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Stadt profitiert durch Zuwanderer

Bericht "Menschen mit Migrationshintergrund in Nürnberg" - 10.01. 07:00 Uhr

Nürnberg  - Knapp 40 Prozent der in Nürnberg lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund. Der Bericht „Menschen mit Migrationshintergrund in Nürnberg“ belegt: Die Bevölkerungszunahme in dieser Stadt war nur möglich, weil die durch das Geburtendefizit entstehenden Verluste durch Wanderungsgewinne „mehr als ausgeglichen werden konnten“.

Viele junge Menschen mit Migrationshintergrund haben das Geburtsland ihrer Eltern nie gesehen und fühlen sich hier heimisch. Im U-Bahnhof Gostenhof hängt das Plakat „Gostenhof ist bunt – Nürnberg auch! Und das ist gut so!“
Viele junge Menschen mit Migrationshintergrund haben das Geburtsland ihrer Eltern nie gesehen und fühlen sich hier heimisch. Im U-Bahnhof Gostenhof hängt das Plakat „Gostenhof ist bunt – Nürnberg auch! Und das ist gut so!“
Foto: Harald Sippel
Viele junge Menschen mit Migrationshintergrund haben das Geburtsland ihrer Eltern nie gesehen und fühlen sich hier heimisch. Im U-Bahnhof Gostenhof hängt das Plakat „Gostenhof ist bunt – Nürnberg auch! Und das ist gut so!“
Viele junge Menschen mit Migrationshintergrund haben das Geburtsland ihrer Eltern nie gesehen und fühlen sich hier heimisch. Im U-Bahnhof Gostenhof hängt das Plakat „Gostenhof ist bunt – Nürnberg auch! Und das ist gut so!“
Foto: Harald Sippel

Oberbürgermeister Ulrich Maly, Statistikamtsleiter Wolf Schäfer und dessen Stellvertreterin Barbara Lux-Henseler stellten gestern den druckfrischen Bericht im Rathaus vor. „Die Migration hat uns auch jung gehalten in dieser Stadt“, sagte Maly. Die Bevölkerungspyramide ist nach seinen Worten schon längst keine Pyramide mehr, sondern schaue aus wie ein in die Jahre gekommener Tannenbaum.

OB Maly: „Wenn man sich anschaut, wie das nach unterschiedlichen Einwanderungsgruppen jetzt verteilt ist, dann ist Migration auch – und ich sage: Gott sei Dank – ein Grund dafür, warum wir nicht ganz so vergreisen in der Stadtgesellschaft, wie es die deutsche Geburtenrate alleine mit sich gebracht hätte.“



Am 31. Dezember 2010 waren in Nürnberg 497949 Menschen mit Hauptwohnung gemeldet. 196495 hatten einen Migrationshintergrund. Das entspricht einem Anteil an der Nürnberger Gesamtbevölkerung von 39,5 Prozent. Davon besitzen 85928 Menschen (17,3 Prozent) nicht die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die übrigen 110567 (22,2 Prozent) sind Deutsche mit Migrationshintergrund. Das sind Eingebürgerte, zugewanderte Aussiedler bzw. Spätaussiedler sowie in Deutschland geborene Kinder von Menschen mit Migrationshintergrund. Als die Stadt die Wahlkarten zur Wahl des Integrationsrates verschickte, gab es Maly zufolge zahlreiche junge Leute, die diese Wahlkarten empört zurückschickten, weil ihnen überhaupt nicht bewusst gewesen sei, der Gruppe von Aussiedlern anzugehören.

Rechnet man die Zahl der Deutschen mit Migrationshintergrund zu den Ausländerzahlen hinzu, ergibt sich, dass insgesamt 31650 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in Nürnberg leben. Das sind 16 Prozent aller Menschen mit Migrationshintergrund bzw. sechs Prozent der Nürnberger Gesamtbevölkerung. In etwa gleich groß ist der Anteil der Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion: Aus Russland kommen 13278, aus Kasachstan 8920 und aus der Ukraine 7282. Eine in Nürnberg ebenfalls bedeutende Gruppe sind die 21480 Menschen mit rumänischem Migrationshintergrund.

Bei der Verteilung der Gesamtzahl der Menschen mit Migrationshintergrund im Stadtgebiet zeigt sich ein ähnliches Muster wie bei den Ausländern: Am höchsten sind die prozentualen Anteile in den Bezirken Schweinau (69 Prozent), Dianastraße (67 Prozent) und Muggenhof (65 Prozent). Aber auch in den übrigen Bezirken entlang der Fürther Straße, in der Südstadt sowie in Teilen von Röthenbach und Langwasser liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund deutlich über 50 Prozent.

Laut Maly wissen heutzutage viele Menschen gar nicht mehr, dass die Deutschen nach dem Krieg die jungen Männer aus ganz Europa angeworben hatten. „Wir haben damals die Arbeitskräfte geholt, ohne uns damit auseinanderzusetzen, was das für unsere Gesellschaft ethnisch, religiös und kulturell bedeutet.“ Und einige hängen dann Maly zufolge der „Cocktailshaker-Theorie“ nach: „Der Fremdkörper wird so lange geschüttelt, bis er nicht mehr sichtbar ist, weil er sich dann in der aufnehmenden Gesellschaft auflöst und verschwindet.“ Maly zeigte sich froh darüber, dass dies nicht so ist und verwies auch auf die unterentwickelte „Willkommenskultur“ in Deutschland (siehe Lokalteil der gestrigen Ausgabe „Integration keine Einbahnstraße“).

Der 364-seitige Bericht kann beim Amt für Stadtforschung und Statistik (Tel. 2312843) zum Preis von zehn Euro bezogen werden.

  



Dieter Wegener

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