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Bereits eine Stunde vor Öffnung der Notschlafstelle Domus Misericordiae in der Pirckheimerstraße haben sich rund 15 Männer im Vorraum der alten Villa versammelt. Zum einen ist es die Kälte, die sie in den warmen Treppenaufgang treibt, zum anderen ist es der Wunsch, wieder das gleiche Bett wie in der Nacht zuvor zu bekommen. „Wir reservieren keine Betten. Aber wer pünktlich um 18.30 Uhr da ist, der bekommt in der Regel wieder den gleichen Schlafplatz“, sagt Einrichtungsleiter Ulrich Süttner.
27 Männer haben in der Nacht zuvor Unterschlupf in der Notschlafstelle gesucht. An diesem Abend werden es 29 sein. 20 Betten, aufgeteilt auf zwei Räume, umfasst die Notschlafstelle des Caritasverbands.
Neun Matratzen finden deshalb in der beheizten Kapelle nebenan Platz. „Wenn noch mehr kommen, können wir auch ein zusätzliches Matratzenlager im Speisesaal aufbauen“, sagt Süttner. „Wir schicken keinesfalls jemanden weg. Wer jetzt draußen schläft, ist in Lebensgefahr.“ Auch die städtische Einrichtung, das Haus für Männer in der Großweidenmühlstraße, muss mit Notbetten aushelfen. 21 Männer waren es in der vergangenen Nacht, 27 in der Nacht davor.
Für Peter (Name von der Redaktion geändert) ist die Notschlafstelle in der Pirckheimer Straße seit vier Nächten die wichtigste Anlaufstelle. Am 24. Januar wurde der 36-Jährige nach zweimonatiger Haftzeit aus dem Gefängnis entlassen – seitdem lebt er auf der Straße. Schulden hätten ihn ins Gefängnis gebracht, sagt er.
Ohne einen Cent in der Tasche verbringt der ordentlich gekleidete Mann die Tage in Läden, um der Kälte zu entfliehen. Die Wärmestuben meidet er. „Die Leute dort sind nicht so mein Fall.“ Bis vor einem halben Jahr habe er als Promoter in Köln gearbeitet. „Jetzt auf der Straße leben zu müssen, ist der absolute Horror für mich.“ Nun hofft er, dass er Geld vom Sozialamt bekommt – um Bewerbungsbilder machen lassen zu können.
Edgar kann dagegen auch dieser Winter nicht schrecken. „So lange man in Bewegung bleibt, friert man nicht.“ 30 Jahre lebte der Mann ohne Dach über dem Kopf – er ist mit 78 vermutlich der älteste Obdachlose in Nürnberg. Im vergangenen Jahr gestand er sich ein, nun doch wenigstens nachts immer wieder zurückzukommen ins Domus Misericordiae in der Pirckheimerstraße. „Er war in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand, als er zu uns kam“, sagt Einrichtungsleiter Ulrich Süttner. „Und es hat auch einige Überzeugungskraft gekostet, dass er bei uns bleibt.“
Edgar, den alle nur „Edi“ nennen, ist lieber für sich. Die vielen Menschen um ihn herum sind ihm nicht geheuer. Er isst erst, wenn sich der Speisesaal geleert hat und zieht sich dann schnell in den ersten Stock zurück. Dort ist der Bereich des betreuten Wohnens, in dem 38 Wohnungslose Platz finden – Edi hat ein Einzelzimmer, damit er es sich nicht anders überlegt.
Früher, wenn es kalt war, hat sich Edi bis zu elf Hosen übereinander gezogen. Die warmen Fernwärmerohre, die vom Heizkraftwerk Sandreuth abgingen, waren dann meistens sein Schlafplatz. „Das war praktisch, denn dann konnte man gleichzeitig seine gefrorenen Getränke wieder auftauen“, sagt er lachend. Alkohol war für Edi nie ein Thema. Lange überlegen muss der 78-Jährige auf die Frage nicht, wie kalt es denn derzeit nun wirklich sei. „Es ist schon saukalt im Moment. So schlimm war es letzten Winter nicht.“
Die Notschlafstelle Domus Misericordiae vom Caritasverband Nürnberg Tel. 351643 sowie die städtische Unterkunft in der Großweidenmühlstraße Tel. 2312462 benötigen derzeit dringend warme Winterjacken sowie Unterwäsche, Bettdecken, Schlafsäcke, Mützen, Handschuhe und Matratzen Die Sachen können rund um die Uhr in der Pirckheimerstraße 12 bzw. Großweidenmühlstraße abgegeben werden. Die Bevölkerung wird gebeten, Obdachlose auf das Angebot der Notschlafstellen hinzuweisen bzw. die Polizei zu alarmieren, wenn diese sich in einer Notsituation befinden.