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„Unauffällig, schnell und schmerzlos vergast“ werden sollten die Mitglieder des männlichen Geschlechts, forderte Valerie Solanas (die Beinahe-Mörderin von Andy Warhol) in ihrem „Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer“. Alice Schwarzer, „Emma“-Macherin und prominenteste Feministin der Republik, begrüßte die Kampfschrift und bejubelte deren „Mut zum Hass! Was wäre eine Freiheitsbewegung ohne Hass?“
Zutiefst erschreckende Aussagen, gesammelt von dem Medienwissenschaftler Arne Hoffmann. Mag es sich auch um extreme Beispiele handeln, so sind die Zitate doch Ausdruck einer seit den 1960er Jahren gewachsenen Männerfeindlichkeit, die zu einer Benachteiligung und Schwächung des vermeintlich starken Geschlechts in weiten Teilen der Gesellschaft geführt hat.
Die Betroffenen schwiegen dazu – vor allem wohl aus einem schlechten Gewissen heraus, welches besagt, dass die Frauen schließlich jahrhundertelang unterdrückt, dass ihnen die formale Gleichberechtigung verweigert wurde.
Inzwischen sind die Reste patriarchalischer Strukturen in den westlichen Ländern längst beseitigt. Die Emanzipation des weiblichen Geschlechts gilt als völlig selbstverständlich, ist für die meisten jungen Frauen kein brisantes Thema mehr. Eine selbstbewusste, raffiniert auf dem Medienklavier spielende Autorin wie Charlotte Roche hat für die Alt-Feministin Alice Schwarzer nur noch ein nachsichtiges Lächeln übrig.
Aber die Kampagne gegen das vermeintlich böse Männliche geht weiter. Sie hat besonders im akademischen Bereich Fuß gefasst und am wirksamsten in internationalen Organisationen wie der EU oder der UNO. „Gender Mainstreaming“ (GM) lautet die Stoßrichtung, die laut EU-Vorgabe alle Bereiche des öffentlichen Lebens durchdringen soll.
Übersetzt heißt das Zauberwort etwa „das soziale Geschlecht zum Hauptstrom machen“. Vordergründig geht es lobenswerterweise um Gleichstellung, aber in Wirklichkeit regiert, als Fortsetzung von Frauenpolitik mit anderen Mitteln, eine Gleichmacherei, welche die Unterschiede der Geschlechter einebnet. Nach der Gender-Ideologie ist die Menschheit nur rein zufällig in zwei biologische Lager geteilt, die sexuelle Orientierung nur anerzogen. Die demnach nicht naturgegebenen Unterschiede sollen im Sinne der Gleichstellung überwunden werden.
In der Praxis richtet sich das milliardenschwere Programm aber vielfach gegen die Männer, deren abweichende Eigenschaften auf Linie gebracht werden sollen, denn es handle sich um schlechte Eigenschaften. Bettina Röhl, Tochter des RAF-Mitglieds Ulrike Meinhoff, hat es in einer kritischen Auseinandersetzung mit GM auf eine griffige Formel gebracht: „Östrogen bedeutet Friedlichkeit, Fruchtbarkeit und Frohsinn – Testosteron dagegen Teufel, Terror und Tyrannei“.
Der Feldzug gegen die Erscheinungsformen dieses Übels treibt kuriose Blüten, über die man lachen könnte, wenn nicht das Wörtchen man schon verpönt wäre, weil es wie Mann aussieht und, wenn schon verwendet, durch man/frau ersetzt werden muss. Genauso wie sich am Wahlabend kein Politiker mehr erlaubt, von Wählern zu sprechen, sondern grundsätzlich von Wählerinnen und Wählern (nur bei den Nichtwählern gibt es die bemühte weibliche Abspaltung seltsamerweise nicht).
Die tendenziell weichliche evangelische Kirche, der weiblichen Sache sehr zugeneigt, erklärt zwar, dass man womöglich von mana kommt, was soviel wie die Mutter aller bedeute. Gleichwohl empfiehlt die EKD, man durch eine Passivkonstruktion zu ersetzen.
Bleibt aber noch das Problem mit Gott. Ist er denn nicht ein Mann? Eine „geschlechtliche Fixierung“ befleckt ihn wohl schon, erkannte die ehemalige Bischöfin und Bestsellerautorin Margot Käßmann. Um den Allmächtigen aus seiner unziemlichen Position außerhalb des „Gender Mainstreaming“ herauszuholen, stellte sich Käßmann ihn als ihre „Freundin“ vor. Konsequenterweise müsste nun zumindest die evangelische Christin nicht mehr beten „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen“, sondern korrekterweise „Ich glaube an Gott, die Freundin von Frau Käßmann“.
Diesen spöttischen Vorschlag machte der Berliner Schriftsteller Bernhard Lassahn in dem neu erschienenen Buch „Schlagseite – MannFrau kontrovers“. Dessen Herausgeber Eckhard Kuhla beleuchtet die Auseinandersetzung – ein brennendes, aber auch stark unterschätztes Thema unserer Zeit – von verschiedenen Seiten. Die 14 Autoren (darunter zwei Frauen!) beschäftigen sich beispielsweise mit den sozialen, wirtschaftlichen und juristischen Folgen des Feminismus.
Besonders erfolgreich haben sich die Frauennetzwerke offenbar an Hochschulen und deren Personalpolitik etabliert. Dort erreichte die Gender-Forschung bereits veränderte kulturelle Wahrnehmungen. So war frau jüngst bemüht, den Dichter Lew Tolstoi endlich hinter seiner Gattin Sofja Tolstoja verschwinden zu lassen. Auch die unterdrückten „hochbegabten Frauen“ anderer Künstler werden fleißig aus dem Schatten ihrer „Unterdrücker“ hervorgeholt. Ein berühmtes Beispiel ist Marieluise Fleißer, laut Elfriede Jelinek die „bedeutendste deutschsprachige Schriftstellerin“ des vergangenen Jahrhunderts und sicherlich wichtiger als Bert Brecht. Allerdings hat Marcel Reich-Ranicki darauf hingewiesen, dass Marieluise Fleißer nach der Beziehung zu Brecht noch 40 Jahre gelebt, aber kein Stück mehr zustande gebracht habe: Sicherlich ein unqualifizierter Einwand aus typisch männlicher Perspektive.
Doch Ironie beiseite, die Folgen der Auseinandersetzung von Mann und Frau sind – vor allem nach der Trennung – ernst genug. Und extrem gesellschaftsschädlich. Knapp 90 Prozent der straffällig gewordenen Jungen und Mädchen mussten ohne Vater aufwachsen, erklärt Gerd Riedmeier in „Schlagseite“. Fast jede zweite Ehe wird geschieden. Das Sorgerecht sprechen die Gerichte in aller Regel der Mutter zu. Dafür müssen die Männer den Unterhalt zahlen, auch wenn sie ihre Kinder kaum noch sehen dürfen.
Wenn die vaterlosen Sprösslinge nicht auffällig werden, so tragen sie doch oft seelische Schäden davon. Dazu äußert sich in dem hier besprochenen Buch der Psychotherapeut Dieter Katterle. Weil es sich hierbei um eine Stimme aus Nürnberg handelt, widmen wir der Problematik auf dieser Seite einen separaten Artikel.
Bleibt noch die Frage des politischen Koordinatensystems. Dass Feminismus und GM weniger innerhalb der konservativen Parteien gedeihen, liegt auf der Hand. Allerdings schielen auch die CDU und CSU nach emanzipierten Frauenstimmen und leisten sich mit Ursula von der Leyen eine feministisch engagierte Ministerin, die sich für die Frauenquote einsetzt (nur für gute Jobs, nicht bei den Müllmännern oder Bauarbeitern). Ihre Nachfolgerin sprach sich gegen die Quote aus. Kristina Schröder steht für eine neue Generation von emanzipierten Frauen, die für das Miteinander der Geschlechter eintreten.
Im aktuellen Parteiprogramm der SPD steht dagegen: „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“ Bei den Grünen ist es sogar schon vorgekommen, dass die männlichen Delegierten des Saales verwiesen wurden, damit die Frauen alleine weiterarbeiten konnten. Die Linke hat in Goslar die Gleichstellungsbeauftragte abgesägt, weil sie die Interessen von Frauen vernachlässigt habe: Monika Ebeling hatte es gewagt, sich für die Belange von Frauen und Männern einzusetzen.
Eckhard Kuhla (Hg.): Schlagseite – MannFrau kontrovers. Klotz Verlag, 380 Seiten, 19.95 Euro.
Mi. 23.05.12
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Di. 22.05.12
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Di. 24.04.12
Di. 10.04.12