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Ticket-Kontrolleure: "Wir sind hier nicht auf der Jagd"

Unterwegs mit Fahrscheinprüfern der VAG - 10.02. 07:20 Uhr

Nürnberg  - Es sei egal, wie der Fahrgast ausschaut, sagt der Mann, der unerkannt bleiben muss. Schwarzfahren ziehe sich durch alle Gesellschaftsschichten. "Der eine ist völlig verhaut und hat eine Mobicard. Ein anderer trägt ein Köfferchen, hat einen Anzug. Aber kein Ticket."

Wer keinen gültigen Fahrschein hat, der muss Name und Adresse nennen. Diese Angaben tippen die Mitarbeiter der VAG in diese mobilen Datenerfassungsgeräte ein. Es gehört zum Geschäft, unerkannt zu bleiben – deswegen wurde das Gesicht des Prüfers verpixelt.
Wer keinen gültigen Fahrschein hat, der muss Name und Adresse nennen. Diese Angaben tippen die Mitarbeiter der VAG in diese mobilen Datenerfassungsgeräte ein. Es gehört zum Geschäft, unerkannt zu bleiben – deswegen wurde das Gesicht des Prüfers verpixelt.
Foto: Eduard Weigert
Wer keinen gültigen Fahrschein hat, der muss Name und Adresse nennen. Diese Angaben tippen die Mitarbeiter der VAG in diese mobilen Datenerfassungsgeräte ein. Es gehört zum Geschäft, unerkannt zu bleiben – deswegen wurde das Gesicht des Prüfers verpixelt.
Wer keinen gültigen Fahrschein hat, der muss Name und Adresse nennen. Diese Angaben tippen die Mitarbeiter der VAG in diese mobilen Datenerfassungsgeräte ein. Es gehört zum Geschäft, unerkannt zu bleiben – deswegen wurde das Gesicht des Prüfers verpixelt.
Foto: Eduard Weigert

Zusammen mit fünf anderen Prüfern steht der unauffällige Mann am U-Bahnhof Plärrer, Bahnsteig zwei, Richtung Fürth. Der Vormittag ist eisig hier unten, im Neonlicht erscheinen die Gesichter der Menschen grau. Als ein Zug einfährt, zerzaust Wind die Haare der Wartenden. Die erste Wagentür am Anfang einer Acht-Stunden-Schicht öffnet sich.

Insgesamt 130 Kontrolleure hat die VAG. 99 von ihnen prüfen in Dienstkleidung, 31 sind in zivil unterwegs. Sauber angezogen solle man sein, sagt Franz Pokorny, der Leiter der Abteilung Fahrausweisprüfung. Ansonsten gilt: Der Kontrolleur sieht ganz normal aus, so normal wie der Fahrgast auch. Wetterfest muss er sein und keine Schichtarbeit scheuen, denn die VAG schickt ihn von Betriebsbeginn bis zwei Uhr nachts los. Unterwegs sind die Männer und Frauen im ganzen Verbund, in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach. In Bussen, U-Bahnen und Trams. Doch nirgends trifft man die Prüfer so oft wie in Nürnberg.

Rippenbrüche, Kratzwunden, Prellungen

„Die Fahrausweise bitte!“, das muss der Prüfer laut sagen, denn die Menschen sind träge und der Lärmpegel ist oft hoch. Ein älterer Mann zieht seine Brieftasche, schaut hinein und schüttelt den Kopf. Die Prüfer steigen mit ihm an der Haltestelle Gostenhof aus, der unauffällige Mann tippt dessen Namen und Adresse in ein Mobiles Datenerfassungsgerät. 40 Euro kostet das „erhöhte Beförderungsentgelt“ bei der VAG, der Fahrscheinlose zahlt in bar. „Einen schönen Tag noch“, wünscht ihm der Prüfer.


In den letzten Jahren ist die Arbeit schwieriger geworden. Wer in Nürnberg Tickets kontrollieren will, dem drohen Rippenbrüche, Kratzwunden, Prellungen, Beschimpfungen. Immer wieder sind Fahrgäste betrunken, egal ob an einem Montag um neun Uhr früh oder in einer Freitagnacht. Es gibt Menschen, die sich über das soziale Netzwerk Facebook darüber informieren, wo die Prüfer gerade unterwegs sind. Deswegen fordert die VAG zusammen mit vielen anderen Verkehrsunternehmen in Deutschland: Schwarzfahren soll für Wiederholungstäter richtig teuer werden. 120 Euro zahlt, wer zum zweiten Mal ohne Fahrschein unterwegs ist – ohne einen gültigen jedenfalls. Denn es gibt auch talentierte Fälscher, die eine selbst gebastelte Mobicard vorzeigen.



Wenn die Hemmschwelle sinkt und die Höflichkeit in der Gesellschaft schwindet, muss der Kontrolleur dagegen halten. „Wir prüfen Fahrausweise, nicht die Menschen“, betont Pokorny, „wir sind keine Jäger!“ Die Mitarbeiter erhalten keine Provisionen wie bei manch anderen Verkersbetrieben. Die VAG schult sie 30 Tage lang in „professioneller Kommunikation“ und sicherem Auftreten, bevor sie auf die Straße geschickt werden. Höfliche Präsenz und immer häufigere Kontrollen – die Rechnung scheint aufzugehen. 2011 erwiesen sich bei den Prüfungen weniger als ein Prozent der Fahrgäste als Schwarzfahrer.

Der unauffällige Mann und seine Kollegen fahren zur Haltestelle Eberhardshof, um sich dort mit dem Rest der Gruppe zu treffen. Zwei Teenager schauen sich an, steigen sofort aus. „Das sind alte Bekannte, die haben uns erkannt.“ Es gebe Verhaltensmuster, daran lasse sich schnell ablesen, ob jemand kein gültiges Ticket hat. Die aber sind ein Geheimnis, ebenso wie das Aussehen der Prüfer.

Am Bahnsteig fährt erneut Eiseskälte ins Gesicht, die Hände erstarren. Auf der Linie U1 ist Eberhardshof die zugigste Ecke. Trotz aller Härten ist neulich eine Kollegin erst nach 20 Jahren Fahrscheinkontrolle in den Ruhestand gegangen. Denn oft ist es auch nett. „Eine Frau hatte sich über die Prüfung gefreut, weil sie ein Abo hat und bisher leider nur einmal kontrolliert worden war“, erzählt der unauffällige Mann. Seit 14 Monaten ist er dabei. „Es macht immer noch Spaß.“

  



Ngoc Nguyen

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