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Isabella Bittner und Lisa Kürzdörfer, beide 20, studieren Biologie und Chemie:
„Die Lernräume in der Bibliothek waren heute schon komplett belegt, und hier vor dem Hörsaal ist es ruhiger. Wir haben vorhin bereits eine Klausur in Experimentalphysik geschrieben und lernen jetzt für die Chemie-Klausur am Freitag. Da werden sieben Aufgaben drankommen, die man in 90 Minuten beantworten muss. Das können chemische Rechnungen sein, zum Beispiel, den pH-Wert von Essigsäure zu berechnen. Wir gehen die ungefähr 100 Übungsaufgaben, die uns der ,Prof‘ zur Vorbereitung gegeben hat, gemeinsam durch und überlegen uns den Lösungsweg.
Aus den Vorlesungsfolien haben wir erst mal alle Formeln auf Karteikarten herausgeschrieben, um einen Überblick über alles, was wichtig sein könnte, zu bekommen. Etwa 70 Formeln, die wir für die Klausur auswendig lernen müssen, hat der ,Prof‘ vorgegeben. Eine einfache ist Borsäure H3BO3. Schwieriger ist Hexafluoridophosphat PF6¯. Dazu müssen wir die Valenzstrichformel hinschreiben, die die Bindungen zwischen den Atomen darstellt. Ein bisschen mulmig ist uns vor der Klausur schon, denn wir haben gehört, dass die Durchfallquote hoch sein soll. Der Lernaufwand für die sechs Klausuren, die wir jetzt schreiben, ist groß. Wir lernen meist mehr als sechs Stunden am Tag und tragen oft für die unterschiedlichen Fächer stundenweise Zeitfenster in unseren Terminplaner ein. So kann man sich vorher gut einen Überblick verschaffen, was man alles lernen muss und sich Ziele setzen. Wenn die Klausur am Freitag vorbei ist, wird gefeiert. In Erlangen hat ein neuer Club aufgemacht, den probieren wir aus.“
Daniel Zahn, 25, studiert Germanistik und Theologie:
„Übermorgen schreibe ich fünf Stunden lang eine Klausur in Neuerer Deutscher Literatur – 17. Jahrhundert bis heute. Ich exzerpiere gerade Übersichtsbücher wie ‚Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus‘. Außerdem habe ich wichtige Werke gelesen, zum Beispiel Thomas Manns ,Tod in Venedig‘, Fontanes ,Effi Briest‘ und Storms ,Schimmelreiter‘. In der Prüfung muss ich dann eines von acht Themen bearbeiten. Ich habe mich auf Prosa spezialisiert. Mit der Nervosität geht es eigentlich.
Letzten Freitag hatte ich bereits eine Prüfung über mittelhochdeutsche Literatur, die lief ganz gut. Bis Juni stehen noch Prüfungen an, dann habe ich das erste Staatsexamen. Hier in der Bibliothek ist es ruhig, und ich werde nicht so schnell abgelenkt. In meiner WG trinken wir lieber Kaffee und unterhalten uns, statt zu lernen. Ich gehe in unterschiedliche Bibliotheken: In der technischen ist immer relativ viel los. Das ist aber nicht so schlimm, weil man viele Leidensgenossen um sich hat. In der Theologie bekommt man eher ein Wohnzimmergefühl, weil es viele kleinere Räume sind. Ich brauche ab und zu diesen Tapetenwechsel, um produktiv lernen zu können.“
Thomas Rühl, 23, studiert Jura:
„Ich arbeite gerade an einer Seminararbeit über die Nulltoleranz-Strategie New Yorks. Dort geht die Polizei rigoros gegen jede Bagatelle vor. Meine Ausgangsfrage ist, ob diese Strategie ein Vorbild für Deutschland sein könnte, wenn es darum geht, Kriminalität zu verhindern. Das Thema finde ich total interessant. Wir haben vier Wochen Zeit, und ich habe gerade angefangen. Ungefähr 50 Seiten sollen es werden. Ich habe heute seit 8 Uhr bestimmt schon zehn Bücher durchgesehen und sitze wahrscheinlich bis 22 Uhr an der Hausarbeit. Bis zur Abgabe wird das wohl fast sieben Tage die Woche so laufen. Alle zwei Stunden mache ich 15 Minuten Pause, mittags und abends etwas länger. Auf dem Laptop schreibe ich mir die Werke und Seitenzahlen in die Gliederung, damit ich sie danach wieder finde und für die Fußnoten verwenden kann.“
Julia Sterzel und Richard Kral, beide 24, studieren Sinologie:
„Wir korrigieren einen Essay, den wir im Unterricht von Chinesisch ins Deutsche übersetzt haben. Es geht darum, den deutschen Text schön auszuformulieren und bestimmte Dinge wie Orte, Personen und Ereignisse in Fußnoten zu erklären. Das wird dann wie eine Hausarbeit benotet. Der Text ist ein Auszug aus einem Essayband des tibetisch-chinesischen Autors Alai aus dem Jahr 2011. Kurz gesagt geht es darin um chenggong, das ist das chinesische Wort für Erfolg, und darum, über den eigenen Erfolg nachzudenken. Wir diskutieren gemeinsam, welche Formulierungen am besten sind. Der Autor reist vom tibetischen Tanggula-Gebirge bis in die Alpen. Teilweise ist es schwierig, die logische Reihenfolge zu verstehen, wo er zuerst war, von wo nach wo er gereist ist und was er da eigentlich gemacht hat. Hier in der Bibliothek zu arbeiten, ist praktisch, weil wir gleich Wörterbücher zur Hand haben.“
Mo. 23.04.12
So. 25.03.12
So. 25.03.12
Mi. 21.03.12