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Albert Drach und der moderne Hiob

Wiederentdeckt - 09.12.2008

Durch mehrere Artikel Fischers waren Kritiker und Verlage auf den schon nahezu vergessenen Drach aufmerksam gemacht worden, der nur knapp dem Zugriff des NS-Regimes in Südfrankreich entgangen ist.

Der gelernte Rechtsanwalt Drach, der in Wien aufgewachsen ist, kehrte nach dem Krieg in seine Heimatstadt zurück. Bis 1962 wurde das Manuskript seines brillanten Romans «Das große Protokoll gegen Zwetschkenbaum» nicht weniger als 16-mal von Verlagen abgelehnt. Es erschien schließlich 1964 und wurde ein buchhändlerischer und literarischer Erfolg. Spätere Bände blieben jedoch unbeachtet. Um Drach wurde es wieder ruhig. Seine Anwaltskanzlei musste er 1984 wegen Erblindung schließen. Im Alter von 92 Jahren ist er am 27. März 1995 in Mödling verstorben.

Protokoll gegen die Gedankenlosigkeit

In diesem Jahr ist im Zsolnay-Verlag «Das große Protokoll gegen Zwetschkenbaum» wiedererschienen, das Drach bereits 1939 angelegt hat. Darin wird geschildert, wie der Talmud-Schüler Schmul Leib Zwetschkenbaum in die Mühlen der Justiz gerät. Zeitlich ist der Roman Ende der Habsburgermonarchie und in der Ersten Republik angesiedelt. Und genau in der Kanzleisprache dieser Zeit ist auch der Roman abgefasst.

André Fischer geht im Nachwort noch einmal auf Drachs Anliegen ein, aufzuzeigen, wie aus Bequemlichkeit und Gedankenlosigkeit, aus vererbtem Antisemitismus und Menschenverachtung ein Unschuldiger zum modernen Hiob werden kann. Raimund Kirch

Albert Drach. Das große Protokoll gegen Zwetschkenbaum. Roman. Zsolnay Verlag. 333 Seiten. 24,90 Euro. 

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