Der neue Bildschirm wirkt übersichtlich. In der unteren Hälfte sind sechs graue Knöpfe für die gängigsten Fahrkarten zu sehen. Wer hier mit dem Finger auf das Glas tippt, kommt direkt zum Einzelticket, zur Streifenkarte oder an das Tagesticket-Plus. Der obere Bildschirmbereich ist für Fahrgäste gedacht, die sich mit dem System von VAG und Verkehrsverbund (VGN) wenig oder gar nicht auskennen. Hier kann man z.B. beliebige Orte im gesamten VGN-Gebiet eintippen - der Automat zeigt dann die passende Fahrkarte an.
Darüber hinaus bietet die neue Software den sogenannten Vierecken- Modus an: ein bundesweit eingeführtes System für sehbehinderte Fahrgäste, das visuell und akustisch durch die Angebote führt: Eine Computerstimme gibt u.a. den Ticketpreis an oder sagt beim Münzeinwurf an, wie viel Geld noch fehlt. In den vier Ecken des Bildschirms erscheinen farbige Symbole etwa in der Größe eines Bierdeckels, über die sich bei jedem Schritt unterschiedliche Funktionen anwählen lassen.
Entwickelt wurde die Software von der Leipziger Firma "Handspiel", die Erfahrungen mit ähnlichen Projekten in Leipzig und München gesammelt hat. Die VAG lieferte ein Anforderungsprofil, auf dessen Basis die Entwickler zur Tat schritten. Mit einer sogenannten Focus-Gruppe - rund zehn Senioren/innen bzw. ÖPNV-Nutzer mit Behinderungen - diskutierte "Handspiel"-Testleiterin Irka Schneider deren Bedürfnisse. Und seit Mitte Juli wurden das neue Bildschirm-Menü sowie dessen Funktionen mit VAG-Kunden getestet: am Hauptbahnhof, an der Lorenzkirche und am Dienstag schließlich am U-Bahnhof Röthenbach.
Dabei habe die VAG nochmal wichtige Hinweise erhalten, sagen Tim Dahlmann-Resing, der VAG-Verantwortliche für das Fahrausweis-Management, und Verkaufs-Chef Thomas Seyfried. Vor allem Detail-Änderungen regten die Kunden offenbar an; aber es gab auch sehr wichtige Hinweise wie etwa das Bedürfnis blinder VAG-Nutzer, dass beim Start des Vierecken-Modus ein Begrüßungstext zu hören sein sollte, oder dass die Automaten-Stimme neben der VGN-Preisstufe einer Verbindung auch den Preis nennen sollte.
Zum Start Mitte 2011 will die VAG insgesamt 90 neue Automaten zum Stückpreis von 25000 Euro anschaffen. Sie ersetzen alte Geräte im Städtedreieck, die nach zwölf bis 14 Jahren Nutzungszeit abgewirtschaftet sind, so Thomas Seyfried. An weiteren 90 Verkaufsautomaten, die bereits über einen berührungsempfindlichen Bildschirm (Touchscreen) verfügen, wird lediglich die neue Software aufgespielt.
Ein Hauptproblem dieser Geräte, die schlechte Lesbarkeit des Bildschirms bei stärkerer (Sonnen-)Lichteinstrahlung, bleibt damit vorerst. Eine Lösung ergibt sich erst mit dem turnusmäßigen Austausch dieser Automaten in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Und noch ein altes Problem will die VAG ungelöst lassen: Die neue Bedien-Software bietet Touristen nicht die Möglichkeit, Fahrkarten nach wichtigen Bezugspunkten wie "Innenstadt" auszuwählen. Die Einrichtung von "Points of Interest" sei zwar möglich, so Seyfried. Doch Nürnberg-Besucher würden sich doch wohl im Vorfeld via Internet kundig machen.