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Sponsoren sollen das Spielearchiv retten

Spiele wandern zurück ins Depot - 22.11. 20:09 Uhr

Nürnberg  - „Mitspieler gesucht“ lautete der Titel der Ausstellung im Fembohaus, mit der einige Schlaglichter auf die Schätze des vor der Stadt erworbenen Deutschen Spielearchivs geworfen werden konnten. Nun wandern die Brett- und Gesellschaftsspiele wieder zurück ins Lager zu den rund insgesamt 2000 Umzugskisten und warten auf den Tag, an dem das Deutsche Spielearchiv in Nürnberg auch eine Art „Auferstehung“ als großes Spiele-Zentrum feiert.


Kurz bevor die Brettspiele zurück ins Depot wanderten, hielten die Förderer und Mitarbeiter des Spielearchivs noch einmal Rückschau (v.l): Ernst Kick (Spielwarenmesse), Helmut Schwarz, Stefanie Kuschill und Torsten Lehmann.
Kurz bevor die Brettspiele zurück ins Depot wanderten, hielten die Förderer und Mitarbeiter des Spielearchivs noch einmal Rückschau (v.l): Ernst Kick (Spielwarenmesse), Helmut Schwarz, Stefanie Kuschill und Torsten Lehmann.
Foto: Roland Fengler
Kurz bevor die Brettspiele zurück ins Depot wanderten, hielten die Förderer und Mitarbeiter des Spielearchivs noch einmal Rückschau (v.l): Ernst Kick (Spielwarenmesse), Helmut Schwarz, Stefanie Kuschill und Torsten Lehmann.
Kurz bevor die Brettspiele zurück ins Depot wanderten, hielten die Förderer und Mitarbeiter des Spielearchivs noch einmal Rückschau (v.l): Ernst Kick (Spielwarenmesse), Helmut Schwarz, Stefanie Kuschill und Torsten Lehmann.
Foto: Roland Fengler

Das diese Vision kein Selbstläufer ist, obwohl es durchaus positive Signale gibt, machten die Beteiligten an der „Finissage“ am Montag deutlich. Laut Spielzeugmuseumsleiter Helmut Schwarz, der auch kommissarischer Leiter des Deutschen Spielearchives ist, sind für den laufenden Betrieb der Einrichtung rund 70000 Euro jährlich erforderlich. Die auf fünf Jahre angelegten 200000 Euro, die von der Spielwarenmesse zur Verfügung gestellt wurden, decken diesen Bedarf nicht vollständig ab, allerdings wird laut Schwarz derzeit mit weiteren Sponsoren verhandelt. Vor allem wegen der städtischen Haushaltslage stehe das Archiv derzeit noch auf „wackeligen Beinen“, was eine weitere Suche nach Partnern und Unterstützern erfordere.


Die Erweckung des Archivs „aus dem Dornröschenschlaf“ sei auf jeden Fall ein grundsätzliches Bedürfnis der Spielwarenmesse, sagte deren Vorstandsvorsitzender Ernst Kick am Montag. Das Archiv solle einen weltweiten Bekanntheitsgrad in der Spielwarenindustrie gewinnen und werde deswegen auch im kommenden Jahr entsprechend auf der Messe präsentiert werden.

Um den Bekanntheitsgrad des ursprünglich in Marburg beheimateten Archivs mit rund 30000 Karten- und Brettspielen sowie 7000 Bänden Fachliteratur vor allem in Nürnberg und Umgebung zu steigern, war die Ausstellung im Fembohaus konzipiert worden. Ein Plan, der nach Aussage aller Beteiligten sehr gut aufgegangen ist: Sowohl das Angebot, unter fachkundiger Anleitung verschiedene Spiele auszuprobieren, wie auch das umfangreiche Begleitprogramm stießen auf große Resonanz.

Dies sei auch das „große Ziel“ des Spielearchivs, berichteten Schwarz und die wissenschaftlichen Mitarbeiter Stefanie Kuschill und Torsten Lehmann: Neben dem „Sammeln und Bewahren“ von Karten- und Brettspielen soll in diesem Umfeld ein Spielezentrum mit allen Schikanen entstehen. Dafür wären dann allerdings Räume in einer Dimension von rund 500 Quadratmetern und ein Jahresetat von wesentlich mehr als 70000 Euro nötig.

Mit der jetzt erforderlichen „Basisarbeit“ geht es allerdings insofern voran, dass die bisher bestehende Raumnot gelindert wird: Drei Räume im Pellerhaus sollen vorübergehend für die Büro- und Verwaltungsarbeit sowie für die Fachbibliothek genutzt werden.

Das Archiv hat auch ohne Entfaltungsmöglichkeiten für spielerische Aktivitäten einiges zu tun: Durch den Übergang von Marburg nach Nürnberg, der laut Schwarz eine echte „Rettungsaktion“ war, ist bereits eine Lücke von etwa einem Jahr entstanden, die gefüllt werden will. Außerdem gilt es, unter der neuen Adresse wieder vielfältige Kontakte zu den Spiele-Produzenten zu knüpfen. In diesem Sinne waren die Mitarbeiter in diesem Jahr bereits auf der Spiele-Messe in Essen aktiv.

In der Zwischenzeit bis zur Realisierung des sehnlichst erwünschten Spiele-Zentrums ist auch daran gedacht, in Kooperation mit verschiedenen Einrichtungen eine Reihe von „Gastspielen“ zu organisieren. Vielversprechende Signale in diese Richtung hat schon die Stadtbibliothek ausgesandt, die ihren Kinder- und Jugendbereich grundlegend umstrukturieren will.

Zu den Höhepunkten der abgelaufenen Ausstellung, die insgesamt rund 9000 Besucher anlockte, zählte nach einhelliger Ansicht aller Beteiligten die Veranstaltung „Schlag den Rat“, bei der Nürnberger Bürger ihre spielerischen Fähigkeiten mit Stadträten maßen. „Da war das ganze Haus voller Gelächter“, erinnerte sich Stefanie Kuschill.

Auch die vielen Vorträge, Seminare und Diskussionen im Rahmenprogramm seien gut angenommen worden. Helmut Schwarz erinnert sich vor allem an das Referat mit dem Spieleautor und -Verleger Johannes Rüttinger (Drei Magier), zu dem auch einige jugendliche Nachwuchs-Spieleautoren kamen, um sich entscheidende Tipps für die eigenen Kreationen geben zu lassen.

Das Deutsche Spiele-Archiv ist im Internet unter der Adresse www.spielearchiv.nuernberg.de zu erreichen.

  



Clemens Helldörfer

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