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Allein die Besetzung ohne Klavier ist ein veritables Zitat des Gerry Mulligan Quartetts mit Chet Baker an der Trompete. Doch so subtil und akademisch breitet sich das wilde Patchwork nicht immer aus. Während Jon Irabagon sich zur Melodie von Gilbert O’ Sullivans „Alone again naturally“ in ein schwindelerregend hohes Register seines Tenorsaxofons aufschwingt, ist Moppa Elliot gerade dabei, seinen Bass im Basement sprichwörtlich zu zersägen. Und Schlagzeuger Kevin Shea lädt genüsslich von seinem iPod Gewehrsalven herunter und lässt sie in den Raum ballern.
Eben noch war das Quartett auf den Spuren einer harmonischen Progression unterwegs, die auch einer JohnColtrane-Komposition hätte entliehen sein können. Hochgeschwindigkeitstrompeter Peter Evans schleuderte seine Tongirlanden in die Höhe, als stünde er mit Louis Armstrong auf der „Sunny side of the street“.
Doch solches Stilgemenge, irgendwo zwischen Minton’s Playhouse und Preservation Hall, gehört noch zu den geordneten Zuständen des Abends. Viel häufiger zelebrieren die gesetzlosen Vier den Geist der Gruppenimprovisation, wie er den frühen Jazz der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gekennzeichnet hat.
Oder ist dies bereits eine hintersinnige Parodie auf die Freiheitswelle, wie sie für den Free Jazz später kennzeichnend wurde? Diese Formation bietet keine Gewissheit. Ob Blues oder Bogaloo, Swamp oder Swing – alles geht – und das mitunter simultan. Ein musikalischer Mummenschanz, ideal für den Rosenmontag, der auch in dieser gefühlten Überdosierung wenigstens keinen Kater hinterlässt.
Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12