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Acht Jahre hatte der Geistliche Friedrich Rosendorn gebraucht, um zwischen 1503 und 1510 die liturgischen Gesänge auf 1120 Seiten zu bannen. Er versah die handgeschriebenen Texte mit kleinen und größeren Zeichnungen. Die berühmteste ist die, auf der eine Schar Gänse singt, während sie von einem Wolf dirigiert wird. Diese Darstellung gab dem Buch seinen Namen.
Acht Jahre brauchte nun auch eine Gruppe von Wissenschaftlern, um das Gänsebuch zu digitalisieren. Die einzelnen Seiten können nun online durchgeblättert werden. Erzählt wird auch die Geschichte des Buches. Lange wurde es von den Lorenzer Chorknaben zum Singen benutzt. „Wir hatten Glück“, sagt einer der Forscher, der Musikwissenschaftler Volker Schier, „denn das Werk fiel nicht dem Bildersturm der Reformation zum Opfer.“ Es blieb bis zum Zweiten Weltkrieg in St. Lorenz. Die neuen Forschungen ergaben, dass das Gänsebuch während des Krieges im Kunstbunker eingelagert wurde. 1948 kam das Buch in das Landeskirchliche Archiv, bevor es vier Jahre später dem Amerikaner Rush Harrison Kress übergeben wurde. Kress erhielt das Gänsebuch als Dank für seine finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Lorenzkirche. Heute liegen die Originale in der Morgan Library in New York.
„Weil die Lichteinwirkung sich auf die Farben verheerend auswirken würden, können die Bücher nicht mehr öffentlich gezeigt werden“, erklärt Schier. Umso schöner sei es, das Werk nun volldigitalisiert vorliegen zu haben. Auf der Internetseite gibt es zudem Videos mit einer Länge von fünf Stunden und rund 700 Abbildungen. Besonders Musikinteressierte dürften sich darüber freuen, dass die liturgischen Gesänge auf der Seite zu hören sind. Eingespielt wurden sie von der Schola Hungarica aus Budapest, ein Ensemble aus Kindern und jungen Erwachsenen.
Die Arbeit der Wissenschaftler aus Deutschland, den USA, den Niederlanden, China und Ungarn hat auch neue Erkenntnisse erbracht: So hat eine Farbanalyse ergeben, dass für die Ornamente, Karikaturen und Bilder Gallustinte, anorganische und organische Farben sowie Gold verwendet wurden. „Wir stellten auch fest, dass eine Seite herausgetrennt worden sein muss, denn auf der ihr einst gegenüberliegenden befand sich ihr Abdruck“, so Volker Schier.
Finanziert wurde die Webseite durch Sponsoren aus Nürnberg. Vielleicht geben sie eine weitere Spende, um ein Terminal zu finanzieren, auf dem sich dann auch die Besucher der Lorenzkirche durch das Gänsebuch klicken können – an dem Ort, an dem das Gänsebuch einst genutzt wurde.
Die Internetseite (in den Sprachen Deutsch und Englisch) zum digitalen Gänsebuch von St. Lorenz finden Sie im Internet unter folgender Adresse: http://geesebook.asu.edu

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