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«Noten sind nur bedingt aussagekräftig»

Schulpsychologe Christof Jelko im NZ-Interview - 12.07. 12:23 Uhr

NÜRNBERG 


Die richtige Berufswahl ist ein Meilenstein im Leben. Wie sie gelingen kann, darüber sprach die NZ mit Christof Jelko. Er ist städtischer Schulpsychologe und berät gemeinsam mit Elka Stradtner Schüler und Lehrer der Beruflichen Schulen Nürnbergs.

NZ: Wie können sich junge, unerfahrene Schulabgänger in dem Labyrinth Berufswelt zurechtfinden?

Jelko: Ein Schritt in die richtige Richtung ist schon mal der NZ Talentcheck, ein interessanter Test, der dem Jugendlichen seine speziellen Fähigkeiten zeigt und sie bestimmten Berufsprofilen zuordnet. Das ist eine gute Basis für die Arbeit des Schulpsychologen. Oft klaffen schulische Leistung und Fähigkeiten weit auseinander. Wir sagen dem jungen Menschen dann: «Augen auf! Das könntest Du erreichen.»

NZ: Aber welcher Jugendliche geht denn schon freiwillig zum Seelenklempner?

Jelko: Clevere Jugendliche, denn die haben messerscharf erkannt, dass Schulpsychologen so etwas sind wie persönliche Trainer. Und für Personal Coachs legen in den USA Leute, die Karriere machen wollen, eine Menge Geld auf den Tisch.

NZ: Viele Schulabgänger haben den Kopf in den Wolken und träumen davon Rapper, Model oder Fußballstar zu werden . . .

Jelko: Wir wollen keine Träume zerstören. Wir wollen die Jugendlichen erden. Es ist gut, wenn sie Interessen haben. Damit können wir arbeiten.

NZ: Was heißt das?

Jelko: Auch verrückte Träume können mit der Realität zusammengeführt werden. Aus einer Karriere als Profifußballer wird dann vielleicht eine als Sportlehrer. Wer sich traut, ein Mikrofon in die Hand zu nehmen und womöglich eigene Texte vorträgt, in denen er sich mit gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzt, der hat soziale Kompetenz und Entertainerqualitäten. Er hat Sensoren für das, was ankommt, und er kann Stimmungsbilder reflektieren. Außerdem besitzt er ein gutes Sprachgefühl. So jemand kann prädestiniert sein für soziale Berufe. Er kann in die Werbung gehen oder in die Politik.

NZ: Auch mit einem miesen Schulzeugnis?

Jelko: Noten sind nur bedingt aussagekräftig. Wer ein Ziel hat, merzt außerdem nicht selten auch diese Scharte aus. Hier kann das Übergangsmanagement an den beruflichen Schulen hilfreich sein. Die beruflichen Schulen in Nürnberg haben ein breitgefächertes Angebot an Ausbildung sowohl im technischen Sektor als auch im wirtschaftlich kaufmännischen Bereich und der Gastronomie. Wichtig ist es, den Schulabgängern zu helfen, den richtigen Beruf zu finden. Im Projekt «Ball - Beratung aller Nürnberger Hauptschüler», werden jährlich rund 2000 Schüler beraten. Ein zunehmend größerer Teil von ihnen erhält danach einen Ausbildungsplatz. Insbesondere große Unternehmen bieten auch Förderschülern gute Möglichkeiten.

NZ: Sie malen ein sehr positives Bild.

Jelko: Das ist richtig. Wir ermutigen die Jugendlichen, sich für realistische und positive Ziele einzusetzen und diese auch zu erkennen.

NZ: Was sagen Sie einem jungen Mann nach der hundertsten Absage?

Jelko: Bewirb Dich weiter.

NZ: Und dann?

Jelko: Wir vermitteln Strategien, um Gelassenheit zu trainieren und die Frustrationsschwelle zu erhöhen. Wir analysieren die Umstände und untersuchen den eigenen Einfluss und die gegebenen Rahmenbedingungen. Wir passen auf, dass der Jugendliche die Realität nicht aus den Augen verliert und zeigen ihm immer wieder neue Perspektiven.

NZ: Potenzielle Lehrherren schütteln nicht selten den Kopf über das schlechte Benehmen jugendlicher Bewerber!

Jelko: Jugendliche wissen oft nichts über die Welt der Erwachsenen. Wir ermuntern sie, sich selbst und Erwachsene zu beobachten und zu versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Und wir motivieren sie dahingehend sich positive Vorbilder zu suchen, Menschen, die es geschafft haben - trotz widriger Umstände.

NZ: Noch ein Tipp zum Schluss?

Jelko: Die Schüler in den Haupt- und Realschulen sowie an den Gymnasien sollten frühzeitig damit anfangen, sich zu orientieren und so viele Informationen wie nur irgendwie möglich zu sammeln. Wenn sie dann wissen, welcher Beruf für sie infrage kommt, sollten sie versuchen, sich dafür zu qualifizieren, indem sie die notwendigen Voraussetzungen schaffen. Wer sich mit seinem Beruf wirklich identifiziert, der ist schon mal auf der Erfolgsschiene.


Weitere Informationen zum kostenlosen NZ-Talent-Check für Privatpersonen und Schulen finden Sie im Internet unter: http://talentcheck.nz-online.de  





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