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Das Christkind als Witzfigur und Glücksbringer

Franziska Handke scheidet leicht gestresst aus dem Amt - 22.12.2012

Nürnberg  - Und, wie war’s als Christkind? An Heiligabend endet die Amtszeit des Nürnberger Christkinds Franziska Handke. Zeit für eine Bilanz.

Franziska Handke bringt als Christkind den Patienten in der Kinderklinik Zuwendung und Freude. „Mitleid ist schon wichtig“, sagt die 17-Jährige, „aber ich mache mir nicht noch länger Gedanken darüber.“
Franziska Handke bringt als Christkind den Patienten in der Kinderklinik Zuwendung und Freude. „Mitleid ist schon wichtig“, sagt die 17-Jährige, „aber ich mache mir nicht noch länger Gedanken darüber.“
Foto: Harald Sippel
Franziska Handke bringt als Christkind den Patienten in der Kinderklinik Zuwendung und Freude. „Mitleid ist schon wichtig“, sagt die 17-Jährige, „aber ich mache mir nicht noch länger Gedanken darüber.“
Franziska Handke bringt als Christkind den Patienten in der Kinderklinik Zuwendung und Freude. „Mitleid ist schon wichtig“, sagt die 17-Jährige, „aber ich mache mir nicht noch länger Gedanken darüber.“
Foto: Harald Sippel

Die 17-Jährige hat eine lange Mittagspause zwischen zwei Auftritten. Sie wählt einen Kaffeeladen als Gesprächsort – ohne Kostüm, nur mit Perücke – und genießt einen Muffin. Mit kindlicher Freude schwärmt Franziska davon, dass sie soeben ein paar Runden neben dem Postkutscher mitfahren und am Ende das Gespann selbst lenken durfte. Die letzten zwei Wochen aber, „die waren übel“.


Franziska Handke privat. Nächste Woche fällt der Druck der Öffentlichkeit von ihr ab.
Franziska Handke privat. Nächste Woche fällt der Druck der Öffentlichkeit von ihr ab.
Foto: Horst Linke
Franziska Handke privat. Nächste Woche fällt der Druck der Öffentlichkeit von ihr ab.
Franziska Handke privat. Nächste Woche fällt der Druck der Öffentlichkeit von ihr ab.
Foto: Horst Linke

NZ: Wenn ich erzähle, dass ich das Christkind treffe, werden manche Kollegen nervös und wollen sich ein Autogramm mitbringen lassen. Wer sind deine größten Fans?

Christkind: Japaner. Da gibt’s Geschrei. Die sind nicht mehr zu bremsen und machen alle ihre zehn Fotoapparate durch. Auch im Altenheim freuen sich die Leute immens. Ich war in einer Selbsthilfegruppe für Parkinson-Kranke, da habe ich überall feuchte Augen gesehen. Die Kinder machen meist nur Glubschaugen und sagen keinen Piep mehr. Manche sind auch absolut frech. Auf der Kinderweihnacht haben sie gestern versucht, mich an den Haaren zu ziehen und mir die Schleife aufzumachen. Ich habe gesagt: „Jetzt gibt’s keine Geschenke mehr, dann war Ruhe.“

 

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Unsere Reporter mischen sich den ganzen Tag unters Volk und berichten vom Treiben auf dem Christkindlesmarkt. Mitarbeiter Eike Schamburek begleitet das Christkind den ganzen Tag über. Um 17.30 Uhr wird Christkind Franziska Handke dann den berühmten Prolog, der mit den Worten „Ihr Herrn und Frau’n, die Ihr einst Kinder wart..." beginnt, sprechen und so den Markt offiziell eröffnen.



NZ: Im Rückblick: War es eine gute Idee deines Opas, dich zur Christkind-Bewerbung zu überreden?

Christkind: Ja, es war eine sehr schöne Zeit, auch eine sehr anstrengende. Nicht so schön ist der Stress. Man nimmt unheimlich viel mit, aber der Druck ist enorm.

 

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Jetzt geht's bald los: Das neue Nürnberger Christkind Franziska Handke hat kurz vor der Eröffnung des Christkindlesmarktes einen Einblick in ihr Privatleben gegeben.



NZ: Das Rathaus hatte in der Adventszeit wieder 170 Termine für dich angesetzt, und ein kleiner Medienstar ist das Christkind auch noch. Gut so?

Christkind: Auf der einen Seite ist es schöne Werbung für die Stadt Nürnberg. Auf der anderen Seite ist es für das Christkind teilweise wirklich zu viel. Ab der Markteröffnung jeden Tag früh aufstehen und abends spät ins Bett, da denkt man sich schon: Wann ist denn endlich Weihnachten? Wenigstens mal ein freier Sonntag wäre schön. Wenn man krank ist, kann man es nicht auskurieren, da geht es an die Gesundheit. Ich hatte letztes Jahr eine Mandelentzündung und auch diesmal Rachenentzündung.

 

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Am 6. Dezember, dem Nikolaustag, trafen in Nürnberg das Christkind, Franziska Handke, und der Air-Berlin-Santa-Claus aufeinander. Ein gemeinsamer Ausflug führte sie vom Flughafen über die Kinderweihnacht zum Christkindlesmarkt.

NZ: Könnten die Christkind-Darstellerinnen keinen Ruhetag einfordern?

Christkind: Das wird wohl so bleiben. Ich habe da wenig Mitspracherecht.

NZ: Hast du das Gefühl, dass du mehr als nur ein Promi sein konntest?

Christkind: Teils, teils. Auf dem Christkindlesmarkt fühle ich mich eher als Witzfigur und Depp vom Dienst fürs Foto. Viele Leute sehen nicht, dass ich den ganzen Tag unterwegs bin, sondern denken, ich gehe nach einer Stunde auf dem Markt nach Hause aufs Sofa. Und dann geht man ins Altenheim und trifft dort eine Frau, die weint und sich vom Christkind wünscht, dass ihre Tochter wieder auftaucht, die seit 15 Jahren verschollen ist. Dieses Jahr war ich wieder bei ihr, ich habe ihr wieder einen Glücksstern gegeben. Sie hat angefangen zu weinen, meine Hände genommen und erzählt, dass ihr Sohn die Tochter jetzt übers Internet gefunden hat. Das sind Momente, da ist man nicht irgendjemand, der verkleidet irgendwo hingeht. Da bedeutet man etwas für den Menschen. Das ist der Sinn dahinter.

NZ: Kleine Jungs im Krankenhaus fragen dich, ob du sie noch kennst, und Erwachsene weinen vor Rührung oder Nostalgie. Wie sehr gehen dir solche Begegnungen ans Herz?

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Kurz vor Weihnachten ließ das Nürnberger Christkind bei seinem Besuch auf der Kinderstation des Südklinkums Kinderaugen leuchten.


Christkind: Ich freue mich einfach mit den Leuten. Aber ich kann nicht sagen, dass mir das in den Momenten besonders nahegegangen wäre. Man steht da so unter Stress, weil man weiß, was von einem verlangt wird. Man hat keine Zeit, es zu verarbeiten.

NZ: Denkst du, das holt dich später noch ein?

Christkind: Glaube ich weniger. Ich war vergangenes Jahr am 25. Dezember dagesessen und habe angefangen, für die Schule zu lernen. Dieses Jahr wird’s noch stressiger, ich mache Abitur und war jetzt einen Monat nicht in der Schule. Erinnerungen bleiben sicher, aber das meiste wird verdrängt. Ich habe gar nicht das Bedürfnis, das groß zu besprechen. Das ist vielleicht meine Art, damit klarzukommen.


NZ: Bist du so ein sorgloser Typ?

Christkind: Ich gehe an alles eher sachlich heran, naturwissenschaftlich. Als Christkind lebe ich von Termin zu Termin, und am Abend will ich nur noch raus aus dem Kleid und entspannen, wieder ich selbst sein. Es ist nicht so, dass ich kein Mitgefühl hätte. Demente Leute im Altenheim zu sehen oder ein kleines Kind mit Krebs, ist traurig, und es tut mir leid. Aber ich kann mich davon nicht runterziehen lassen. Ich kann es ja eh nicht ändern.

NZ: Ich wüsste nicht, was man zu einer Familie mit einem krebskranken Kind am besten sagt.

Christkind: Sie machen sich halt zu viele Gedanken. Warum soll man ein Kindergartenkind anders behandeln als ein Kind, das wegen Krebs im Krankenhaus ist? Das freut sich doch genauso wahnsinnig wie die anderen, das Christkind zu sehen, und möchte nicht nur mit seiner Krankheit gesehen werden – da kann ich doch nicht anfangen zu heulen.

NZ: Du gehst auf eine katholische Schule und warst lange Ministrantin. Was bedeutet dir Weihnachten?

Christkind: Momentan heißt es für mich nur „frei haben“. Für mich ist dann Weihnachten, wenn alles so abläuft wie immer.

NZ: Und religiös?

Christkind: Da bedeutet es mir heute eher weniger. Ich bin so ein U-Boot-Christ. Aber ich weiß, was es mit den hohen Feiertagen auf sich hat. Ich finde es immer peinlich, wenn Leute nicht wissen, was Ostern oder Pfingsten ist.

NZ: Was planst du nach der Schule?

Christkind: Entweder Molekulare Biologie studieren oder Jura.
  

Fragen: Isabel Lauer


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Zum Thema
Impressionen vom Christkindlesmarkt 2009
Seit:
1628 (erste Erwähnung)
Turnus:
jährlich

Termin:
29.11. bis 24.12.2013
Kurzbeschreibung:
Der berühmte Weihnachtsmarkt mit seinen charakteristischen Holzbuden zieht jedes Jahr aufs Neue zahlreiche Besucher aus dem In- und Ausland an. Alle zwei Jahre wird eine Nürnbergerin im Alter zwischen 16 und 19 Jahren zum Christkind gewählt. Aktuelles Christkind ist Franziska Handke.

Die Buden auf dem Christkindlesmarkt 2012

Budenplan
Besucher:
über zwei Millionen
Teilnehmer:
rund 180 Buden
Eintritt:
frei
Kontakt:
0911 / 23 36-0