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Weiße Wölkchen aus Mini-Schloten

Dampfschiff-Treffen am Dutzendteich - 05.09. 18:30 Uhr

Nürnberg  - Ständig ist in diesem Jahr von der Dampfeisenbahn die Rede. Natürlich, denn sie feiert Jubiläum. Vor 175 Jahren ist der "Adler" erstmals von Nürnberg nach Fürth gefahren. Doch dampfen können nicht nur Züge, sondern auch Schiffe. Und die trafen sich am Wochenende mit ihren Erbauern am Dutzendteich.


Zurück von "hoher See": Reinhard Dygas Prachtstück hat ein kleines technisches Problem und muss an Land geschleppt werden.
Zurück von "hoher See": Reinhard Dygas Prachtstück hat ein kleines technisches Problem und muss an Land geschleppt werden.
Foto: Roland Fengler

Dieser Blick aus hellblauen Augen könnte kaum zärtlicher sein. Friedrich Leidel steht vor seinem Mississippi-Dampfer und überwacht das sanfte Tuckern der Maschine. Sie läuft und läuft und läuft. Aus zwei langen Schloten pustet sie kleine weiße Wolken in den Himmel. Und die Schaufelräder drehen sich schnell und immer schneller. Auf dem Vereinsgelände des Modellbau-Club Nürnberg am Dutzendteich haben sich am Wochenende Spezialisten aus der ganzen Region versammelt. Die "Dampferer", die, wie Dieter Kempf aus Wendelstein sagt, am Aussterben sind. "Wenn Sie zu einem Treffen kommen, sehen Sie nur noch weiße Köpfe. Das Modellbauen mit Dampf ist vorbei. Die Jungen haben nicht mehr die richtigen Berufe dafür. Es gibt kaum noch Metaller."

Kempf selbst, Jahrgang 1945, gehört dem Nürnberger Verein seit 1962 an. Auch er war kein Metaller. Er war bei Grundig beschäftigt. Das T-Shirt, das er trägt, zeigt den hellblauen Schriftzug des ehemaligen Fürther Erfolgsunternehmens. Friedrich Leidel, 82 Jahre alt, war Werkzeugmacher von Beruf. Er ist ein echter Bastler. Seit 40 Jahren baut er Modellschiffe. Er kauft keine Fertigsätze, niemals. Was er braucht, holt er sich vom Schrotthändler. Alles an seinem Mississippi-Dampfer ist Handarbeit, ist daheim in seiner Werkstatt entstanden, wo er eine Drehbank stehen hat, eine Fräse, eine Bohrmaschine. "Das ist die Grundausstattung.

Große Liebe zum kleinen Mississippi-Dampfer: Friedrich Leidel hat viele Stunden Zeit in sein Werk investiert.
Große Liebe zum kleinen Mississippi-Dampfer: Friedrich Leidel hat viele Stunden Zeit in sein Werk investiert.
Foto: Roland Fengler

Natürlich gehört noch jede Menge Werkzeug mehr dazu." Wie lange er an seinem stolzen Dampfschiff gebaut hat, kann er nicht genau sagen. "Ich schreibe mir das ja nicht auf. Aber 600 Stunden etwa werden es schon gewesen sein." Daniel Lehner ist 27 Jahre alt und Schriftführer des Vereins. Er ist selbst kein "Dampferer", aber er weiß die Arbeit, die in so ein Schiff investiert wird, sehr wohl zu würdigen. "Da steckt so unglaublich viel Mühe drin. Die kann man mit Geld gar nicht aufwiegen."

Probleme mit der Fernsteuerung

Sein Bruder Marcel, 23, hat sein derzeitiges Projekt mitgebracht. Es steht im Zelt auf einer Bierbank. Die Nachbildung eines Landungsschiffes, mit dem die Allierten im Juni 1944 die Normandie eroberten. Auch Marcels Werk - alles Eigenbau. "Als Bausatz gibt es das nicht. Und es gibt auch keine Anleitung." Deshalb, sagt Daniel Lehner, müsse sich sein Bruder immer wieder den Spielberg-Film "Der Soldat James Ryan" ansehen, der von der Landung in der Normandie handelt. Auf dem See drehen die kleinen Dampfer friedlich ihre Runden. Im Hintergrund lärmt das Volksfest, kreischen Menschen auf wilder Fahrt. Friedrich Leidels Dampfer muss an Land bleiben. Der 82-Jährige lächelt. "Ich habe ein Problem mit der Fernsteuerung. Das ist halt Elektronik. Da ist man als Mechaniker machtlos."

www.mbc-nuernberg.de oder Tel. 0171/7575710 (Rudolf Greissl).

 

  





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