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Sanfte Selbstironie und schöne Stimmen, das ist es, was die katholische Kirche dem Besucherschwund entgegensetzt. Mit Erfolg. In der Hitparade Frankreichs rangieren die deutschen Geistlichen mit lateinischen Gesängen auf Platz eins, auf YouTube hat die Gesamtzahl der Klicks zu ihren diversen Videos die Millionengrenze überschritten.
In Nürnberg überraschten „Die Priester“ mit einer Begleitband, die, vom kambodschanischen Cellisten abgesehen, nur aus jungen Frauen bestand. Und diese Band brachte ihren Sound kristallklar bis zur letzten Bank, was in dem Backsteinbau mit seinem enormen Hall ein Kunststück ist.
Die Priester selber können es mit jedem Vokal-Ensemble der Welt aufnehmen. Denn ihre Stimmen sind nicht nur glockenrein, was bei geistlicher Musik am ehesten gefragt ist, sie können auch, je nach Stimmungslage, ganz verschiedene Färbungen annehmen.
Am besten gelingt ihnen das Samtweiche, welches stark an Roy Black erinnert, der übrigens in einem seiner Filme auch schon das Ave Maria sang. Freilich: Das ist süßlich. Sogar kitschig, wozu die Untermalung der Band, insbesondere das theatralisch donnernde Schlagzeug und die schmachtend schmelzenden Streicher, ihr Möglichstes beiträgt. Aber, Überraschung: Wenn sie „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo vortragen, klingt das auf einmal weniger kitschig als das Original.
Fast ausschließlich ist es geistliches Liedgut, genauer gesagt sind es dessen selbst Kirchenfremden bekannte Klassiker, aus denen das Repertoire besteht. Aber auch Popsongs kommen zum Vortrag, sofern sie geistlich gemeint sind. Da darf Leonard Cohens „Halleluja“ nicht fehlen – fehlen dürfen dann freilich die Zeilen, in denen Cohen seine fast schon erotische Beziehung zu Gott persönlich ausdrückt.
Die klassischen geistlichen Lieder klingen freilich nicht so, wie sie der Kirchenbesucher im Ohr hat. Hinter jedes Wort des „Credo“ wird sozusagen ein Ausrufezeichen gesetzt, die Musik wird dramatisch aufgepeppt, und, noch einmal sei’s gesagt: Es grenzt an Kitsch. Und ist doch keiner, weil es mit solch innerer Ernsthaftigkeit präsentiert wird. Aber: Ist das neu? Machen das die Gospel-Chöre nicht schon seit Jahrzehnten? In seiner Getragenheit und damit Deutschheit ist es sehr wohl neu – zumindest so lange, bis ein Gemeindemitglied nach vorne stürmt und vor der Bühne in tänzerische Ekstase fällt.
„Die Priester“, das ist kein Konzert wie jedes andere. Selbst der Skeptiker merkt, wie seine Konzentration auf den hypnotischen Schönklang immer stärker wird und wie die Harmonie sein Herz berührt, was der Skeptiker sich hinterher so erklären kann, dass die Musik zur Freisetzung von Endorphinen geführt hat.
Sympathisch ist natürlich auch, dass die drei Geistlichen (die bayerischen Benediktiner Abt Rhabanus Petri und Pater Vianney Meister sowie der Wiener Diözesanpriester Andreas Schätzle) sich ab und an im Ton verirren, weil sie, noch jung in der Branche, an Lampenfieber leiden. Verständlich ist es, dass sie, wenn schon einmal so viele Leute in die Kirche kommen, die Gelegenheit nutzen und das Predigen ebensowenig lassen können wie die Katze das Mausen.
Überraschung auch zum Schluss: Nach drei Zugaben verzogen sich die Sänger, die natürlich in vollem Ornat auftraten, nicht etwa in die Garderobe. Sie marschierten durch die Mitte zum Ausgang, wo sie für Gespräche, Autogramme und vielleicht einen kleinen Segen auf den Weg bereitstanden. Und dort gab es auch einen kleinen Stand mit Klosterprodukten, als da wären Nudeln, Gummibärchen und Kräuterschnaps. „Spirituelle Kaffeefahrt“ lästert der Skeptiker – und kauft sich einen Schweiklberger Geist mit satten 77 Prozent Alkohol.
