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Der Türsteher ist bärig, säuft Sekt, heißt „Kellergeist“ und führt buchstäblich den Ausstellungstitel „im Schilde“: Modern Art. Schon praktisch, wenn man sich wie Martin Wöhrl seinen Grüß-Gott-August selber herstellen kann. Er hat den rundlichen Riesen neben dem Eingang zum Neumarkter Museum Lothar Fischer aus Holzresten gesägt. Die anderen modernen Artgenossen warten drin.
Es ist schon preisverdächtig, wie der 1974 geborene Münchner Bildhauer und Installationskünstler Formen findet und aus einfachen, meist irgendwo ausrangierten Materialien neue Assoziationsflächen schafft. Das entging der Fachjury des Fischer-Preises 2011 nicht. Von den 5000 Euro Prämie hätte der Geehrte sich zwar locker mal „frisches Material“ kaufen können, um die mit der Auszeichnung verbundene Ausstellung zu bespielen. Er hätte. Dass sowas aber nicht seine Art ist, nährt den Reiz seiner Kunst.
„Das Holz habe ich nach dem Termin beim Standesamt in einem Gebüsch gefunden und vor dem Weißwurstessen noch schnell ins Auto geschmissen“, kann er etwa feierlich die Herkunft der Eichenlatten erklären, die nun als Skulptur namens „Dolby“ auf einem flachen Glastisch thront. „Dolby“ heißt sie offenbar, weil sie an ein Antennengebilde erinnern.
Überhaupt schreitet Wöhrl lustvoll zur Tat. Die Moderne fließt kunstgeschichtlich wie unmittelbar ein. Dass eine bemalte Gipsarbeit formal leise an die Formensprache von Giacometti-Skulpturen erinnert, ist das eine. Dass Wöhrl sie aufgrund ihrer latenten Wurstform in Anlehnung an die Minisalami „Papa Bifi“ nennt, das andere. Die Idee dazu kam ihm in in der Fränkischen Schweiz: Ja, und tatsächlich haftet dem wulstigen, hohen Werk auch etwas Tropfsteinhaftes an.
So klappt das bei dem Oberbayern, der nicht nur gern die Welt bereist, sondern sich bei seinem Bamberger Villa-Concordia-Studium auch auf die Bierstadt-Tradition des Schäfflerhandwerks einließ. Seitdem hat er auch Fässer, die er aus alten Türrahmen formt, im Repertoire.
„Enzinger Raum“ heißt eine Skulptur, die als Ironie auf die moderne Bildhauerei wie auch auf alpine Schnitz-Architektur gelesen werden darf. Die Konkrete Kunst zitiert Wöhrl heiter mit einem Gebrauchswerk, das bratwursttauglich ist und „Grill Bill“ heißt. Und zum Thema Romantik sagt er uns was durch die „Blume“ – die in Kleinmenschengröße als Holzkleeblatt am Fenster steht.
New York mag das MoMA haben. Der Oberpfalz beschert Wöhrl ein eigenes Museum „of Modern Art“.
Vernissage 20. Mai, 11.30 Uhr. Bis 9. Sept., Weiherstr. 6, Neumarkt/Opf.; Mi. – Fr. 14–18 Uhr, Sa./So. ab 11 Uhr. Katalog: 24 Euro.
Mo. 13.05.13
Mi. 08.05.13
So. 21.04.13
Do. 18.04.13