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Wenn die Energiewende gelingen soll, dann wird es Umstellungen in allen gesellschaftlichen Bereichen geben müssen. Es werden sicherlich auch Mentalitäten und Verhaltensweisen auf Nutzer- und Angebotsseite hinterfragt werden.
Die NZ hat Politiker, Wirtschaftsfachleute, aber auch Spezialisten aus dem kulturellen und sozialen Bereich gebeten, sich Gedanken zu machen, worauf es bei der Energiewende in den nächsten Jahren ankommt und auf was sich die Bevölkerung einstellen muss. Die NZ-Serie ist ein Versuch, etwas Licht in das Gerede über die Energiewende zu bringen: Auch wenn die Thematik sehr kompliziert ist und die Lektüre nicht immer einfach sein wird – die Energiewende geht alle an. Im fünften Teil der Serie stellt Dirk von Vopelius, der Präsident der Industrie- und Handelskammer für Mittelfranken, seine Vision von der Öko-Metropolregion Nürnberg vor. fis
Mit dem Energiekonzept aus dem Jahr 2010 sowie den Beschlüssen zur beschleunigten Energiewende vom Sommer 2022 hat Deutschland einen weitreichenden Umbau der Energieversorgung beschlossen. Die Beschlüsse stellen Unternehmen und Bürger, aber auch Politik und Verwaltung vor gewaltige Herausforderungen. Für die Wirtschaft hat eine sichere Energieversorgung Priorität, wie Umfragen der IHK-Organisation immer wieder zeigen. Die Politik muss dieses Thema entsprechend wahrnehmen. Die Energiewende muss so gestaltet werden, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit der mittelfränkischen Unternehmen nicht belastet wird und die wirtschaftlichen Chancen genutzt werden können.
Die erheblichen Konsequenzen auf alle gesellschaftlichen Ebenen erfordern eine professionelle Gestaltung der Energiewende. Im Sinne eines effizienten Gesamtsystems müssen die vielen Konzepte, die mittlerweile vorgelegt wurden, in Einklang gebracht werden und zentral koordiniert werden. Der Fortschritt der Energiewende muss stringent überwacht und bei Fehlentwicklungen Abhilfe organisiert werden. Dies fordert auch die Vollversammlung der IHK Nürnberg für Mittelfranken in Ihrer aktuellen Resolution zur Energiewende.
Akzeptanz ist eines der Schlüsselwörter, wenn es um den Umbau unserer Energieversorgung geht. Daher ist es wichtig, dass bei den anstehenden, notwendigen Großprojekten die breite Öffentlichkeit angesprochen und informiert wird. Nur so können aufwendige Klageverfahren vermieden und formelle Planungsverfahren verkürzt werden. Die IHK setzt auf eine breite Palette von Kommunikationswegen, wie beispielsweise Informationsveranstaltungen, Diskussionsforen, Publikationen und das Internet. Auch die Kommunen sind an dieser Stelle gefragt, die Bürger entsprechend sachlich zu informieren und dabei zu helfen, auch mögliche Ängste und Bedenken gegenüber neuen Technologien abzubauen.
Daneben sind die Strompreise ein zunehmend kritischer Kostenfaktor. Für die gesamte Wirtschaft, aber auch mit Blick auf ärmere soziale Schichten. Davonlaufende Energiekosten gefährden nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen, sondern auch die Akzeptanz der Energiewende innerhalb der Bevölkerung. Verschiedenste staatliche Belastungen, die alle zusammen knapp die Hälfte des Strompreises ausmachen, sollten auf den Prüfstand gestellt werden oder über Kompensationen nachgedacht werden.
Ein Weg, um Energiekosten zu senken ist die Steigerung der Energieeffizienz. Die mittelfränkischen Unternehmen haben dieses Thema erkannt und schon seit vielen Jahren auf der Tagesordnung. Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde stellt einen Kostenvorteil dar. Die Nürnberger IHK unterstützt die Unternehmen dabei beispielsweise durch Orientierungsberatungen, Vernetzung von Akteuren, Vermittlung von Fördermitteln, Fachforen und Publikationen.
Von der Energiewende tangiert sind betriebliche Produktionsabläufe allerdings nicht ausschließlich durch steigende Kosten. Mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien, die alle dezentral, fluktuierend und lediglich bedingt vorhersehbar in das Netz einspeisen, steht zunehmend auch die im weltweiten Vergleich exzellente Versorgungssicherheit in Deutschland auf dem Spiel. Viele Unternehmen sind auf eine zuverlässige Stromversorgung angewiesen und nicht wenige haben bereits in Notstrom-Anlagen investiert. Betroffen sind IT-Unternehmen, aber auch das produzierende Gewerbe mit sensiblen Anlagensteuerungen.
Energieeffizienz und neue Energietechniken benötigen zunehmend auch qualifizierte Fachkräfte. Die Hochschulen in der Metropolregion Nürnberg haben sich auf die neuen Berufsfelder eingestellt und bieten geeignete Studiengänge an.
Nürnberg ist ein Kompetenzzentrum für die Energie- und Umwelttechnik. Ein Beispiel ist der Energie Campus Nürnberg, der momentan auf dem ehemaligen AEG-Gelände entsteht. Dort arbeiten zwei Hochschulen und zwei Fraunhofer-Institute eng zusammen. Geforscht wird unter anderem an Speicher-Lösungen für regenerativ erzeugten Strom, die für das Gelingen der Energiewende als essenziell gelten.
Berufliche Weiterbildung ist auch der IHK Nürnberg für Mittelfranken wichtig. Sie ist bereits seit über 10 Jahren mit dem Praxistraining zum EnergieManager (IHK) | European EnergyManager in diesem Bereich erfolgreich unterwegs. Diese Qualifizierung wurde in Nürnberg erfunden und inzwischen in zwölf EU-Staaten und vier weitere Länder außerhalb der EU exportiert. Über 1000 ausgebildete EnergieManager heben in ihren Unternehmen Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz.
Klar ist: Die Region ist nicht erst seit den Ereignissen in Fukushima gut aufgestellt für den Umbau unserer Energieversorgung. Die beschlossene „beschleunigte Energiewende“ erhöht den Druck, erfordert weitere Anstrengungen und birgt viele Risiken. Sie eröffnet aber auch Chancen für die Region, die genutzt werden sollten. Es muss unser klares Ziel sein, dass es am Ende nur Gewinner gibt!

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