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N-Ergie-Vorstandsvorsitzender zur Energiewende in Nürnberg

"Energiewende nicht zum Nulltarif zu haben" - 04.02.2013 07:45 Uhr

Nürnberg  - Rund 25 Prozent des Stroms in Deutschland wurden im vergangenen Jahr aus Wind, Sonne, Wasserkraft und Biomasse erzeugt. Tendenz steigend. Doch die Energiewende, die in den nächsten zehn Jahren sukzessive angestrebt wird, ist weit mehr als nur die Steigerung des Stromanteils aus erneuerbaren Energieträgern oder der Ausbau der Speichertechnologie.

Die N-Ergie begreift die Energiewende nach eigener Aussage in erster Linie als Chance.
Die N-Ergie begreift die Energiewende nach eigener Aussage in erster Linie als Chance.
Foto: dpa
Die N-Ergie begreift die Energiewende nach eigener Aussage in erster Linie als Chance.
Die N-Ergie begreift die Energiewende nach eigener Aussage in erster Linie als Chance.
Foto: dpa

Wenn die Energiewende gelingen soll, dann wird es Umstellungen in allen gesellschaftlichen Bereichen geben müssen. Es werden sicherlich auch Mentalitäten und Verhaltensweisen auf Nutzer- und Angebotsseite hinterfragt werden.

Die NZ hat Politiker, Wirtschaftsfachleute, aber auch Spezialisten aus dem kulturellen und sozialen Bereich gebeten, sich Gedanken zu machen, worauf es bei der Energiewende in den nächsten Jahren ankommt und auf was sich die Bevölkerung einstellen muss. Die NZ-Serie ist ein Versuch, etwas Licht in das Gerede über die Energiewende zu bringen: Auch wenn die Thematik sehr kompliziert ist und die Lektüre nicht immer einfach sein wird – die Energiewende geht alle an. Im siebten Teil der Serie stellt Josef Hasler, Vostandsvorsitzender der N-Ergie Aktiengesellschaft Nürnberg, seine Visionen für die Energie-Modellstadt Nürnberg vor.

Die Energiewende macht Energieversorgung nicht nur sichtbarer, sie bedeutet auch eine grundlegende Veränderung des bisherigen Systems der Energieversorgung. Strom und Wärme werden zunehmend dezentral erzeugt, die Netze müssen aus- und umgebaut werden, was hohe Investitionen mit sich bringt.

Dennoch begreifen wir bei der N-Ergie die Energiewende in erster Linie als Chance. Seit Jahren investieren wir massiv in die regenerative Energieerzeugung und leisten damit unseren Beitrag zu ihrem Gelingen. Gemeinsam mit Partnern betreiben wir zehn Freiflächen-Solarkraftwerke und mehrere Windparks. Weitere 15 Windkraftprojekte sind derzeit in der Projektierung oder im Bau. Eine Bioerdgasanlage in Gollhofen (Westmittelfranken) sowie unser Biomasse-Heizkraftwerk in Nürnberg-Sandreuth betreiben wir seit letztem Jahr mit Erfolg. Um diese hohen Investitionen auch langfristig stemmen zu können, arbeiten wir eng mit Partnern wie der BayWa AG zusammen und beteiligen uns schwerpunktmäßig in der Region an Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Bei diesen Projekten setzen wir auch auf Bürgerbeteiligungen, denn wir sind der festen Überzeugung, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn sie von den Bürgern mitgetragen wird.

Die zunehmende Anzahl an Windrädern und Freiflächenanlagen – man denke allein an die in Bayern anvisierten 1500 Windkraftanlagen – erfordern einen breiten Konsens in der Bevölkerung. Deshalb bieten wir mit unseren Partnern den Bürgern die Chance, in Erzeugungsanlagen vor Ort zu investieren und mit einer angemessenen Rendite buchstäblich Anteil an der Energiewende zu nehmen.

Heute speisen bereits rund 40000 dezentrale Erzeugungsanlagen – davon rund 39000 Photovoltaikanlagen – in unser Stromnetz ein, das große Teile von Mittelfranken und angrenzende Gebiete umfasst. Allein im vergangenen Jahr haben wir 8000 neue Anlagen an unser Netz angeschlossen – eine rasante Entwicklung, die mit technischen, administrativen, aber auch finanziellen Herausforderungen verbunden ist. Denn die Kapazität der Verteilnetze reicht bei weitem nicht aus, um eine so große Anzahl an regenerativen Anlagen einzubinden.


Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-Ergie.
Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-Ergie.
Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-Ergie.
Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-Ergie.

Eine Mitte Dezember 2012 von der Deutschen Energie-Agentur (dena) veröffentlichte Studie zeigt, dass in Deutschland aufgrund des Ausbaus der erneuerbaren Energien bis 2030 zwischen 135000 und 193000 Kilometer Hoch-, Mittel- und Niederspannungsleitungen neu gebaut werden müssen. Wir von der N-Ergie bauen unser Stromnetz bereits zügig und umfassend aus. Hier investieren wir zusätzlich rund 15 Mio. Euro pro Jahr in die Stromnetze.

Den Planungsprozess für den Netzausbau werden wir so transparent wie möglich gestalten. Wir wollen die Bürger früh einbeziehen und Verständnis für die Maßnahmen schaffen. Über den aktuellen Stand informiert unsere N-Ergie Netz GmbH auf ihrer Internetseite http://www.n-ergie-netz.de/N-ERGIE-NETZ/7720.html sowie auf Veranstaltungen mit Bürgern, Verbänden und Gemeinden. Auch wenn einmal die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, muss die Stromversorgung gesichert sein. Zum Ausgleich der schwankenden Erzeugung aus erneuerbaren Energien benötigen wir als Reserve weiterhin konventionelle Kraftwerkskapazitäten. Derzeit lassen sich jedoch hocheffiziente Gas- und Dampfturbinen (GuD)-Anlagen, wie Irsching 5, an der die N-Ergie beteiligt ist, nicht wirtschaftlich betreiben.

Ihr Auslastungsgrad ist zu gering, da die CO2-Verschmutzungsrechte, die eigentlich für einen Vorrang umweltschonender Erzeugung sorgen sollten, sehr günstig zu haben sind. Infolgedessen können steuerlich längst abgeschriebene Kohlekraftwerke wesentlich günstiger produzieren. Ihr Einsatz jedoch führt ein wesentliches Ziel der Energiewende – den Klimaschutz – ad absurdum. Deshalb müssen die bestehenden energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf den Prüfstand und Anreize für Investitionen in hocheffiziente konventionelle Kraftwerke geschaffen werden. Mehr noch: Es braucht einen umfassenden Plan, der sowohl die ökologischen als auch die ökonomischen Entwicklungen berücksichtigt.

Dabei geht es nicht nur um die Glaubwürdigkeit der eingeleiteten Energiewende, sondern auch um die Gewährleistung einer langfristig sicheren und stabilen Stromversorgung. Immerhin ist der politische Diskussionsprozess bei diesem Thema bereits in Gang gekommen. Dies gilt auch für die Reformierung der EEG-Umlage, über die inzwischen laut nachgedacht wird.

Die Bürger wissen längst, dass die Energiewende nicht zum Nulltarif zu haben ist. Ich halte es allerdings für gefährlich, die Mehrkosten einseitig auf den Strompreis umzulegen, weil damit die Industrie, aber mehr noch die Bürger – vor allem diejenigen mit geringen Einkommen – über Gebühr belastet werden und in der Folge die Zustimmung zur Energiewende in Gefahr ist. Freilich üben die durch die staatlichen Abgaben steigenden Strompreise auch zunehmenden Druck aus, den Stromverbrauch durch mehr Energieeffizienz zu senken – eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende.

Die N-Ergie unterstützt ihre Kunden seit vielen Jahren aktiv bei Effizienzmaßnahmen, etwa durch persönliche Energieberatung oder unser CO2-Minderungsprogramm, mit dem wir Investitionen unserer Kunden in den Klimaschutz fördern. Auch Unternehmen und Kommunen unterstützen wir dabei, energieeffizienter zu wirtschaften.

Zweifellos bringt ein so fundamentaler Systemumbau, wie die Energiewende, ein ganzes Bündel an Herausforderungen und bisweilen holprige Wegstrecken mit sich. Unter der Voraussetzung von in sich stimmigen und verlässlichen energiepolitischen Rahmenbedingungen bin ich zuversichtlich, dass wir erfolgreich sein werden.

In der vergangenen Woche sprachen wir mit Sozialreferenten Reiner Prölß zur Energiewende in Nürnberg. 

Josef Hasler


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