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Studierende gehen wieder auf die Straße

Volksbegehren gegen Beiträge ist zulässig - 24.10.2012 11:27 Uhr

Schon im vergangenen Jahr demonstrierten die Studenten gegen die Gebühren ihrer Hochschulen wie hier in der Nürnberger Bahnhofstraße.

Schon im vergangenen Jahr demonstrierten die Studenten gegen die Gebühren ihrer Hochschulen wie hier in der Nürnberger Bahnhofstraße. © Michael Matejka


In der Regelstudienzeit dauert ein Bachelorstudium drei Jahre, ein Master noch einmal zwei. Jedes Semester zahlt der Student dafür Studiengebühren. 1000 Euro pro Jahr. Bei derzeit rund 35500 Studierenden gehen
21 Millionen Euro an die Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). „Stellen Sie sich einmal vor, dieses Geld würde uns plötzlich fehlen“, sagt Universitätspräsident Karl-Dieter Grüske. „Dann würden die Studierenden auch protestieren gehen – und ich mit Ihnen!“

Denn durch die Studiengebühren wird derzeit vieles an der Universität finanziert. Auf ihrer Internetseite kann jeder einsehen wofür die fünf Fakultäten das Geld ausgeben, das sie pro Student bekommen. Im letzten Wintersemester gab die Philosophische Fakultät unter anderem 20000 Euro für Fahrradständer aus. Der Lehrstuhl für Anatomie bezahlte 25000 an Bestattungskosten. Und das Departement Informatik investierte 203584,54 Euro in „weitere Lehraufträge“.

„Das Problem ist die Formulierung“, sagt Benedikt Kopera. „Als zentrales Gremium bekommen wir nur eine Auflistung der Ausgaben.“ Daraus lasse sich oft nicht erkennen, wohin das Geld wirklich fließt. Seit einem Jahr ist Geografie-Student Kopera eines von sieben studentischen Mitgliedern im Zentralen Gremium für die Verwaltung der Studiengebühren an der FAU.

Über einen Teil des Geldes wird gemeinsam entschieden

„Trotz der wenigen Informationen sollen wir über die Anträge abstimmen“, sagt der 24-Jährige. Im Gremium sitzen außerdem fünf Professoren, die Vizepräsidentin der Uni und ein Wissenschaftlicher Mitarbeiter des universitären Mittelbaus. Gemeinsam bestimmen sie über das Viertel der Gebühren, das allen Studenten zugutekommen soll.

Damit bezahlt die Universität verlängerte Öffnungszeiten ihrer Bibliotheken oder zusätzliche Sprachkurse. „Die Frage ist, ob das nicht Standard sein sollte?“, sagt Kopera. Er fordert, dass die Treffen der Vergabekommissionen als öffentlich gelten, so dass die Studierenden anhand der Protokolle nachvollziehen können, wofür sie bezahlen.

Zwei Streitfälle gab es im letzten Jahr zwischen den Studierenden und den Professoren. Bei einer Stimmengleichheit entscheidet die Vizepräsidentin. Laut bayerischem Hochschulgesetz dienen die Gebühren ausschließlich „der Verbesserung der Studienbedingungen“. „Die Wartung der Hörsaal-Technik wird derzeit durch Studiengebühren finanziert“, berichtet Kopera. „Dabei sollte ein funktionierender Beamer heute wirklich zur Grundausstattung gehören.“ Grundausstattung ginge auf das Konto des Freistaats. „Die Studiengebühren tragen zu den exzellenten Studienbedingungen in Bayern bei“, sagt Präsident Grüske.

Nur noch Niedersachsen und Bayern halten an den Gebühren fest. In allen anderen Bundesländern ist die „Campusmaut“ nach einem Regierungswechsel wieder abgeschafft worden. Doch die Hochschulen brauchen Geld. „Im ersten Jahr hat die jeweilige Regierung das Budget der Hochschulen dann aufgestockt“, sagt Grüske. „Aber im zweiten Jahr zog sie es irgendwo unten wieder ab.“

Ein Drittel der Studenten an der FAU zahlt keine Gebühren

Zu Beginn seines Studiums musste Benedikt Kopera keine Beiträge bezahlen, denn er war das dritte Kind seiner Familie, auch seine beiden Schwestern studierten. Inzwischen, im dritten Semester des Masterstudiums, zahlt auch er. „Mein HiWi-Job an der Uni wird durch Studiengebühren finanziert“, sagt der 24-Jährige. „Ich bezahle mich quasi selbst.“

Rund ein Drittel der Studierenden an der FAU ist von den Gebühren befreit durch Familienregelungen oder soziale Härtefälle. Neben dem zentralen Gremium entscheiden 24 weitere Kommissionen an den Fakultäten, Departements und Lehrstühlen wie sie die restlichen drei Viertel Geldes verwenden. Fünf Prozent fließen in die Verwaltung der Gebühren, zwei Prozent dienen der Eliteförderung und zwei Prozent als Sicherungsfond für Studienkredite, die Absolventen nicht zurückbezahlen können.

„Egal wie das Volksbegehren ausgeht, jemand muss hinterher die Kosten der Hochschulen übernehmen“, sagt Unipräsident Grüske. „Das ist ganz klar Sache des Landes“, sagt Studierendenvertreter Kopera. „Unsere Aufgabe ist es jetzt, zehn Prozent der bayerischen Bürger in die Rathäuser zu bringen.“ Über 1,2 Millionen Unterschriften sind für die zweite Runde des Volksbegehrens Anfang nächsten Jahres nötig. Am 15. November demonstrieren die Studierenden in Erlangen dafür.
  

Christina Merkel

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