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Raumnot im Doku-Zentrum - Hochbauamt überfordert

Ausbau kommt nicht voran - 02.02.2013 11:00 Uhr

Nürnberg  - Der überfällige Ausbau des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände kommt nicht voran. Genauso bleibt seit Jahren die Zukunft der baufälligen Zeppelintribüne offen. Grund für die Verschleppung: Das Hochbauamt kommt mit der Vielzahl von Bauprojekten nicht zurande. Die stauen sich gerade im Kulturbereich.

Doku-Zentrum
Doku-Zentrum
Foto: Weigert
Doku-Zentrum
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Foto: Weigert

Das mit Abstand erfolgreichste städtische Museum in Nürnberg leidet unter einem Raumproblem, das schon kurios zu nennen ist. „Obwohl wir uns in einer der größten Liegenschaften der Stadt befinden, haben wir nie Platz“, sagt Leiter Hans-Christian Täubrich.

Architektonische Fehlplanung ist daran schuld, dass sich die Mitarbeiter des Doku-Zentrums in der monströsen Kongresshalle mit extrem wenig Platz begnügen müssen. Das sei lange gutgegangen, so Täubrich, der seit 2005 auf die Problematik hinweist. Aber „auf die Dauer kannst du so nicht vernünftig konzeptionell arbeiten“. Das Fachpublikum aus anderen Gedenkstätten sei „regelmäßig entsetzt“ beim Anblick der Bedingungen. „Irgendwann wird man auch fachlich daran gemessen, wie man sich nach außen darstellt.“ Nur die Besucherzahl steigt weiter, auf zuletzt 206000 im vergangenen Jahr.


Projektmitarbeiter oder Praktikanten kann der Chef nicht einstellen, er hat keine Schreibtische für sie. Nur ein Großraumbüro für alle, keinen Besprechungsraum, keine Fläche, um Ausstellungsmaterial auszubreiten. In der improvisierten wissenschaftlichen Bibliothek kann man sich kaum um die eigene Achse drehen, und das Depot ist nur ein schlauchförmiges Regallager. 2000 Bände rechten Gedankenguts liegen hier zwischen Aktenordnern, Emailleschildern und Gasmasken. Immer mehr Bürger überlassen Privatobjekte aus der NS-Zeit dem Museum, obwohl es gar keinen Sammlungsauftrag hat.

Eigentlich liegt die Lösung zum Greifen nah. Die Erweiterung ist in der Stadtverwaltung beschlossene Sache. Ein leerer Abschnitt der Kongresshalle soll auf bis zu 600 Quadratmeter Nutzfläche ausgebaut werden. Wenn das Personal hier einzieht, könnte im Foyer, wie einst vorgesehen, ein Aufenthaltsraum für Schülergruppen entstehen, damit diese nicht mehr die gesamte Cafeteria belegen. Auch Gastwissenschaftler hätten endlich Platz zum Studieren. Städtische Gelder seien da; auch mit Fördermitteln aus München sei zu rechnen, sagt Täubrich. Die Maßnahme liege unterhalb der anfangs veranschlagten vier Millionen Euro. Doch der Umbau scheitert daran, dass er bis heute nie die nötige Feinplanung erhielt.

Dahinter steht ein weitreichendes Problem, das der Kulturausschuss des Stadtrats am 1. März auf die Tagesordnung nehmen will. Das städtische Hochbauamt hat zu wenig Personal angesichts der anstehenden Großbaustellen – gerade im Kulturbereich. Ein gordischer Knoten sei da entstanden, sagt André Knabel, Mitarbeiter der Kulturreferentin, und alles hänge im Moment an den Baufachleuten. Ohne ihre Konzepte gibt es weder Zeitpläne noch Finanzierungsvereinbarungen.

Immerhin neue Toiletten

Sanierung des Z-Baus, der Meistersingerhalle, des Künstlerhauses, des Opernhauses und der Zeppelintribüne – wie dieser Berg abzutragen ist, sei eine Frage politischer Entscheidungen, meint Hochbauamtsleiter Wolfgang Vinzl. Das bedeutet: Wirkliche Prioritäten und Reihenfolgen sind noch nicht gesetzt. Die 120 Bau-Mitarbeiter stecken in Engpässen, seit ab 2003 die Ganztagsschulbetreuung ausgebaut wurde. Dazu forcierten Konjunkturprogramme die Schul- und Kita-Bauten. „Wir hatten in der Stadt noch nie ein so hohes Investitionsvolumen wie heute“, sagt Vinzl. Obwohl man stets externe Planungsbüros einbinde, müssten seine Projektleiter jede Baumaßnahme mitsteuern.

Einer von ihnen widmet sich nun nach einem Jahr Pause wieder verstärkt der verfallenden Zeppelintribüne, die bereits seit 2007 auf der Agenda der Stadtspitze steht. Albert Speers pompöse Versammlungs-Anlage werde als Nächstes von Statikern und Restauratoren im Detail untersucht, berichtet der Amtsleiter. Noch immer steht nicht fest, welche Teile zu retten sind und welche aus pädagogischen Gründen unbedingt begehbar werden sollen. Auch die Geldsummen – zuletzt standen 70Millionen Euro im Raum – sind wieder völlig offen. „Uns hilft alles, was den Besuch dort draußen für Touristen gewährleistet“, sagt Hans-Christian Täubrich. „Irgendetwas muss geschehen.“

Für sein Doku-Zentrum nebenan ist es da nur ein kleiner Lichtblick, dass am 18.Februar Schönheitsreparaturen beginnen. Zwei Wochen lang bleibt das Haus erstmals seit der Eröffnung 2001 geschlossen. Handwerker sanieren die Besuchertoiletten, deren Material unter der Dauerbeanspruchung von mittlerweile zwei Millionen Menschen gelitten hat. Das Putzpersonal wird der Geruchsbelästigung nicht mehr Herr. Außerdem werden Treppen und Türen angestrichen, verblichene Fotos ausgetauscht, Info-Bildschirme erneuert.

Täubrich sähe seinem Ruhestand 2014 entspannter entgegen, wenn der Umbau bis dahin anliefe. „Es ist mir ein Anliegen, den Mitarbeitern für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre eine Perspektive bieten zu können.“ Doch seine neueste Sorge muss nun sein, dass die Zeppelintribüne das Doku-Zentrum auf der Warteliste überholt. Derselbe Projektleiter im Hochbauamt betreut beide Vorhaben. Er hat nur eine Halbtagsstelle.

Das Doku-Zentrum schließt von 18. Februar bis 1. März; am 23./24. Februar ist jedoch geöffnet.
  

Isabel Lauer


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