„Katzen haben eine zusätzliche, reflektierende Schicht hinter ihrer Netzhaut“, erklärt Ingo Hoffmann, Tierarzt für Augenheilkunde in Nürnberg. „Das sogenannte Tapetum lucidum.“ Dieser – wörtlich übersetzt – „leuchtende Teppich“ verstärkt das Licht, das ins Auge der Katze hineinfällt. Dazu muss aber wenigstens ein bisschen Licht vorhanden sein. „In der absoluten Dunkelheit sieht auch die Katze nichts“, sagt Hoffmann.
Sobald aber Restlicht vorhanden ist, fällt es durch die Netzhaut der Katzenaugen auf das Tapetum licidum und von dort in entgegengesetzter Richtung ein zweites Mal durch die Netzhaut. „So kann viel mehr Licht auf die Sinneszellen der Katze treffen als beim Menschen“, sagt der Experte. Die Tiere können daher auch bei Dämmerung noch sehr gut sehen.
Das Licht, das zurückgeworfen wird, tritt aus dem Auge heraus und leuchtet dem Betrachter entgegen. „Beim Menschen, der diese reflektierende Schicht nicht besitzt, sehen wir bei starkem Lichteinfall rote Augen“, sagt Hoffmann. Zum Beispiel beim Fotografieren mit Blitzlicht ist das der Fall. Im Gegensatz zur Katze ist die Netzhaut des Menschen durchsichtig, und die dahinterliegende, gut durchblutete Aderhaut wird sichtbar.
Die Katze kann ihre Pupillen weit öffnen, um den in der Dämmerung aktiven Mäusen und Vögeln nachzujagen. Am Tag wäre zu viel Licht jedoch schädlich für ihre Augen. „Daher verengt sie tagsüber ihre Pupillen zu senkrechten Schlitzen“, sagt Hoffmann. Ermöglicht wird das Zusammenziehen der Pupille durch Muskelfasern. Wenn zu viel Licht auf die Netzhaut fällt, ziehen sich die Muskeln sowohl beim Menschen als auch bei der Katze zusammen.
Beim Menschen verläuft die entsprechende Muskulatur ringförmig um die Pupille, so dass sie sich gleichmäßig verengt. Bei Katzen kreuzen sich die Muskelfasern stattdessen und erzeugen beim Verkürzen die typischen schmalen Schlitzaugen.
Mi. 22.02.12