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Bilder aus dem Mutanten-Treibhaus

Galerie Bernsteinzimmer - 16.01.2010

Am morgigen Sonntag wird in der Nürnberger Galerie Bernsteinzimmer die Ausstellung von Georg Hornung eröffnet. Der Künstler zeigt computergenerierte Bilder von bizarrer und zuweilen gespenstischer Anmutung.

Am morgigen Sonntag wird in der Nürnberger Galerie Bernsteinzimmer die Ausstellung von Georg Hornung eröffnet. Der Künstler zeigt computergenerierte Bilder von bizarrer und zuweilen gespenstischer Anmutung. © Galerie


Auch Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus und Carl Blechen luden ihre überwucherten Kirchenruinen mit einer geheimnisvollen Atmosphäre auf. Doch was bei den Romantikern zur Symbiose von Ruine und Botanik führte, das gestaltet Georg Hornung in der Nürnberger Galerie Bernsteinzimmer zu einer Begegnung der mutierten Art. Nicht Gemälde, sondern hyperrealistische Digitalfotografie und Computergraphik bringen Industrieruinen und hypertrophe Gewächse in «virtuellen Installationen» zusammen, dass der Betrachter Fotografien aus der Zukunft assoziiert.

Frühling in Tschernobyl? Handelt es sich um eine «Zone», wie Andrej Tarkowski («Stalker») sie beschreibt? Oder benutzt eine außerirdische Macht die kaputten Hallen als Treibhaus für erbgutveränderte Gewächse?

Nun, die Richtung Osten stimmt schon mal. Die Ruinen findet Georg Hornung in Ostbayern, Ostdeutschland, Tschechien und Polen. Um Erlaubnis zum Betreten bittet der Weidener Fotograf und Autodidakt schon lange nicht mehr, weshalb er am Rande der Legalität in die bröckelnden Gemäuer steigt. Das verleiht seinen Arbeiten einen Nervenkitzel besonderer Art.

Anders als die Natur, die mit Gras und Unkraut den menschengeschaffenen Raum zurückerobert, sät Hornung überdimensional verfremdete, computergenerierte Gewächse. In Schach gehalten werden sie durch farbige Markierungsstangen, Balkenpyramiden, Stahlklammern und Gestelle. Das hält Besucher auf Distanz und suggeriert latente Gefahr. Umso mehr, als sämtliche Ruinen bei allem Bauschutt, Rost und Zerschlissenheit keine weiteren Lebensspuren von Mensch, Tier und Pflanze aufweisen. Sind also die Ruinen selbst mit einer lebensfeindlichen Aura kontaminiert?

Die romantische Kombination von Architektur und Botanik treibt bei Hornung faszinierende Blüten. Das Bernsteinzimmer mit seinem postindustriellen Charme bildet den idealen Rahmen für eine Welt, in der der Mensch obsolet ist. Reinhard Kalb

Bis 21. Februar; Bernsteinzimmer,

Großweidenmühlstr. 11.

Sa./So. 15 – 19 Uhr.

Eröffnung Sonntag, 17 Uhr.
 

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