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Wünsche mit Herz - aber Garderobennöte

Neujahrsempfang als Sozialereignis - 12.01. 07:04 Uhr

Nürnberg  - Er ist begehrt, der Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters - auch als Sozialereignis. Herzlich werden Hände geschüttelt und Neujahrswünsche ausgetauscht – auch mal quer über Stehtischchen hinweg. Die Freude, einander zu begegnen, ist so echt und frisch wie das neue Jahr. Doch, was bewegt die geladenen Gäste, beruflich oder ganz privat, wenn sie an 2012 denken? Welche Herausforderungen sind absehbar und welche Wünsche warten auf Erfüllung? Die NZ sammelte Eindrücke.

Rasenden Absatz fand das Büffet in diesem Jahr eher nicht: Sehr rustikal, viel Paniertes und üppig Cremiges zum Dessert präsentierte „Lilly Gastronomie“ den Gästen.
Rasenden Absatz fand das Büffet in diesem Jahr eher nicht: Sehr rustikal, viel Paniertes und üppig Cremiges zum Dessert präsentierte „Lilly Gastronomie“ den Gästen.

Tiergartendirektor Dag Encke überholt sie alle: Lässig, mit Fluppe im Mund und hochgerollten Hosen lässt er jedes Auto in der Schlange stehen und flitzt auf seinem Rennrad zum Empfang. Sportliches bewegt auch Robert Vogel, Geschäftsführer der Internationalen Orgelwoche Nürnberg: „Den guten Vorsatz, regelmäßig laufen zu gehen, halte ich bisher ein. Ein zweiter lautet: mehr nette Menschen zu treffen – deswegen bin ich auch heute hier.“

„Wir werden ein Jahr der Kunst begehen“, blickt Kulturreferentin Julia Lehner voraus. „Ich erwarte es mit großer Spannung und Freude. Und ich hoffe, dass wir an bestehenden Kulturbaustellen gut weiterbauen können.“ Im schwarzen Kostüm mit heller Bluse kam sie zum Empfang; Dagmar Wöhrl erschien im dunklen Hosenanzug mit hellem Schal als Accessoire und gesteht: „Ich habe mehr persönliche Vorsätze als sonst.“ Mehr Zeit für sich zu haben, steht dabei ganz oben: „Mal privat ein Buch lesen zu können“, sagt die Bundestagsabgeordnete sehnsuchtsvoll – und ist schon wieder beim Beruf. „Bei vielen Projekten in Schwellenländern hoffe ich auf Fortschritte. Und ich wünsche mir viele positive Menschen!“



Eine positive Grundeinstellung hat sich auch Flughafen-Pressesprecher Reto Manitz vorgenommen: „Wir jammern viel zu oft auf hohem Niveau. Auch beim Thema Flughafen positiv heranzugehen, wird uns Erfolg bringen“, ist er sich sicher. Zur Garderobe der Anwesenden befragt, meint er diplomatisch: „Ein gut gemischtes Publikum – und das sieht man auch.“ In der Tat: So beglückend die Stimmung, so wenig berückend geriet vielfach der Griff in den Schrank: Turnschuhe zum Anzug, Jeans, sogar Sandalen bei den Herren, während die Damen Strickpullis, knallige Blusen ohne Jacken oder Spitzenshirts über Bluejeans ausführen.

Breuninger-Geschäftsführer Martin Kusch formuliert es so: „Man sieht, das gesamte Casual-Segment hat zu vielen Anlässen Einzug gehalten – was nicht immer gut ist.“ Geschäftlich wünscht er sich ein Jahr wie 2011: „Es war das beste, seit wir in Nürnberg sind“, und fiebert als Verdi-Fan der Opernpremiere von „La Traviata“ entgegen.


Bilderstrecke zum Thema
Sehen und gesehen werden: Beim traditionellen Neujahrsempfang der Stadt Nürnberg schütteln sich 1500 geladene Gäste in feinem Zwirn die Hände und stoßen mit einem Sekt an. Falls Sie nicht eingeladen waren: Hier sind die Bilder des Abends.

Wolfgang Graf zu Castell-Castell (Castell-Bank) freut sich schlicht auf Nürnberg. „Wegen dienstlicher Aufgaben war ich 2011 wenig hier – und die Stadt wird ja mit ihrem Angebot an Kunst, Kultur und Kulinarik täglich schöner. Dann ist ,Der frühe Dürer‘ im Germanischen – das wird toll, da passiert richtig was!“ Und der persönliche Vorsatz? „So intensiv zu arbeiten wie 2011, parallel aber das Leben mehr zu genießen. Die Welt ist zu schön, um sie vorbei ziehen zu lassen!“

„Ein erstes Highlight 2012 gab es bereits in dieser Woche“, erklärt IHK-Präsident Dirk von Vopelius strahlend: „Der Start der IHK-Sponsoringbörse! Sie bringt Sponsoren und Projektträger zusammen – das liegt mir sehr am Herzen!“ Manfred Schmidt, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, möchte 2012 die Aufgabe anpacken, „mehr Anerkennung in der Bevölkerung für Menschen zu schaffen, die mit ihren Leistungen und Fähigkeiten hierher gekommen sind, und die wir manchmal mehr als Belastung denn als Potenzial für unser Land begreifen.“

Unternehmerin Ingrid Hofmann (Hofmann Personal), von der Financial Times 2011 unter die ersten drei der Top-Businessfrauen Deutschlands gewählt, freut sich nicht nur auf eine Reise nach Sri Lanka. „Ich stehe auch auf der Warteliste für eine Amazonas-Expeditions-Kreuzfahrt, nachdem ich 2011 in Grönland war“, verrät sie begeistert. „Beruflich wünsche ich mir, dass die wirtschaftliche Situation stabil bleibt. Dass die Politik keine weiteren Fehler macht, überlegt und mit Weitblick handelt.“ 



Anabel Schaffer

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