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NZ: Stellen Sie eine erhöhte Sensibilität für seelische Probleme fest?
Väth: Das Bewusstsein dafür ist explodiert, aber man muss auch aufpassen, denn Burnout wird gerade zum Pop-Begriff. Man muss unterscheiden: Wer hat einen Burnout und wer hat gerade viel Stress? Burnout kann auch eine maskierte Depression sein. Bei der Depression gibt es keine innere Rechtfertigung, aber bei Burnout kann ich mir sagen, ich habe geackert, mich aufgeopfert und trage den seltsamen Lohn davon, dass ich jetzt ausgebrannt bin. Auf Partys klopfen einem da die anderen auf die Schulter, jeder glaubt, eine Antwort zu haben, während bei Depression betretenes Schweigen folgt.
NZ: Haben sich die Anforderungen objektiv erhöht?
Väth: Die Leute rennen derzeit auch mit einer Burnout-Brille rum und schauen, wer hat es und wo bin ich überfordert. Andererseits haben wir, gerade was Medien angeht, einen Schub erlebt, den wir nicht mehr bewältigen. Alle zwei Jahre verdoppelt sich die Information auf der Erde und wenn Sie die auf CD brennen und übereinanderstapeln, dann haben Sie alle zwei Jahre die halbe Entfernung von der Erde zum Mond. Das bekommt jeder mit über Telefon, E-Mail, Werbung oder Fernsehen und wir haben noch nicht gelernt, das zu filtern.
NZ: Welche Gefahren lauern im Arbeitsumfeld?
Väth: Wichtig ist z.B. Informationshygiene, es gibt inzwischen Unternehmen, die ihren Angestellten verbieten, den Laptop in den Urlaub zu nehmen und den Blackberry am Wochenende einzuschalten. Dann brauchen wir auch anders geschulte Führungskräfte, die menschlich, fachlich und technologisch führen und das in die Kommunikation einbringen. Die Meeting-Kultur ist auch ein Feld, das man verändern kann. Es ist eine moderne Lagerfeuer-Kultur. eine Tasse Kaffee, ein bisschen geschwätzt, aber es kommt nichts dabei heraus. Da kann man vorher fragen, was ist das Ziel und was ist mein Job dabei, und wenn das nicht klar ist, dann gehe ich gar nicht hin.
NZ: Wie kann ich persönlich mein Gleichgewicht halten?
Väth: Man muss sich am Rechner eine gewisse Disziplin antrainieren und keine vier Fenster parallel offen haben. Das muss man aber wirklich trainieren, das geht nicht von selber! Dann heißt es: ausreichend schlafen, mindestens sieben Stunden. Und wenn ich am Freitag aus dem Büro gehe, dann bin ich Privatperson – diesen Rollenwechsel brauchen wir. Rituale helfen dabei. Wenn die Wohnungstür ins Schloss fällt, dann ist Feierabend. Und auch den Fernseher abzuschaffen bringt unglaublich viel!
Veranstaltung zu Burnout mit Dipl.-Psychologe Markus Väth am 28. September um 18.30 Uhr bei Perim, Äußere Laufer Gasse 9-11, Tel. 60009930, bitte um Anmeldung!