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Am Anfang stand das Gesetz - und eine sehr großzügige Ausleihfrist: Stadtjurist Gilbert Weigel erhielt im Jahr 1370 dreizehn juristische Texte aus der Büchersammlung des Nürnberger Rates, die er auf Lebenszeit bzw. bis zu seinem Ausscheiden aus dem städtischen Dienst benutzen durfte.
Die entsprechende Quittung ist das älteste überlieferte Dokument in der langen Geschichte des kommunalen Nürnberger Bibliothekswesens, das jetzt mit der Ausstellung und dem Sachbuch „642 Jahre Stadtbibliothek Nürnberg. Von der Ratsbibliothek bis zum Bildungscampus“ gewürdigt wird.
Die bis zum 20. April dauernde Präsentation im Neubau der Stadtbibliothek ist gleichzeitig die Premiere für das Ausstellungskabinett im 2. Obergeschoss. 17 speziell konstruierte Vitrinen ermöglichen es hier, auch alte und wertvolle Buchbestände der Öffentlichkeit zu zeigen.
„Für mich ist das die zweite Eröffnung unseres Hauses“, meinte gestern Bildungscampus-Leiter Wolfgang Eckart. Die Einweihung des Kabinetts markiere auch das Ende der Umbauzeit, während der die historischen Bestände der Stadtbibliothek im Verborgenen lagerten.
Zur Würdigung des Anlasses wurden einige besondere Kostbarkeiten aus den Beständen ausgewählt. So etwa ein Evangeliar aus dem Jahr 1030 und ein Chorbuch, das 1458 von den Nonnen des Katharinenklosters eigenhändig hergestellt und wegen seiner kunstvollen Gestaltung von Anfang an bewundert wurde. Auch eines der berühmten „Nürnberger Hausbücher“ aus der Zwölfbrüderstiftung für alte und kranke Handwerker wird nach vielen Jahren wieder einmal gezeigt.
Eines der Bücher, die im 14. Jahrhundert dem Stadtjuristen Weigel überlassen wurden, findet sich auch in der Auswahl. Am unteren Rand der aufgeschlagenen Seite steht sogar ein Zollvermerk, der belegt, dass Gilbert Weigel das Buch wohl schon während seines Studiums der Rechte in Padua benutzt haben muss.
Neben solchen historischen Pretiosen offenbart die Schau aber auch Persönliches: Gezeigt wird etwa ein Brief von Albrecht Dürer an Willibald Pirckheimer, den das Malergenie während seines Aufenthalts in Venedig anno 1506 verfasste. Sofort ins Auge fällt ein etwas krakeliger Frauenkopf am unteren Rand, Experten können dem Schreiben entnehmen, dass der Maler hier neben alltäglichen Dingen auch in einer Art „Geheimcode“ über Begegnungen mit dem anderen Geschlecht berichtet.
Die Ausstellung reicht von den historischen Anfängen bis in die Neuzeit: Gezeigt werden auch die verschiedenen Sammlungen, die mittlerweile unter einem Dach vereinigt wurden, andere Exponate werfen Schlaglichter auf die lange Geschichte der Stadtbibliothek Nürnberg.
Da eine Kabinettausstellung diese Themen nur skizzieren kann, befindet sich ein zweiter Teil der Präsentation auf Infotafeln in den Räumen der Musikbibliothek. Vor allem aber ist unter dem Titel „624 Jahre Stadtbibliothek Nürnberg“ ein umfangreiches Sachbuch mit zahlreichen Aufsätzen erschienen.
„Eine Bibliothek ist ein komplexes System mit vielen verschiedenen Einheiten, die mit der Zeit zusammenwachsen müssen“, sagte Herausgeberin Christine Sauer bei der Vorstellung des Bandes. Detailliert wird aufgeführt, aus welchen Sammlungen, Nachlässen und eigenen Teilbibliotheken sich der beeindruckende Nürnberger Bestand im Laufe der Jahrhunderte gespeist hat.
Ermöglicht wurde die Herausgabe des im renommierten Harrassowitz-Verlag erschienenen Buches durch einen Zuschuss der Sparkassen-Zukunfststiftung.
Zur Ausstellung in der Stadtbibliothek, Gewerbemuseumsplatz2, werden am 20. und 27. Februar, am 6. und 13. März sowie am 3. und 10. April jeweils um 17 Uhr kostenlose Führungen angeboten. Der Aufsatzband ist als Broschüre in der Ausstellung für 25 Euro und im Buchhandel für 29,80 Euro erhältlich.

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