der in Fachkreisen als „Nürnberger Falterpapst“ bezeichnet wird und mit seinem Verein im Jahr 2010 den Umweltpreis der Stadt erhalten hat. „Als Quälerei würde ich das nicht bezeichnen.“ Aber er betont: „Die Tiere müssen, wenn sie geschlüpft sind, sofort entlassen werden!“ Deshalb sei es wichtig, ihre Entwicklung immer genau zu beobachten. Eltern müssten ihren Kindern in jedem Fall Anleitung geben, wenn sie sich auf die Spur der Natur begeben.
Ob das freilich immer der Fall ist, wenn irgendwo auf der Welt ein „Schmetterlingsgarten“ der Firma „Insect Lore“ in kleine Hände übergeben wird, ist fraglich. Wer sich über Schmetterlinge und deren Aufzucht informieren möchte, der sollte sich lieber an Experten wenden. Die wissen auch, wo die Tiere frei schwebend an Sommertagen wunderbar zu beobachten sind.
http://galathea-nuernberg.de
Di. 07.02.12
Mo. 06.02.12
Mo. 06.02.12
Mo. 06.02.12
Sa. 04.02.12